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Vlad III, slawischer Heerführer (1431-1476/77) mit den Beinamen Draculea (Sohn des Drachen), Sohn des Teufels, Pfähler (wegen seiner Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung) – sie weisen auf eine ‚autoritäre‘ Persönlichkeit hin.

Wir begegnen immer wieder Menschen, deren Verhalten wir als sehr bestimmend und dominant erleben und die es manchen von uns schwierig macht, mit diesen Personen gut umzugehen. Und vielleicht haben wir das sogar einzelne Merkmale davon an uns selbst schon festgestellt.

Wir versehen das Verhalten dieser Personen im Alltag mit Bezeichnungen wie z. B. diktatorisch, befehlerisch, tonangebend, herrisch, herrschsüchtig, rigide, rigoros, drakonisch,  tyrannisch, despotisch, kompromisslos, gnadenlos, extrem streng, oft auch willkürlich, vielleicht sogar repressiv, brutal, barbarisch oder antidemokratisch. Das sind weitgestreute Bezeichnungen in unterschiedlicher Intensität, zum Teil auch sehr wertend. Sie weisen aber in eine Richtung, die in der Psychologie zur autoritären Persönlichkeit untersucht wurden. Die Kenntnis dieser Persönlichkeit kann uns helfen, besser mit diesen Personen konstruktiv umzugehen und vielleicht auch uns selbst zu erforschen.

Merkmale der autoritären Persönlichkeit

Auf der Basis Erich Fromm’s Arbeiten zum autoritären Charakter hat Theodor Adorno das Konzept der autoritären Persönlichkeit entwickelt, incl. einem Mess-Instrument, der F-Skala1. Diese Persönlichkeits-Struktur umfasst 10 Merkmale (‚Denk-Muster‘):

    • Konventionalismus (coventionalism): Konventionelle Werte des Mittelstandes vertreten
    •  Autoritäre Unterwürfigkeit (authoritarian submission): Die Autoritäten der eigenen Gruppe werden idealisiert, völlig unkritische Unterwerfung (Gehorsam)
    •  Autoritäre Aggression (authoritarian aggression): Tendenz, Personen zu suchen und zu entdecken, die die konventionellen Werte missachten. Sie werden abgewertet, abgelehnt, ev. sogar verurteilt und bestraft.
    •  Anti-Intrazeption (anti-intraception): Keine Selbst-Reflexion. Impulse von innen (Kreativität, Sensibilität, Phantasie …) werden abgewehrt.
    •  Aberglaube und Stereotypie (substitution and stereotypes): eigenes Schicksal ist unausweichlich vorgegeben, rigides Denken und Handeln (Rigidität: starre unabänderbare Meinungen, Einstellungen, … ev. zwanghaft)
    •  Machtdenken und „Kraftmeierei“ (power and toughness): Eigene Stärke, Härte, Robustheit werden offen gezeigt und demonstriert. Identifikation mit der Macht und ihren Vertretern, Entweder-Oder-Denken (stark – schwach, oben – unten, …)
    •  Destruktivität und Zynismus (destructiveness and cynicism). Feindseliges Auftreten, Demügigung, Herabsetzung, …
    •  Projektivität (projectivity): eigene Triebimpulse werden nach außen projiziert, werden Anderen und der Welt zugeschrieben (gefährlich, schlecht, triebhaft, animalisch, …)
    •  Sexualität (sex): Sexualität hat einen übertriebenen Stellenwert, ist ständig präsent.

Bei diesen Merkmalen wird unmittelbar klar, dass Abwertungen mit diesen Persönlichkeits-Muster verbunden sind.

  1.   Vgl.   o. A. (Theodor Adorno): The F-Scale

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