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Ein Beispiel

Narzisstische Kollusion: Bild von William Waterhouse: Echo und Narziss, 19031
Beginnen wir gleich mit einem Beispiel, das zum daneben stehenden Bild passt.
Ein Paar: Er will gerne bewundert werden. Vielleicht ist dieser Charakterzug sogar sehr stark bei ihm ausgebildet und er hat starke narzisstische Anteile, einen narzisstischen Persönlichkeits-Stil2 oder sogar eine narzisstische Persönlichkeits-Störung. Aber er findet eine Frau, die zu ihm passt.
Sie ist sehr beziehungs-orientiert, hat starke soziale Motive. Vielleicht hat sie einen dependenten (abhängigen) Persönlichkeits-Stil oder sogar Persönlichkeits-Störung.
Sie findet viele positive, bewundernswerte Merkmale an ihm. Die negativen blendet sie aus. Sie idealisiert ihn. Ihr macht es nichts aus, ihn zu bewundern. Im Gegenteil, sie hoffte dass ein bisschen Glanz von ihrem idealen Mann auch auf sie abfällt. Er findet, dass sie eine sehr gute und realistische Beobachtungsgabe hat. Sie erkennt seine positiven Seiten. Leider sind nicht alle so gut darin.
Einige Zeit geht das gut. Schließlich ist beiden geholfen. Er wird regelmäßig bewundert, was er so dringend braucht. Er hat daher wenig Anlass, sich mit seinen narzisstischen Anteilen und ihren problematischen Seiten auseinanderzusetzen
Sie hat ihren Platz an seiner glanzvollen Seite. Da er ihr alle Entscheidungen abnimmt, braucht sie sich um ihre dependenten Anteile und deren negativen Auswirkungen nicht weiter zu kümmern. So weit so gut.
Plötzlich dreht sich das Ganze. Sie erkennt plötzlich seine negativen Seiten. Sie treten sogar in den Vordergrund. Die positiven Seiten sind doch nicht echt, denkt sie. Sie sind nur gespielt. Er sucht auch dann nach Bestätigung und Bewunderung, wenn dazu absolut kein Anlass besteht. Hat er sich verändert oder hat sich ihre Sichtweise geändert? So überlegt sie.
Ihm geht es vielleicht ähnlich. Zuerst hat er es genossen, so bewundert zu werden. Aber allmählich hat sich das abgenutzt und findet ein Leben an ihrer Seite eintönig und uninteressant, ohne Herausforderung. Die Beziehung ist in der Krise. Die negativen, neurotischen Seiten ihrer Persönlichkeits-Orientierung sind auf die Bühne des Lebens getreten. Ob das gut geht?

Was heißt „Kollusion“?

Kollusion ist ein psychodynamischer, meist unbewuster Abwehr-Mechanismus3, der sich in sozialen Situationen zwischen zwei Personen konstelliert und der unsere Lern- und Entwicklungs-Möglichkeiten beeinträchtigt.
Kollusion kann als ein oft unbewusstes, geheimes, zumindest uneingestandenes  Arrangement zweier Beteiligter angesehen werden, das die negativen, ’neurotischen‘ Anteile des anderen ausblendet und so eine harmonische Situation herstellt, die allerdings eine Schein-Harmonie ist und meist nur kurzfristig hält. Insofern ist diese stille Vereinbarung auf Dauer für beide schädlich. Man könnte es als unheilvolle Verstrickung zweier Partner bezeichnen, das allerdings nicht so leicht zu erkennen ist, weil sie ja kurzfristig für beide positiv wirkt.
Aus psychoanalytischer Sicht definiert Suzana Pavic Kollusion:

Kollusion heißt dann, „dass Paare sich unbewusst auf bestimmte neurotische Interaktionen ‚einigen‘, um sich gegenseitig vor dem Bewusstwerden und der Konfrontation mit unbewältigten Grundkonflikten zu schützen. Dabei finden sich oft komplementäre Rollenverteilungen, z.B. : “Wenn du so schwach bist, darf ich so stark sein“. Auf diese Weise stellen die Partner auch sicher, dass sie sich gegenseitig ihre zentralen neurotischen Beziehungswünsche erfüllen.
Beispiel: Eine Frau die sich selbst als unbeholfen und kindlich darstellt und auf diese Weise auf Hilfe von außen hofft und ein Mann der den Wunsch hat zu beschützen.“ (Suzana Pavic: Psychodynamische Abwehrmechanismen. Auch in Ed Hellmeier: Borderline: Komplementärstörung abhängige (dependente) PS.  ]

Dieses Zusammenspiel bzw. diese Verstrickung kann unterschiedlicher Art sein, z. B. ein Rollen-Arrangement (z. B. Good Cop – Bad Cop), ein bestimmtes Interaktions-Muster oder auch ein stilles Einvernehmen (z. B. Wir greifen uns gegenseitig nicht an, auch wenn dadurch z. B. Aufklärung unmöglich wird.) Von Außenstehenden wird dieses Arrangement oft als fragwürdig oder auch nur oberflächlich angesehen. Häufig schadet es nicht nur Außenstehenden sondern auch den Arrangeuren selbst.
Jürg Willi beschreibt kollusive Paare sehr anschaulich:
„Sie helfen sich gegenseitig, ergänzen sich und erfüllen stellvertretend füreinander gewisse Aufgaben. Jedes übernimmt seinen Neigungen und Eignungen entsprechend gewisse Aspekte des Paarlebens, die ihm näher liegen als dem Partner. Das erhöht die Effizienz des Paares und verschafft den Partnern Befriedigung, lässt die Partnerschaft als sinnvoll erscheinen und erzeugt eine zunächst durchaus gewünschte Interdependenz und Zusammengehörigkeit. Die Partner spielen sich aufeinander ein. Es bildet sich in ihrer Beziehung ein gemeinsames Selbst, das das psychische Leben des einzelnen nicht mehr unabhängig von demjenigen des Partners sich entfalten lässt. Die Bildung dieses ‚gemeinsamen Selbst‘ kann sich als gefährlich erweisen und zur Quelle destruktiver Gebundenheit werden“ (Willi, 1975, S. 13). Demgegenüber gilt für ’normal funktionierenden Paaren: „Die Funktionsteilung innerhalb eines Paares, das Ergänzungsverhältnis und die Integration der Verhaltensweisen zu einem übergeordneten Ganzen sind ein normaler gruppendynamischer Vorgang und sind für die Partner eine Bereicherung und ein Gewinn“ (a.a.O., S. 188) zitiert aus: Völker Drewes: Beziehungsmodelle: Kollusionskonzept.   ]
Konflikte bei Paaren wurzeln oft in diesem Grundthema, das beide Partner gleichartig – aber gegensätzlich gepolt – haben.4
Beispiel: In partnerschaftlichen Beziehungen lebt ein Partner kindliche, spontane Anteile aus und übernimmt keine Verantwortung während der andere Partner vernünftig, (über-)erwachsen, (über-)verantwortlich handelt. Die erste Rolle nennt man regressiv, die zweite progressiv. 5
Beispiel: In der Therapie oder in Coachings gibt es oft ein stilles Arrangement, dass auf bestimmte schwierige Themen nicht eingegangen wird, obwohl sie für das besprochene Problem entscheidend sind.
Beispiel: In einer Partnerschaft lässt sich der Eine bewundern, der Andere idealisiert ihn / sie.

Die narzisstische Kollusion

Narziss und Goldmund – eine kollusive Beziehung? Geistes- und Sinnen-Mensch – beide voneinander abhängig und ergänzen sich. Foto aus dem Film von Stefan Ruzowitzky nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse.

Narzisstische Kollusion nennt man die Dyanmik einer partnerschaftlichen Beziehung, bei der einer der beiden starke narzisstische Anteile (oder sogar eine narzisstische Persönlichkeits-Störung) aufweist. Er oder sie will also in einem übermäßigen Ausmaß bewundert werden.

Der Andere stellt sich darauf ein, bewundert ihn, idealisiert ihn oder sie. (auch Idealisierung ist ein Abwehr-Mechanismus), stellt ihn auf ein Podest, übersieht seine Schatten-Seiten. Vielleicht befriedigt er dabei sogar seinen eigenen ungelebten Narzissmus und erlebt innerlich, dass ein Teil des grandiosen Abglanzes auch auf ihn fällt.
Der bekannte Psychoanalytiker Jürg Willi bezeichnet dieses Phänomen auch als ‚narzisstische Kollusion6. Beide Partner haben einen gleichartigen unbewältigten Grundkonflikt und leben ihn in entgegengesetzten Rollen7 aus, was langfristig meist zum Scheitern führt.8

Psychosoziale Arrangements

Stavros Mentzos hat für das Phänomen der Kollusion auch das Konzept des psychosozialen Arrangements9 entwickelt. Beide Partner treffen ein gegensätzliches, unbewusstes Arrangement, das langfristig für beide schädlich ist. Dieses Konzept kann auch zur Analyse von Psychopathologien in höher aggregierten sozialen Systemen verwendet werden10, z. B. in Konflikt- und Kriegsfällen zwischen Regierungen und  den Regierten.11

 

Kollusionen / Psychosoziale Arrangements von Führungskräften

Kollusionen entstehen nicht nur in Paar-Beziehungen, sondern auch in anderen sozialen Systemen. In beruflichen Beziehungen, gibt es zahlreiche Kollusionen zwischen Führungskraft (FK) und MitarbeiterInnen (MA), z. B.

  • dominante FK- unterwürfige MA (aber auch umgekehrt)
  • FK mit laissez-faire-Führungsstil, übernimmt keine Verantwortung – MA übernehmen unangemessen viel Verantwortung (ohne entsprechende Kompetenzen)
  • FK und MA geben einander kein Feedback (stillschweigendes Arrangement, sich gegenseitig nicht weh zu tun)
  • FK will geliebt und bewundert werden (narzisstische Tendenz) – MA idealisiert die FK12

Thomas Lührmann13   unterscheidet in Anlehnung an Kets de Vries vier Formen der Kollusion in Führungs-Beziehungen (siehe Tabelle)

 

Arist v.  Schlippe schildert einen Kollusions-Fall bei der Unternehmens-Nachfolge in einem Familien-Unternehmen: Vater mit Schmerz des Abschieds und Angst vor Leere und Machtverlust übergibt an unsichere Tochter.14.

Kollusionen in anderen beruflichen Beziehungen

Ein weiteres Beispiel stammt von Claudia Tödtmann. Sie schildert einen Kollusionsfall („willfähgriger Trittbrettfahrer der Macht“) eines ohnmächtigen Personalchefs mit einer dominanten und negativ eingestellten Mitarbeiterin.15

Kollusionen entstehen auch in Coaching-Beziehungen:
Kollusion: Unbemerkt vom kritischen Beobachter unseres Ichs suchen wir nach gemeinsamen Wegen, die uns davon abhalten, uns unseren Ängsten und Schatten zu stellen. So einigen sich Klient und Coach auf Themen und Handlungen, die im gegenseitigen, unbewussten Einvernehmen als »nicht zu heiß« erscheinen.“16

Partnerwahl und Kollusion

Partnerwahl und Kollusionen hängen eng zusammen, wobei vor allem unerledigte Konflikte mit Eltern im Vordergrund stehen. Vereinfacht gesagt wählen wir Partner, die uns ermöglichen, unsere unerledigten Konflikte mit den Eltern weiter zu bearbeiten. Die Schematherapie von Roedinger, eine Weiterentwicklung des Kollusionsmodells von Willi bearbeitet dieses Thema.17

Wirkung von Kollusionen

Kollusionen münden in Teufelskreise. Beide Partner sind voneinander frustriert. Die jeweilige Frustrationen des Einen führt zur Verstärkung der Frustration des Anderen. Dies führt zu Abwertungen und Konflikten.18

Selbstreflexion

  • In welchem Ausmaß lebe ich in meiner (Paar-)Beziehung eine authentische Beziehung? Trägt unsere Beziehung auch Grundmuster einer Kollusion (ähnliche unbewältigte Konflikte in ‚entgegengesetzten‘ Rollen)?
  • Hat die Beziehung zu meiner Führungskraft (bzw. zu Mitarbeiter_innen) kollusive Aspekte?
  • Für kollusive Beziehungen: Welche Grundmuster stecken dahinter? Was sind die unbewältigten Konflikte der Vergangenheit in diesen Beziehungen? Welche Ähnlichkeiten weist diese Beziehung zu meinen (früheren) Beziehungen zu meinen Eltern auf?

Literatur, Links

Kollusion (Jürg Willi) und psychosoziales Arrangement (Stavros Mentzos)

Jürg Willi: Die Zweierbeziehung: Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle ; Analyse des unbewußten Zusammenspiels in Partnerwahl und Paarkonflikt: das Kollusionskonzept.  Rowohlt 1997 (Die Zweierbeziehung: Das unbewusste Zusammenspiel von Partnern als Kollusion. Rowohlt, 1975, 1990, 2012 – mit Textausschnitten)

Jürg Willi: Therapie der Zweierbeziehung: Einführung in die analytische Paartherapie, Anwendung des Kollusionskonzeptes, Beziehungsgestaltung im therapeutischen Dreieck. Klett-Cotta, 2008. (1-1997).

Claudia Schmalz, Michael Unger:  Paarkonflikt und Persönlichkeit. Die Zweierbeziehung als Kollusion (Nach J. Willi). Aus: web.archive.org. https://web.archive.org/web/20190318222230/http://www.ipsis.de/themen/themapaar.htm. Auch in: http://www.ipsis.de. http://www.ipsis.de/themen/themen.htm.

Tamara Elmer Manneh: Beziehungsmuster in Paarbeziehungen auf der Grundlage schematherapeutischer Konzepte. Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW,  Department Angewandte Psychologie, Masterarbeit, Mai 2011, Kap. 3.1: Das Kollusionsmodell, S. 17–20. https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/883/1/ma0027.pdf.

Dorothee Friebus-Gergely: Personwerdung und Partnerschaft. Interaktionelle, individuumzentrierte und philosophische Theorien zur Paardynamik. Springer-Verlag, S. 95 ff. (Kap. 4.2.1 Zur Theorie der Kollusion)

Stavros Mentzos: Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuerer Perspektiven. Kindler 1982 (Fischer-Taschenbuch, Frankfurt 1992)

Stavros Mentzos: Der Krieg und seine psychosozialen Funktionen. Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. 2. Auflage, 2002 (4. Teil: Das psychosoziale Arrangement, S. 199 ff.)

Stavros Mentzos: Lehrbuch der Psychodynamik. Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2009 (insbes. S. 48 ff.) (Lesproben)

Suzana Pavic: Psychodynamische Abwehrmechanismen. Aus: www.borderline-spiegel.de. https://www.borderline-spiegel.de/45-psychodynamische_abwehrmechanismen.html.

Suzana Pavic, Ed Hellmeier: Am Ende bleibt der Schmerz. Dynamik einer Borderline-Beziehung. Klotz Verlag 2013. http://www.grenzwandler.org/category/literatur/.

Ed Hellmeier: Borderline: Spiegelung – was ist dieses „spiegeln“ bei Borderline. Aus: http://www.grenzwandler.org. http://www.grenzwandler.org/category/fragen-und-antworten/.

Ed Hellmeier: Borderline: Komplementärstörung abhängige (dependente) PS. Aus: http://www.grenzwandler.org. http://www.grenzwandler.org/komplementaerstoerung_abhangige_persoenlichkeitsstoerung_f60-7/.

Ed F: Spaltung. Aus: http://www.grenzwandler.org.  http://www.grenzwandler.org/spaltung/.

Werner Eberwein: Was ist Spaltung? Aus: www.werner-eberwein.de. https://www.werner-eberwein.de/was-ist-spaltung/.

Weitere Literatur-Hinweise zur Kollusion in: Teufelskreise verstehen – Konflikte verstehen.

 

Psychoanalytische Beziehungs-Analyse, Beziehungs-Modelle

Thea Bauriedl: Beziehungsanalyse. Das dialektisch-emanzipatorische Prinzip der Psychoanalyse und seine Konsequenzen für die psychoanalytische Familientherapie. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main. 1980.
Zusammenfassung von Ruth S. Neumeister: Zusammenfassung. Aus: www.neumeister.

T. Bauriedl, M. Cierpka, T. Neraal, G. Reich: Psychoanalytische Paar- und Familientherapie. In: Michael Wirsching, Peter Scheib (Hrsg.): Paar- und Familientherapie. Springer, S. 79 – 105. Aus: link.springer.com. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-09174-6_7.

 

Persönlichkeits-Stile und -Störungen, Handlungs-Muster

Rainer Sachse: Persönlichkeitsstile. Wie man sich selbst und anderen auf die Schliche kommt. Junfermann Verlag 2019. (mit Lesproben)

Rainer Sachse, Annelen Collatz: Spaß an der Arbeit trotz Chef. Persönlichkeitsstile verstehen, Kommunikation erfolgreich und gesund mitgestalten. Springer-Verlag, 2015. (mit Inhaltsverzeichnis und Leseproben)

o. A.: Persönlichkeitsstörungen. Verstrickt in Handlungsmuster. https://www.oberbergkliniken.de/krankheitsbilder/persoenlichkeitsstoerung.

 

Ovid, Metamorphosen – Echo und Narziss

Ovid (Publius Ovidius Naso): Metamorphosen. 2 – 8 n. Chr., Übersetzung von Reinhart Suchier. BoD. Books on Demand, 2016
(Mit dem Mythos von Echo und Narziss, Buch 3, Verse 339 – 510. „Narcissus und Echo“). Auch: Reclam Taschenbuch, Reclam Verlag 2015. Auch: Innovative digitale Lösungen in musaicum books. OK Publishing 2017.

 

Narziss und Goldmund

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund. Erzählung.  Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003 (1-1930)

Narziss und Goldmund. Film von Stefan Ruzowitzky. Dm März 2020.  imdb. https://www.imdb.com/title/tt9014656/

o. A.: Narziss und Goldmund (Erzählung von Hermann Hesse). wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Narzi%C3%9F_und_Goldmund. (darin: Ausschnitt aus einem Brief Hesses an Christoph Schrempf)

 

Persönlichkeits-Stile

Rainer Sachse: Persönlichkeitsstile. Wie man sich selbst und anderen auf die Schliche kommt. Junfermann Verlag, 2019

Rainer Sachse, Annelen Collatz: Spaß an der Arbeit trotz Chef: Persönlichkeitsstile verstehen, Kommunikation erfolgreich und gesund mitgestalten. Springer-Verlag, 2015Riemann, Fritz: Grundformen der Angst. Verlag Ernst Reinhardt, München 2019 (1-1961)

Weitere  Hinweise zu Persönlichkeits-Stilen von Riemann-Thomann finden sich in meinen blog-Beiträgen: Soziale Nähe zu Mitarbeiter_innen?Was macht Führungsgespräche wirksam?,  Führungs-Impuls: Die Frau des ChefsDer gruppendynamische Raum.

Hans Jung: Persönlichkeitstypologie: Instrument der Mitarbeiterführung ; mit Persönlichkeitstest. Oldenbourg Verlag, 2000 (Persönlichkeitstypologie auf der Basis des Riemann-Modells)

o. A.: Sozialer Persönlichkeitstyp. aus www.123test.com. https://www.123test.com/de/Sozialer-Pers%C3%B6nlichkeitstyp/.

Markus Brunner: 9 Typen. Aus: www.enneastar.ch. https://www.enneastar.ch/9-typen/. (Abgeändertes Enneagramm-Konzept)

 

Kollusion im Unternehmen (Führung, Unternehmens-Nachfolge)

Christoph J. Schmidt-Lellek: Charisma, Macht und Narzissmus. Zur Diagnostik einer ambivalenten Führungseigenschaft. In: OSC 11 (1), 2004, S. 27-40; Überarbeitung aus: http://www.schmidt-lellek.de. http://www.schmidt-lellek.de/10.htm.

Thomas Lührmann: Führung, Interaktion und Identität. Die neuere Identitätstheorie als Beitrag zur Fundierung einer Interaktionstheorie der Führung. Springer-Verla. 2007.

Manfred F. R. Kets de Vries: The Leader on the Couch. A Clinical Approach to Changing People and Organizations Kindle Ausgabe.2009

Arist v. Schlippe: Psychologische Aspekte der Unternehmensnachfolge. Ambivalente Nachfolgesysteme. Aus: www.reguvis.de. https://www.reguvis.de/fileadmin/Betrifft-Unternehmen/Arbeitshilfen/Fachbeitraege/Psychologisch.pdf.

Ulrich Hemel, Claudia Tödtmann: Was Vorgesetzte nicht tun, wiegt schwerer als das, was sie tun. Aus: blog.wiwo.de. 2. März 2018. https://blog.wiwo.de/management/tag/ulrich-hemel/.

  1. Diese kollusiv angelegte Beziehung endete, bevor sie begonnen hatte, zeigt jedoch das Leiden, das damit verbunden sein kann. Echo verzehrte sich nach ihm innerlich, bis sie nur noch Schall war. Narziss konnte auch in seinem Spiegelbild keine Erfüllung finden, hörte auf zu essen bis er starb. Durch die ‚Gnade der Götter‘ wurde er schließlich in eine Blume verwandelt.
  2.   Zu Persönlichkeits-Stilen vgl. z. B.
Rainer Sachse: Persönlichkeitsstile.  
  •   Weitere Abwehr-Mechanismen werden beschreiben in meinen Beiträgen Warum lebe ich nicht mein authentisches Leben, Abwertungen vergiften Beziehungen, Teufelskreise verstehen – Konflikte verstehen.
  •   „Nach Willi streiten Paare häufig um ein Grundthema, das in einem spezifischen Grundkonflikt wurzelt. Das Paar trägt diesen Grundkonflikt miteinander aus, wobei beide Partner eine gleichartige Störung haben, die sich jedoch in unterschiedlichen Rollen zeigt. Es handelt sich um ein von den Ehepartnern inszeniertes Abwehrspiel.
  • … Nach Willi bilden Paare jeweils ein ‚gemeinsames Unbewusstes‚, das durch typische Entwicklungsdefizite und den in ihnen verankerten unbewussten Motiven konstelliert wird.
    Eine Partnerschaft ist ein ‚System‘, in dem zwei Menschen durch ein weitgehend unbewusstes Zusammenspiel sich mit den Mängeln ihrer Sozialisation arrangieren wollen, was Willi als ‚Kollusion‘ bezeichnet.
    Unter Kollusion versteht er das von den Ehepartnern geteilte innere Objekt, das gemeinsame Unbewusste bzw. die gemeinsame Grundphantasie. Willi sieht ein wesentliches Motiv für die Partnerwahl in der Wiederentdeckung der eigenen unterdrückten und für einen selber verloren gegangenen Selbstanteile im Partner.
    Nach Willi entsteht eine Kollusion, wenn der Streit des Paares stereotyp wird und dadurch ein hohes Maß an psychischer Energie absorbiert wird. In diesem Streit geht es nicht mehr um sachbezogene Auseinandersetzungen, sondern um tiefer liegende Ängste und Konfliktbereitschaften. Diese beruhen meist auf unbewältigten Kindheitskonflikten und werden in ähnlich gelagerten Konfliktsituationen mit dem Partner mobilisiert. Die Kollusion dient dazu, die eigenen unbewussten Selbstanteile abzuwehren. Es besteht zwischen den Partnern eine uneingestandene Übereinkunft, sich nicht mit den unbewussten Anteilen des Konfliktes zu befassen.“ Aus: Dorothee Friebus-Gergely: Personwerdung und Partnerschaft, S. 96  
  •   Vgl. Thea Bauriedl: Beziehungsanalyse.   
  •   „Das Kollusionsmodell von Willi (1975, 2010) ist eines der bedeutendsten Modelle im Partnerschaftsdiskurs, da es psychodynamische Prozesse in einer Paarbeziehung beschreibt. Grundlage für Willis Kollusionskonzept bilden psychoanalytische Theorien, die davon ausgehen, dass neurotische Beziehungsstörungen durch unverarbeitete Beziehungserfahrungen in der Kindheit, aber auch durch Verletzungen in der vorangegangenen erwachsenen Paarbeziehung verursacht werden, wobei internalisierte Beziehungsmuster immer wieder reaktiviert werden und die Rolle der Mutter oder des Vaters auf aktuelle Beziehungspartner übertragen wird … Dabei betrachtet Willi die Paarbeziehung als in sich geschlossenes System mit kreisförmigem Regelwerk, bei dem sich im Sinne des konstruktivistisch-systemischen Ansatzes beide Beziehungspartner gegenseitig bedingen und beeinflussen.“ Tamara Elmer Manneh: Beziehungsmuster in Paarbeziehungen auf der Grundlage schematherapeutischer Konzepte, S. 17 
  • Dabei lebt ein Partner neurotisch-einseitig übermäßig die kindlich-regressive, die andere die ‚erwachsenen‘ progressiven Bedürfnisse bzw. Anteile  [1.  „Ein gesunder, nicht-neurotischer Mensch hat ein großes Verhaltensrepertoire, das er in unterschiedlichen Situationen angemessen einsetzen kann. Er besitzt ein hohes Maß an Gefühl und Verständnis für sich selbst, Selbstständigkeit und damit Stabilität. Er kann seinen kindlichen, regressiven Bedürfnissen (wie Wünsche nach Schutz, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Liebe, Einander-Gehören etc.) ebenso angemessen umgehen wie mit erwachsenen, progressiven Bedürfnissen (z.B. Wünsche nach Stärke, Kompetenz, Tatkraft, Überlegenheit). In einer gesunden Beziehung können die Partner flexibel zwischen progressiven und regressiven Tendenzen wechseln.
    Das Repertoire von regressiven und progressiven Verhaltensweisen ist bei ‚neurotischen Störungen‚ in seiner Flexibilität eingeschränkt. Die Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung sind nicht voll ausgeschöpft. Solche Menschen sind in ihren Wünschen starr und ihr Verhalten auf wenige Muster eingeschränkt. Meist besteht eine Fixierung auf eine regressive oder progressive Position. In einer ‚neurotischen Kollusions-Beziehung‘ nimmt jeder Partner eine starre Position ein. Andere – besonders komplementäre, d.h. gegenpoligeVerhaltensweisen werden verdrängt. Die Partnerwahl findet unter dem Gesichtspunkt statt, die eigenen verdrängten Tendenzen und Wünsche an den Partner zu delegieren. Somit finden oft Paare zusammen, wo der eine in einer progressiven Position ist (der regressive Tendenzen verdrängt hat) und der andere in einer regressiven Position (bei verdrängten progressiven Tendenzen), um sich unbewusst gegenseitig zu ergänzen. Die Partner bilden aufeinander bezogene „Interaktionspersönlichkeiten“, die sich durch gegenseitige Abhängigkeiten auszeichnen.“ 
  •   „Im längeren Zusammenleben scheitert dieser ‚kollusive Selbstheilungsversuch‚ aufgrund der Wiederkehr des Verdrängten bei beiden Partnern. Anfangs erscheint vordergründig eine perfekt gelungene Partnerwahl (da Gleichwertigkeitsbalance eingestellt). Oft entwickeln sich aber immer extremere Positionen der Partner. Dann wird es unerträglich, wenn der Partner die Tendenzen, die man selbst verdrängt hat, immer deutlicher auslebt: auf Dauer kann es der Progressive nicht ertragen, dem Partner jene regressive Befriedigung zu geben, die er sich selber versagt – und der Regressive hasst den Partner, weil ihn das Angewiesensein auf dessen Hilfe kränkt. So schlägt das Zusammenspiel der Partner in eine destruktive Kollusion (Partnerkonflikt) um. Das, was anfangs die Anziehung der Partner bewirkt hat, wird nachher zur Ursache des Konfliktes.“ Aus: Völker Drewes: Beziehungsmodelle: Kollusionskonzept.  
  • Ein psychosoziales Arrangement ist „eine zwar nicht bewusst beabsichtigte, aber faktisch hergestellte Bindung auf Gegenseitigkeit, die unter Umständen von erheblicher praktischer Relevanz (etwa hinsichtlich Stabilität der Institution, Loyalität des Individuums der Institution gegenüber und umgekehrt)Stavros Mentzos: Der Krieg und seine psychosozialen Funktionen, S. 215 
  •   „Auch in der Analyse von Institutionen, in der Psychologie und Psychopathologie des Krieges wie auch in anderen Pathologien sozialer Systeme kommt man ohne die Konzepte des psychosozialen Arrangements und der Kollusion nicht aus“. Stavros Mentzos: Lehrbuch der Psychodynamik, S. 48.
  • Mentzos bot dazu „die Arbeitshypothese an, auch den Krieg als eine solche Institution mit sowohl bewussten, zweckrationalen, sachbezogenen als auch (parallel dazu verlaufenden) unbewussten, psychosozialen Funktionen zu betrachten. Das so entstehende ‚psychosoziale Arrangement‘ habe ich zunächst allgemein und ohne eine Differenzierung als eines zwischen Führungsschichten (Regierenden, Machthabern, Befehlshabern) einerseits und Regierten (Fußvolk, Befehlsempfängern) andererseits skizziert. Gerade diese Unterscheidung erscheint mir heute für das Verständnis der Kriegsdynamik besonders relevant. Diejenigen, die die Entscheidungen zum Krieg treffen, sind nicht dieselben,die an der Front marschieren, und dies hat Konsequenzen nicht nur für die offiziellen, die Hauptfunktionen des Krieges, sondern auch für seine inoffiziellen, halb- oder unbewusst ablaufenden psychosozialen Funktionen.“ Stavros Mentzos: Der Krieg und seine psychosozialen Funktionen, S. 215 
  •   Vgl. Stefan Kiechle: Narzissmus und Führung. Christoph J. Schmidt-Lellek: Charisma, Macht und Narzissmus.  
  •   Thomas Lührmann: Führung, Interaktion und Identität, S. 249 
  •   Vgl. Arist v. Schlippe: Psychologische Aspekte der Unternehmensnachfolge.  
  • Siehe Ulrich Hemel, Claudia Tödtmann: Was Vorgesetzte nicht tun, wiegt schwerer als das, was sie tun.  
  •   Björn Migge: Handbuch Business-Coaching,  S. 98
  •   „Das Modell der schematherapeutischen Paardynamik von Roediger (2011b) geht auf das Kollusionskonzept von Willi (1975, 2010) zurück. Es geht davon aus, dass sich Personen in der Partnerwahl unbewusst von den Partnern angezogen fühlen, die ihnen ähnliche Beziehungsangebote machen wie die primären Bezugspersonen (Roediger, 2011b). Young et al. (2008) nennen das die Beziehungschemie (Chemistry). Diese Passung erlaubt, die vertrauten Beziehungsrituale zu reinszenieren, wobei sich die Partner gegenseitig als Verursacher ihrer negativen emotionalen Zustände erleben und mit maladaptiven Bewältigungsstrategien darauf reagieren. Somit verstärken die Partner gegenseitig ihre Bewältigungsmodi im Sinne eines Moduszirkels. Je mehr beispielsweise die Frau ihren Mann kontrolliert, umso mehr zieht er sich vermeidend zurück, obwohl für die Frau die Stabilität und Selbständigkeit des Partners zu Beginn der Beziehung anziehend war, weil sie dadurch Sicherheit erfuhr, während er wiederum die Fürsorglichkeit und Anhänglichkeit der Frau schätzte, da er sich dadurch geliebt fühlte. Sobald aber die Frau aufgrund der Nicht-Erfüllung ihrer Bedürfnisse in den überkompensierenden Bewältigungsmodus der Kontrolle verfällt und der Mann als Reaktion darauf in den emotional abweisenden Vermeidungsmodus wechselt, destabilisiert sich die Beziehung, da alte Schemata aktiviert werden (Roediger, 2011b).“  zitiert aus: Tamara Elmer Manneh: Beziehungsmuster in Paarbeziehungen auf der Grundlage schematherapeutischer Konzepte, S. 36
  • Vgl. den Beitrag: Teufelskreise verstehen – Konflikte verstehen 
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