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Unterschiedliche Zugänge zur Entwicklung der eigenen Person –Persönlichkeits-Entwicklung, Selbst-Entwicklung, Selbst-Verwirklichung, Selbst-Management, Selbst-Differenzierung, Selbst-Findung, persönliches Wachstum …

„Entwicklung – Ent-Wicklung

Mein ganzes Leben ist von Entwicklung bestimmt.
Das ist nötig.
Ent-Wicklung – das heißt ich wickle mich aus;
denn ich habe mich oft einwickeln lassen.

In dem Maße, wie ich mich nicht mehr von anderen einwickeln lasse,
und mich selbst nicht mehr einwickle,
kann ich mich entwickeln.

Anderen Menschen zur höchstmöglichen Entwicklung zu verhelfen,
heißt, sie nicht einzuwickeln,
sondern sie sich entwickeln zu lassen.“

Marianne Kawohl1

 

Vogel Selbsterkenntnis („Nimm Dich selbst bei der Nase“): Gemälde aus dem letzten Drittel des 17. Jhd. n. Chr. im Tiroler Volksmuseum.

Es gibt unterschiedliche Zugänge zur Selbstentwicklung, die meist in eine ähnliche Richtung gehen: Wie unterschiedliche Speichen auf einem Rad treffen sie sich im Zentrum. Dieses Zentrum wird meist als „Selbst“ bezeichnet. Spricht man von Selbstentwicklung, …

  • so meint man manchmal das Ganze (symbolhaft das ganze Rad). „Selbstentwicklung“ ist dann der Überbegriff über alle Zugänge zur Entwicklung der eigenen Psyche.
  • Manchmal meint man auch, die direkt Auseinandersetzung mit dem Selbst als Persönlichkeits-Zentrum (symbolhaft die Rad-Nabe). „Selbstentwicklung“ ist dann der Begriff, der diesen Zweig bezeichnet.

Selbstentwicklung im weiteren Sinn umfasst also zahlreiche Zugänge, die unterschiedliche (Entwicklungs-)Begriffe verwenden, die sich meist nur graduell voneinander unterscheiden, aber doch unterschiedliche Aspekte betonen.

Z. B. werden

  • „Selbstentwicklung“ und „Persönlichkeitsentwicklung“  oft synonym gebraucht.

Aber auch Nachbarbegriffe wie

  • „Selbst-Management“,
  • „Individuation“,
  • „Selbst-Differenzierung“,
  • „Selbstverwirklichung“,
  • „Selbst-Findung“ und
  • „persönliches Wachstum“

sind in einer Grauzone zur Persönlichkeitsentwicklung.

Vergleicht man die dahinterstehenden Konzepte, z. B. Persönlichkeitsmodelle, Ansätze der (Persönlichkeits-)Psychologie, so werden die Unterschiede klarer.

Selbstentwicklung

„Das wichtigste Problem alles menschlichen Denkens ist das:
Den Menschen als auf sich gegründete, freie Persönlichkeit zu begreifen. “
Rudolf Steiner2

Selbstentwicklung im umfassenden Sinn

Hier geht es darum, sich selbst und das „Selbst“ zu entwickeln.

„Self-development is personal development, with the person taking primary responsitbility for their own learning and for choosing the means to achieve this.
Ultimately, it is about increasing your capacity and willingness to take control over, and be responsible for, events.

Self-development can mean many things:

  • developing specific qualities and skills
  • improving your performance in your existing job
  • advancing your career … or
  • achieving your full potential as a person.3
Selbstentwicklung im engeren Sinn

Es ist vor allem der letzte Punkt der obigen Aufzählung, der Selbstentwicklung im engeren Sinn  kennzeichnet: „Entwickle dein volles Potenzial!“ Meine Therapie-Lehrerin Gerda Boysen wies uns in ihren Ausbildungs-Modulen darauf hin, das es wichtig ist, die in uns schlummernden Potenziale und Talente zu entdecken, zu aktivieren und zu kultivieren. Nicht beachtete und liegen gelassene Potenziale sind wie nicht beachtete Kinder, sie werden schlimm, sie machen uns Probleme. Selbstentwicklung ist eine ‚unverzweckte‘ Aufgabe: Entwicklung nicht, um im Beruf besser zu werden, nicht, um mehr Erfolg zu haben, nicht, um eine bessere Partnerschaft führen zu können – das sind alles Nebenergebnisse. Selbsteinwicklung ist ein Ziel für sich. Ich sollte am Ende des Lebens die Überzeugung haben, die ich, das, was in mir drinsteckt, auch entwickelt habe.

Was diese Potential beinhaltet und wie es sich strukturiert, dazu haben unterschiedliche psychologische und therapeutische Ansätze unterschiedliche Vorstellungen.

Beispiel: Selbstentwicklung als Synthese innerer Anteile: Psychosynthese

Ein Beispiel eines Selbstentwicklungs-Ansatzes ist die Psychosynthese, eine tiefenpsychologische Richtung, die mit Roberto Assagioli verbunden ist.

Das Ziel dieses Konzepts ist die Integration innerer Anteile der Psyche, sogenannter ‚Teilpersönlichkeiten‚. Diese Anteile sollen in einer Synthese zu einem größeren Ganzen zusammengeführt werden. Nur dann können sie – laut Psychosynthese – ihre volle Wirkung entfalten.

Im Zentrum jeder Form von Selbstentwicklung stehen Vorstellungen über das Selbst, des Kerns unserer Persönlichkeit. Die Psychosynthese hat dazu ein nützliches Modell entwickelt („Ei-Modell der Persönlichkeit„)

Persönlichkeitsentwicklung

Persönliches Wachstum ist
Zugewinn an Bewusstheit,
Zugewinn an Verhaltens-Optionen,
Zugewinn an Ich-Stärke,
Zugewinn an Durchlässigkeit,
letzten Endes ein Mysterium.“
C. G. Jung

Persönlichkeits-Entwicklung hat sowohl einen

  • äußeren Aspekt, die Planung und Gestaltung des persönlichen Lebenswegs und der Lebens-Situation als auch einen
  • inneren Aspekt, die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, persönliches Wachstum.

Der äußere Aspekt hat Bezugs-Punkte zum Selbst-Management, dem Management der aktuellen Lebens-Situation mit all ihren Herausforderungen (Selbst-Management in all seinen Ausprägungen, z. B. Stress-Management, Zeit-Management, Rollen-Management, Zukunfts-Management, …).

Der innere Aspekt hat Bezug zur den unterschiedlichen Ansätzen der Persönlichkeits-Psychologie und hat im Kern

  • einerseits die Diagnose (Selbst-Erkenntnis) der eigenen Persönlichkeit aus der Sicht eines Persönlichkeits-Modells (Entwicklung eines realistischen Selbst-Bildes) und
  • andererseits Impulse zur Entwicklung der Persönlichkeit in eine positive Richtung.

Entwicklungs-Impulse entstehen oft als Antwort auf wesentliche existenzielle Fragen:

  • Standortbestimmung: Wo stehe ich?(äußerlich, innerlich, Lebens-Phase, …)
  • Vorschau: Wo will ich hin? / Was will ich in mir entwickeln?
  • Sinnvoll ist auch eine Rückschau: Wo komme ich her? Was habe ich schon erlebt? Was hat mich geprägt. Nur wer seine Vergangenheit versteht, kann seine Zukunft gut gestalten.

Selbstdifferenzierung

Selbstdifferenzierung ist ein Begriff der Familien-Therapie4. Je besser man differenziert und entwickelt ist, desto besser kann man mit andern Familien-Mitgliedern – und damit auch mit anderen Menschen außerhalb der Familie – umgehen. Man kann dann andere so wahrnehmen, wie sie sind mit all ihren Unterschiedlichkeiten: unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen, unterschiedlichen Meinungen und Einstelltungen usw. – ohne sich von diesen Unterschiedlichkeiten bedroht zu fühlen.

Man kann auch sagen, mit Selbstdifferenzierung entwickelt man jenen  Teil der Persönlichkeit / des Selbst, der in kommunikativen Situationen in Kontakt mit Anderen tritt. Im Zentrum steht dabei: Wie gut (offen, freundlich, gelassen, …) kann ich (mein Ich, mein Selbst) ohne allzu großen Projektionen und Übertragungen – in Kontakt treten. Weitere Hinweise finden sich im Beitrag: „Wenn ein Kind zum Partner seiner Eltern wird

Individuation

Individuation ist ein Konzept des Schweizer Psychoanlatytikers C. G. Jung im Sinne eines „Werde, der/die Du bist.“ Im Vordergrund steht die Entdeckung  und Erforschung des Unbewussten und seine Integration ins Bewusstsein. Dadurch kommen sowohl vergessene und verdrängte Inhalte hoch, die verarbeitet und integriert werden können, aber auch völlig neue und kreative Inhalte und Potenziale können ins Bewusstsein gelangen.

«So wie bewusste Inhalte in das Unbewusste verschwinden können, so können auch Inhalte aus dem Unbewussten aufsteigen. Neben einer Mehrzahl von bloßen Erinnerungen können auch wirklich neue Gedanken und schöpferische Ideen zum Vorschein kommen, die nie zuvor bewusst waren. Sie wachsen aus den dunklen Tiefen wie ein Lotus und bilden einen wichtigen Teil der unbewussten Psyche. … Viele Künstler, Philosophen und sogar Naturwissenschaftler verdanken einige ihrer besten Ideen solchen Inspirationen.»5

Zentrale Konzepte seines Persönlichkeitsmodells sind z. B. Introversion / Extraversion6, Archetyp und Komplex. Der Entwicklungsprozess in diesem Ansatz wird beschrieben im Beitrag zur Individuation.

Selbstmanagement / Selbstcoaching

Selbst-Management und Selbst-Coaching ist weitgehend das gleiche. Es ist der ‚handfeste‘ Ast der Selbstentwicklung. Hier geht es darum, mit den Herausforderungen des Lebens besser fertig zu werden bzw. das eigene Verhalten in Bezug auf verschiedene Lebens-Situationen zu optimieren. Anders gesagt geht es um den konstruktiven Umgang und der konstruktiven Gestaltung der Lebenssituation.

„Abhängig davon, welchen Bereich Sie verändern wollen, ändern Sie Ihre Routinen und Lebensgewohnheiten. Sie wollen etwas für Ihre Gesundheit tun, also bauen Sie mehr Sport in Ihren Zeitplan ein. Sie wollen abnehmen, also integrieren Sie gesündere Lebensmittel in Ihren Nahrungsplan. Sie kommen nie mit Ihrer Zeit aus und jagen den Deadlines ständig hinterher, also erledigen Sie als erstes an die unangenehmen Aufgaben und widmen sich dann den angenehmen. Danach machen Sie die Zeitfresser aus und eliminieren sie.“7

Auch die Planung und Gestaltung der eigenen beruflichen Situation gehört zum Selbstmanagement:  Individuelle Laufbahnplanung / individual career planning.8

Da das lebenslange Lernen auch gesellschaftlich ermöglicht werden soll, sind in Konzepten zum lebenslangen Lernen auch politische bzw. gesellschaftliche Ziele enthalten. Vgl. dazu BMBF: 

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung schrieb 2004: „Lebenslanges Lernen hilft, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und Ausgrenzung so weit wie möglich zu vermeiden. Im Rahmen einer Gesamtstrategie soll das Ziel verfolgt werden, die Bildungsteilhabe zu erhöhen, allen Menschen mehr Chancen zur persönlichen, ihren Begabungen entsprechenden gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklung zu ermöglichen und den Standort Europa mitzugestalten“  [BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland): Lebenslanges Lernen.

]

Selbstentwicklung als Sinnsuche

In der Logotherapie von Viktor Frankl kristallisiert sich die Selbstentwicklung vor allem in der persönlichen Sinnsuche. „Was ist der Sinn meines Lebens“ oder besser: „Welchen Sinn möchte ich meinem Leben geben?“ In der Logotherapie konkretisiert sich die Sinnsuche vor allem in 3 Werte-Fragen, der Frage nach den schöpferischen, Erlebnis- und Einstellungswerte:

  • Was will ich in meinem Leben noch schaffen, realisieren, leisten, hervorbringen, …? (schöpfersiche Werte)
  • Was will ich noch erleben? Wo möchte ich dabei sein, mitmachen, miterleben, was genießen, besuchen, bereisen, … (Erlebniswerte)
  • Was möchte ich noch in mir entwickeln, verändern, bereinigen, wachsen lassen? Oder konkreter: Welche Einstellungen (zum Leben, zum Tod, zu bestimmten Menschen oder der Menschheit insgesamt, zu Herausforderungen des Lebens, zur Spiritualität, …) möchte ich noch entwickeln bzw. verändern?

Weitere Ausführungen und Literaturhinwiese finden sich im Beitrag zur Sinnnsuche.

Individualisierung durch Rollendifferenzierung

„Ein völlig austauschbares und total außengesteuertes winziges Rädchen
im gesellschaftlichen Getriebe zu sein:
Das ist zweifellos eine Schreckensvorstellung für jeden modernen Menschen.“
910

In der Sozialpsychologie wird Selbstentwicklung auch als Erwerb von Individualität im Spannungsfeld zwischen Individualisierung einerseits und Gruppenbildung (mit der Übernahme von Rollen und Normen) beschrieben. Die Teilnahme einer Person an Gruppen und die Übernahme von Rollen und Normen wird häufig als schädlich auf dem Weg zum einzigartigen Individuum gesehen. Sie können sich jedoch auch bestärken, wenn in den Gruppen die Personen ihre Individualität wahren können.

„Soziologische und psychologische Analysen lassen darauf schließen, dass Mitglieder moderner, komplexer Gesellschaften Individualisierungs– gegenüber Gruppenbildungsprozessen priorisieren. Besteht jedoch die Möglichkeit, der eigenen Individualität Ausdruck zu verleihen, wird Gruppenbildung erleichtert. Den Individualisierungskomponenten Unabhängigkeit und Unterscheidung einerseits sowie der Art der Gruppe andererseits kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.“11

Kampmeier unterscheidet zwei Bedeutungen bzw. Komponenten der Individualität und bezieht sich dabei auf den deutschen Soziologen des 19. Jhd., Georg Simmel:

„Die Bedeutung der Individualität überhaupt geht nach zwei Seiten auseinander;
die eine …. die Freiheit, die Selbstverantwortlichkeit, ….
Die andere Bedeutung der Individualität aber ist … : dass der einzelne Mensch sich von den andern einzelnen unterscheide,
dass sein Sein und sein Tun nach Form oder Inhalt oder beiden nur ihm allein zukomme,
und dass dieses Anderssein einen positiven Sinn und Wert für sein Leben besitze.
(Simmel, 1908, S. 541).12 13

Die beiden Aspekte der Individualität werden auch Unabhängigkeit und Unterscheidung genannt.

„Demnach sind also

  • Freiheit, Selbstverantwortlichkeit, Autonomie oder Selbstbestimmung
    auf der einen und
  • Unterscheidung. Anderssein, Einzigartigkeit oder Distinktheit auf der anderen Seite

zwei wichtige Facetten von Individualität …
die im folgenden die Begriffe Unabhängigkeit und Unterscheidung verwendet werden.“14

Vielfältige Rollendifferenzierung, wie sie für unsere heutige Gesellschaft typisch ist, bringt zwar einerseits mehr Konflikte und Rollenstress (mit der Gefahr zwischen unterschiedlichen Rollen-Erwartungen und -Anforderungen zerrieben zu werden) zum Vorschein, nötigen jedoch auch, eine klare Linie des eigenen Handelns zu finden.15

„Die frühere Unzweideutigkeit und Sicherheit weicht zunächst einer Schwankung  der Lebenstendenzen … (aber)
je  mannigfaltigere Gruppeninteressen sich in uns treffen und zum Ausdruck kommen wollen,
um so entschiedener wird das Ich sich seiner Einheit bewusst.“
Georg Simmel16

Mögliche Ergebnisse der Selbst-Entwicklung

Das globale Ergebnis der Selbst-Entwicklung ist der psychisch gesunde Mensch. In jeder persönlichkeits-psychologischen bzw. therapeutischen Richtung wird dieser anders beschrieben. Es lassen sich jedoch Ähnlichkeiten finden. Ein Beispiel dafür ist der ‚voll entfaltete Mensch‘ („fully functioning person“) bei Carl Rogers17

Gelingt ein therapeutischer Prozess, dann spricht Rogers von der ‚fully functioning person‘, der voll sich entfaltete Mensch.

„Ein Mensch,

  • der gegenüber allen Elementen seines organischen Erlebens offener ist,
  • der Vertrauen zum eignen Organismus als einem empfänglichen Instrument entwickelt,
  • der Bewertungen aus sich heraus vornimmt,
  • ein Mensch, der lernt, sein Leben als fließenden, fortwährenden Prozess zu sehen,
  • in dem er ständig neue Aspekte seines Wesens im Strom seiner Erfahrung entdeckt.“
    Carl Rogers 1973, S. 129 zitiert aus: Beatrix Teichmann-Wirth: Fully functioning person.

Exkurs: Wenn Entwicklung Pause macht; Psychological Mindedness (PM) und Theory of Mind (ToM).

Psychological Mindedness (PM)

Voraussetzung für Selbst-Entwicklung bzw. der Entwicklung eines adäquaten Selbst-Bildes / Selbst-Konzepts ist ein Minimum an Bewusstsein  für psychische Prozesse, für psychisches Erleben. In der psychologischen und psychotherapeutischen Forschungen hat sich für diese Qualität der Begriff der ‚psychologischen Mindedness‚ herausgebildet, für das es keine passende alltags-sprachliche Übersetzung gibt. Psychologische Sensibilität passt vielleicht am ehesten.

Mit diesem Konzept wurde untersucht, ob jemand überhaupt in der Lage ist, von psychotherapeutischen Verfahren Nutzen zu ziehen. Dies zu diagnostizieren ist besonders in der Gruppen-Psychotherapie wichtig, da jemand, der überhaupt kein Bewusstsein für psychische Dynamiken hat, die Gruppenprozesse sehr stören kann. Studien mit Messinstrumenten zur PM liefern Hinweise, inwieweit man mit dieser Variablen Therapieprozesse und -ergebnisse vorhersagen kann.18

Referenzbegriffe für  ‚psychological mindedness‘ (PM) sind z. B. ,

  • psychische Sensibilität,
  • Bewusstsein und Wahrnehmungsfähigkeit für emotionaler Zustände, …

Auch die Begriffe

  • der Empathie19
  • der emotionalen Intelligenz20
  • der (psychologische) Einsicht, Introspektion, Selbst-Bewusstheit, Fähigkeit der Selbst-Beobachtung, auf das Selbst gerichtete Aufmerksamkeit 21
  • der Ambiguitäts-Toleranz 22

sind in der Nachbarschaft dieser menschlichen Qualität PM. Es wurden mehrere Instrumente zur Messung dieser Qualtiät entwickelt, z. B. der PMAP – Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP)23

Entwicklungspsychologen  haben herausgefunden, dass diese Fähigkeit zur PM bereits frühe Wurzeln hat und in der Kindheit hat. Die psychoanalytische Bindungstheorie liefert Erklärungsansätze dafür – sie verwenden die Bezeichnung „Mind-minded“. Als „mind-minded“ bezeichnet man Eltern, die ihre Kinder als vollwertig ansehen, als Wesen mit Bewusstsein „Mind“ und nicht nur als bedürftiges Wesen, dessen Äußerungen, Meinungen weitgehend irrelevant sind. Ein Erziehungsstil, der  das Kind in dieser Weise beachtet wird als „mind-minded parenting“ bezeichnet und hat weitreichende Auswirkungen auf Bindungs-Fähigkeit und Lern- und Entwicklungspotenziale des Kindes bzw. des späteren Erwachsenen.24

Alexithymie

Ein polarer, gegensätzlicher Begriff zur (emotionalen) PM ist die Alexithymie (Alexithymia, Gefühls-Legasthenie, Gefühls-Blindheit, Emotionslosigkeit, Gefühls-Kälte, …) Wörtlich bedeutet Alexithymie „keine Worte für Gefühle“ bzw. „Gefühle nicht lesen können“25. Personen mit alexithymen Merkmalen können ihre eigenen Gefühle nicht wahrnehmen und sie nicht verbalisieren und sie auch nicht bei anderen erkennen und sich daher auch nicht empathisch einfühlen.

Die Gefühls-Legasthenie liegt häufig in extremer Ausprägung bei Personen mit autistischer Persönlichkeitsstörung vor.26 , auch bei der Borderline-Störung.27 Thorsten Gems hat die Ausprägung bei Autismus sehr plastisch beschrieben:

„Die Alexithymie oder die Gefühlslegasthenie beschreibt die Unfähigkeit eigene Gefühle valide deuten zu können oder bezeichnet sogar die Unfähigkeit diese auch nur im Ansatz zu erkennen.
Da ein Gefühl häufig mit einem körperlichen Empfinden (Psychosomatose) einhergeht, fällt es schwer die eigene Gefühlswelt richtig zu deuten und man gerät stärker und stärker in eine Unsicherheit. Die These, dass man die Alexithymie dem Bereich des Autismus zuordnen kann, ist stark umstritten.

‚Ich kann sehr oft nicht sagen, ob ich niedergeschlagen bin, traurig oder unglücklich bin. Ich fühle mich dann so unsicher, so als könne ich gar nichts schaffen.‘

Diese Aussage einer autistischen Patientin bringt es auf den Punkt.

‚Wie kann jemand sich in seiner Umwelt sicher fühlen, wenn er sich nicht deuten kann?‘  (Torsten GemsGoodBye Autismus, S. 19.)

Der Begriff  „alexithymia“ wurde von Sifneos in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeführt.28. Er untersuchte psychosomatische Krankheiten und beschrieb die alexithymen Merkmale als 29

  • emotionale Enge („relative constriction in emotional functioning“),
  • Armut an Fantasie („poverty of fantasy life“) und
  • Unfähigkeit, Emotionen angemessen zu beschreiben („inability to find appropriate words to describe emotions“)

Man kann sich das so vorstellen:[Aus: Sylvia Berthoz: Wenn Männer keine Gefühle haben. ]

„Wie soll ich das beschreiben? Es fühlte sich an, als hätte ich einen Stein im Magen. Meine Kehle war wie zugeschnürt … und der Kopf tat weh“, erklärt Peter, als er sich an eine heftige Auseinandersetzung mit seinem Vater erinnert. „Denken Sie, dass er Sie absichtlich verletzen wollte? Sind Sie vielleicht wütend auf ihn?“, fragt ihn die Therapeutin. Der junge Mann runzelt die Stirn: „Ich weiß nicht. Was genau verstehen Sie unter wütend?
Seit einigen Wochen ist Peter in psychologischer Behandlung. Er muss etwas lernen, was für andere Menschen selbstverständlich ist: zu wissen, was man fühlt. Als Peter vom frühen Tod seiner Mutter erzählt, kommen ihm Worte wie „traurig“ nicht über die Lippen.

Es wurden auch Mess-Instrumente entwickelt, die die Stärke der Alexothymie messen30 und Studien zeigen, dass ca. 10 % der Bevölkerung gefühlsarme Merkmale aufzeigen, Männer häufiger als Frauen, wobei die eigentlich Leidenden die (Ehe-)Partner dieser Personen sind.31 Ein Beispiel einer Diagnosefrage lässt die Alexothymie noch deutlicher werden. Dabei wird die Person mit einer Alltags-Situation konfrontiert:

„Sie fahren über eine Brücke und sehen jemanden außerhalb des Schutzgitters stehen. Er schaut ins Wasser. Wie würden Sie sich fühlen, wie würde sich diese Person fühlen?“ Die Testperson darf frei antworten. Bewertet wird anhand eines Katalogs von Auswertungsbeispielen. Für eine niedrige Stufe stünde: „Ich wäre irritiert. Was der andere empfindet, weiß ich nicht.“ Für eine hohe dagegen: „Ich wäre ziemlich erschrocken und würde überlegen, was ich für die Person am Gitter tun kann. Sie ist hoffnungslos und verängstigt.“

Die Alexothymie hat einen engen Bezug zur Anhedonie („Nicht-Lust), der Unfähigkeit, Lust und Freude zu empfinden, das Leben zu genießen, Vergnügen zu erleben.32 Anhedonie zeigt sich einerseits in der Wahrnehmung (nicht genussvoll wahrnehmen können) anderseits in der Handlung (wenig genussvolle Aktivitäten). Anhedonie wiederum ist stark mit depressiven Zuständen verbunden.33.

Es besteht  empirische Evidenz, dass Alexothymie34

  • ein stabiles Persönlichkeits-Merkmal und nicht ein vorübergehender Stress-Zustand ist und dass
  • einen starken negativen Bezug zur emotionalen Intelligenz und vor allem auch zur oben beschriebenen PM (psychological mindedness) aufweist.

Man könnte vereinfacht sagen: Alexothymie ist das Gegenteil, der polare Gegensatz zu PM. Aber das Ganze ist noch in wissenschaftlicher Diskussion35

Auch die Studien zur Entstehung von Alexothymie gehen in die frühe Kindheit zurück:

„Die Ursache für die Alexithymie liegt wahrscheinlich in der frühesten Kindheit verborgen. Auch ein Baby assoziiert seine Emotionen noch nicht mit Konzepten wie Angst oder Freude: Zunächst einmal nimmt es diese nur körperlich wahr – etwa wenn sich ihm vor Angst die Kehle zuschnürt oder ihm Tränen in die Augen treten. Erst später lernt das Kind, seine Körperreaktionen in größere Zusammenhänge einzuordnen, und erkennt, dass andere Menschen Ähnliches erfahren: Es wächst heran zu einem sozialen und selbstbewussten Wesen.

Gefühlen einen Namen geben

In dieser Entwicklungsphase spielen die Bezugspersonen die entscheidende Rolle. Die Mutter fragt „Freust du dich?„, tröstet „Nicht traurig sein …“ oder schimpft vielleicht „Sei nicht so zornig!“. So gibt sie den Emotionen einen Namen, und das Kind kann sie später leichter bei sich selbst identifizieren und anderen mitteilen. Dabei wandert die Information in seinem Gehirn vom Ursprung der Emotionen – dem limbischen System – in Bereiche des Frontalcortex, die für Kategorisierung, Überlegung und Sprache zuständig sind.

Für Maurice Corcos, Psychiater am Institut Mutualiste Montsouris in Paris, ist der frühe Austausch zwischen Mutter und Kind ausschlaggebend für das Erstellen einer Art „Gefühlsdatenbank„. Hier wird jede Empfindung mit einer entsprechenden Gefühlsbeschreibung hinterlegt. Leiden die Eltern jedoch selbst an Alexithymie, an Depressionen oder einer labilen Persönlichkeit, besteht die Gefahr, dass sie ihrem Kind zu spärliche Erklärungen für seine Emotionen liefern. Später mangelt es ihm dann an den notwendigen Vokabeln, um Gefühle für sich und andere zu benennen. Selbst als Erwachsene müssen sich Betroffene noch wie Kleinkinder ganz an ihre Körperempfindungen halten – unfähig, diese mental zu verarbeiten und zu artikulieren.“
(Sylvia Berthoz: Wenn Männer keine Gefühle haben.   )

Theory of Mind (ToM)

Ein weiterer und ähnlich ‚unübersetzbarer‘ Begriff   in der Nachbarschaft zur PM (aus der kognitiven Psychologie) ist die ‚Theory of Mind‚ (ToM). Es ist die Fähigkeit, mentale / kognitive und emotionale Zustände in anderen Personen und bei sich selbst zu erkennen bzw. zu vermuten oder zu verstehen. ToM besitzt eine emotionale / affektive Komponente (Gefühle, Emotionen, Bedürfnisse, …  erkennen) und eine kognitive (Ziele, Absichten, Erwartungen, Meinungen von Personen (auch die eigene) zu ergründen36.

Verständlich wird dieses Konzept, wenn ich mir selbst die Frage stelle: Wie leicht fällt es mir zu verstehen bzw. zu erahnen, warum sich andere Personen so und nicht anders verhalten? Warum handeln Andere anders als ich bzw. als der ‚Durchschnitt‘, anders als es die Normen der ‚Normalität‚ erlauben würden.  Habe ich eine Erklärung, eine ‚Theorie‘ dazu (Theory of Mind), eine Vermutung, …

  • … warum sich andere ganz anders verhalten als ich?
  • … warum andere die Welt ganz anders wahrnehmen und interpretieren?
  • … warum andere ganz anders fühlen und erleben als ich?
  • … warum andere ganz besondere Erwartungen (an mich und andere) haben?
  • … warum sie ganz andere Bedürfnisse haben, als ich?

Mit anderen Worten, es ist die Fähigkeit, mir vorzustellen,  die Perspektive  zu wechseln , indem ich in eine andere Person hineinschlüpfe, und die Welt mit ihren Augen zu sehen, mit ihren Gefühlen zu erleben, mit ihren Hirn (bzw. ihren kognitiven Schemata) zu interpretieren.

 

Querverweise

Cluster: Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung

Das Gehirn prägt unsere Persönlichkeit

Ambiguitätstoleranz in der Führung – mit Mehrdeutigkeit und Widersprüchen besser umgehen.

 

Zusätzliche Literatur und Links

Persönlichkeits- / Selbst-Entwicklung

Mike Pedler, John Burgoyne, Tom Boydell (2013), A Manager’s Guide to Self-development. New York : McGraw-Hill.

Otmar Pichler: Selbstentwicklung. In: Eduard Gaugler , Wolfgang Weber (Hrsg.):Handwörterbuch des Personalwesens. Schäffer-Poeschel Verlag. 2002. Sp. 2011 – 2024. (Inhaltsverzeichnis) (docplayer).

Ursula M. Staudinger: Selbst und Persönlichkeit aus der Sicht der Lebensspannen-Psychologie. Aus: W. Greve (Hrsg.) Psychologie des Selbst. Weinheim. Psychologie VerlagsUnivion, S. 133 – 147. Aus: findings. http://144.92.62.126/findings/pdfs/88.pdf.

Christiane Strasse: Selbstentwicklung von Führungsnachwuchskräften. Wiesbaden. Gabler 1998. (Zitat Pichler 1992)

o. A.: Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstkonzepts. Aus: de.wikipedia.org. https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklung_der_Pers%C3%B6nlichkeit_und_des_Selbstkonzepts.

Urs Fuhrer: Selbst, Identität und Raumbezug. Aus: uni-kassel.de. http://www.uni-kassel.de/fb4/psychologie/personal/lantermann/umwelt/fuhrer.pdf.

Werner StanglSelbst. Aus: lexikon.stangl.eu. https://lexikon.stangl.eu/5531/selbst/.

Lydia Heller: Warum unsere Identität sich ständig wandelt. Aus: deutschlandfunkkultur.de. 17. 8. 2015. https://www.deutschlandfunkkultur.de/psychologie-warum-unsere-identitaet-sich-staendig-wandelt.976.de.html?dram:article_id=393688.

Alice Ahlers: „Die Persönlichkeitsentwicklung ist niemals fertig„. Interview mit Jule Specht. Aus: zeit-de. 12. 5. 2018. https://www.zeit.de/wissen/2018-05/psychologie-persoenlichkeit-entwicklung-alter-forschung.

Bernd Schmid, Günter G. Bamberger, Cornelia Klioba: Die Schlüssel zum verlorenen Selbst. Aus: psyche-und-arbeit.de. 5. 1. 2017. https://psyche-und-arbeit.de/?tag=selbstentwicklung. +++

Melanie Neumann: Selbstentwicklung. Aus: portal.hogrefe.com (Dorsch – Lexikon der Psychologie). https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/selbstentwicklung-1/.

 

Selbstentwicklung und Führung

Anja Rassek: Selbstentwicklung. So fördern Sie sich selbst. Aus: karrierebibel.de. 28. 8. 2020. https://karrierebibel.de/selbstentwicklung/.

Jochen Mai: Führungskraft. Eigenschaften. Aufgaben. Kompetenzen. Aus: karrierebibel.de. 4. 9. 2020. https://karrierebibel.de/fuehrungskraft/. (incl. Selbst-Test zur Führungskraft)

 

Persönlichkeit – Selbst – Identität

 

Psychosynthese

Roberto Assagioli: Handbuch der Psychosynthese: Grundlagen, Methoden und Techniken. Nawo, 2004.

Piero Ferrucci : Werde was du bist: Selbstverwirklichung durch Psychosynthese. Rowohlt 1986, Frankfurt a. M.

 

Individualität

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Lebenslanges Lernen

BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland): Lebenslanges Lernen. (Stand November 2004). Aus: web.archive.org. 22. August 2008 . https://web.archive.org/web/20080822031749/http://www.bmbf.de/de/411.php.

BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Österreich): Was ist LLL? Begriffe, Ausrichtungen, Grundlagen.  Aus: erwachsenenbildung.at – das Portal für Lehren und Lernen Erwachsener. https://erwachsenenbildung.at/themen/eb_in_oesterreich/organisation/bund-bmb.php.

 

Psychologische Mindedness. Mind-minded parenting

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Mary McCallum, William E. Piper, John S. Ogrodniczuk, Anthony S Joyce : Relationships among psychological mindedness, alexithymia and outcome in four forms of short-term psychotherapy. Psychol Psychother. 2003;76(Pt 2):133-144. DOI:10.1348/147608303765951177, PMID: 12855060. Aus: PubMed.gov. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12855060/. (Signifikant positive Wirkung von ‚psycholocial mindedness‘ und Alexithymia auf gewünschte Therapie-Ergebnisse)

Lilith Mumpf: Psychologische Sensibilität (Mind-Mindedness). Aus: gestattenmupf.wordpress.com. 5. 2. 2014. https://gestattenmupf.wordpress.com/2014/02/05/psychologische-sensibilitat-mind-mindedness/.

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Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP). (deutsche Übersetzung). In: Bernhard Strauß, Jochen Eckert, Volker Tschuschke (Hrsg.): Methoden der empirischen Gruppentherapieforschung. Ein Handbuch. Springer-Verlag, 2013.

Jurian Krupp, Svenja Taubner, Dorothea Huber, Andreas Hamburger: Validierung der deutschen Übersetzung der Psychological Mindedness Scale (PMS). Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. February 2019. 65(1):27-41. DOI: 10.13109/zptm.2019.65.1.27. Aus: researchgate.net.

Torsten Gems: GoodBye Autismus. Mögliche Wege aus dem Autismus mit der ILERT Methode. BoD – Books on Demand, 2015.   https://www.researchgate.net/publication/331176757_Validierung_der_deutschen_Ubersetzung_der_Psychological_Mindedness_Scale_PMS. (Kap. 2: Die Blindheit für die eigenen Gefühle, S. 19 ff.)

Gwen Dewar: Mind-minded parenting. Does insightful talk about the mind help children bond and learn? Aus: www.parentingscience.com. 2018. https://www.parentingscience.com/mind-minded-parenting.html. https://www.parentingscience.com/mind-minded-parenting.html.

Ligia-Casiana Rotariu; Einfühlsamkeit, Trennungsängste und Doppelbelastung im Spiegel mütterlicher SB-Scripts. Diplomarbeit. Universität Wien. 2013. Aus othes.univie.ac.at.  http://othes.univie.ac.at/29584/1/2013-09-09_0501581.pdf.

 

Alexithymie Artikel (Emotionsstörungen)

Torsten Gems: GoodBye Autismus. Mögliche Wege aus dem Autismus mit der ILERT Methode. BoD – Books on Demand, 2015.

o. A.: Alexithymia. Aus: en.wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Alexithymia.

o. A.: Gefühlsblindheit. Aus. de.wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%BChlsblindheit.

Veronika Hackenbroch: Blind für Wut und Freude. Aus: spiegel.de. 1. 12. 2003. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29341657.html.

Sylvia Berthoz: Wenn Männer keine Gefühle haben. Aus: spiegel.de. 7. 3. 2005. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/emotionsstoerungen-wenn-maenner-keine-gefuehle-haben-a-345128.html.

Jens Uehlecke: Kein Gefühl, nirgends. Aus: zeitonline.de. 6. 11. 2009. https://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/02/Gefuehllose/komplettansicht.

 

Alexithymie-Studien

Sifneos, P. E. (1973). The prevalence of „alexithymic“ characteristics in psychosomatic patients. Psychotherapy and Psychosomatics, 22(2-6), 255–262. https://doi.org/10.1159/000286529. Aus: APA PsycNet. 2020. https://psycnet.apa.org/record/1974-23257-001. (Basisstudie)

Michael Bagby, Graeme Taylor: Affect disregulation and alexithymia construct. In: Graeme J. Taylor, R. Michael Bagby, James D. A. Parker (Hrsg): Disorders of Affect Regulation. Alexithymia in Medical and Psychiatric Illness. Cambridge. Cambridge University Press, 1999, S. 26 – 45. (Leseproben auch in Taylor 1997)

Matthias FranzVom Affekt zum Mitgefühl. Entwicklungspsychologische und neurowissenschaftliche Aspekte der emotionalen Regulation am Beispiel der Alexithymie. Aus: palme-elterntraining.de. Aus: web.archive.org. https://web.archive.org/web/20131002172230/http://www.palme-elterntraining.de/download/alx_franz_hp.pdf.

Friedemann GerhardsEmotionsaudruck und emotionales Erleben bei psychosomatisch Kranken. Eine Kritik des Alexithymiekonzepts.  Westdeutscher Verlag. Opladen 1988.

Andreas Krüger: Alexithymie und Anhedonie bei psychosomatischen Patienten. Eine klinische Untersuchung. Dissertation, Hamburg 2000. Aus: d-nb.info. https://d-nb.info/968640508/34.

A. Ebert, M.-A. Edel, M. Brüne: Alexithymie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Zusammenhang mit frühen aversiven Erfahrungen. January 2016. Nervenheilkunde 35(07/08):485-491. DOI: 10.1055/s-0037-1616411. Aus: researchgate.net. https://www.researchgate.net/publication/323877965_Alexithymie_bei_der_Borderline-Personlichkeitsstorung_Zusammenhang_mit_fruhen_aversiven_Erfahrungen.

Mary McCallum, William E. Piper, John S. Ogrodniczuk, Anthony S. Joyce: Relationships among psychological mindedness, alexithymia and outcome in four forms of short‐term psychotherapy. 16 December 2010. https://doi.org/10.1348/147608303765951177. Aus: onlinelibrary.wiley.com.

 

  1.   Marianne Kawohl: Ent-Wicklung
  2.   zitiert aus Individualität und Entwicklung
  3. Mike Pedler, John Burgoyne, Tom Boydell (2013), A Manager’s Guide to Self-development. S. 8)
  4.   Der Begriff „Selbstdifferenzierung“ stammt vom US-amerikanischen Familien-Psychologen Murray Bowen. Vgl. dazu den Beitrag: „Wenn ein Kind zum Partner seiner Eltern wird“   
  5.   C.G. Jung: Zugang zum Unbewussten. in C.G. Jung et al. (Hrsg.): Der Mensch und seine Symbole, 1964,  S. 175 f. Weitere Literaturhinweise im Beitrag zur Individuation
  6.   Introversion / Extraversion sind bei Jung in seinen psychologischen Typen integriert: intro- und extravertierte(s) Denken / Fühlen / Empfinden / Intuition.
  7.   Aus Anja Rassek: Selbstentwicklung.  
  8.   Auch das Konzept des Lebenslangen Lernens (ein sehr vielschichtiges Konzept – vgl. BMBWF  – Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Österreich: Was ist LLL? ) könnte man im weiteren Sinne zu den Selbstentwicklungs-Konzepten zählen. Im Sinne der oben erwähnten Abgrenzung von Pedler enthält dieses Konzept, dass die Person selbst lebenslang Initiativen, Verantwortung und Kontrolle für eigene Lernprozesse selbst übernimmt („Lernen im Lebenslauf“). Hier werden vor allem die kognitiven Elemente der Selbstentwicklung betont. Da sich durch diese Lernprozesse jedoch  Impulse für neue berufliche und private Lebens-Situationen ergeben, sind umfassende Selbstentwicklungs-Prozesse mit intendiert.

    «  „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat heute keine Geltung mehr. Lernen hört nach Schule, Ausbildung oder Studium nicht auf, denn Lernen ist das wesentliche Werkzeug zum Erlangen von Bildung und damit für die Gestaltung individueller Lebens- und Arbeitschancen. Lebenslanges Lernen heißt das Schlüsselwort, wenn man auf dem Arbeitsmarkt mithalten, einen Berufs- oder Schulabschluss nachholen oder sich einfach nur weiterbilden will.» [BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland): Lebenslanges Lernen.

  9.   Aus: Uwe Schimank: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung, S. 50
  10.   Auch in: Claudia Kampmeier: Individualität und psychologische Gruppenbildung. Kap. 5. Die zwei-Komponenten-Theorie der Individualität. S. 93.   
  11.   Aus: Claudia Kampmeier: Individualität und psychologische Gruppenbildung.  Introduction.  
  12.   Aus: Claudia Kampmeier: Individualität und psychologische Gruppenbildung. Kap. 5. Die zwei-Komponenten-Theorie der Individualität.
  13.   Auch der deutsch-britische („Figurations-„)Soziologe Norbert Elias bringt die zwei Aspekte der Individualität in ähnlicher Weise zum Ausdruck: 
    „Der Begriff «Individuum» hat heute vor allem die Funktion, zum Ausdruck zu bringen, 
    dass jeder Mensch in der ganzen Welt ein autonomes, sich selbst regierendes Wesen ist oder sein soll,
    und zugleich auch, dass jeder Mensch in bestimmter Hinsicht von jedem anderen Menschen verschieden ist. (Elias, 1991, S. 210).
    Aus: Claudia Kampmeier: Individualität und psychologische Gruppenbildung. Kap. 5. Die zwei-Komponenten-Theorie der Individualität. S. 93  
  14.   Aus: Claudia Kampmeier: Individualität und psychologische Gruppenbildung. Kap. 5. Die zwei-Komponenten-Theorie der Individualität.  S. 94
  15.   Vgl. dazu auch den Beitrag: Selbstentwicklung in persönlichen Krisen
  16.   Aus: Uwe Schimank: Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. S. 50.
  17.   Weitere Hinweise beim Ansatz von Carl Rogers
  18.   Vgl. Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP), S. 87 ff.

    Dort definiert man “ ‚Pschological Mindedness‘ (PM) als die Fähigkeit einer Person.., dynamische (intrapsychische) Konflikt- und Motivkomponenten zu identifizieren und sie zu Problemen in Beziehung setzen zu können.“ S. 88

  19.   Vgl. dazu den Beitrag zur Personen-zentrierte Kommunikation: Carl Rogers 
  20.   Vgl. Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP), S. 88 
  21.   Vgl. Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP), S. 87 
  22.   Vgl. Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP), S. 87
  23.   Vgl. Mary McCallum, William E. Piper: Psychological mindedness Assessment Procedure (PMAP)  Jurian Krupp, Svenja Taubner, Dorothea Huber, Andreas Hamburger: Validierung der deutschen Übersetzung der Psychological Mindedness Scale (PMS).   
  24.   Vgl. Gwen Dewar: Mind-minded parenting.   
  25.   Vgl. Matthias Franz: Vom Affekt zum Mitgefühl, S. 2.  
  26.  Dieser Zusammenhang ist allerdings umstritten.  Vgl. Torsten GemsGoodBye Autismus, S. 19.   
  27.   Vgl. z. B. A. Ebert, M.-A. Edel, M. Brüne: Alexithymie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.  
  28.   Sifneos, P. E.: The prevalence of „alexithymic“ characteristics in psychosomatic patients. Vgl. auch Matthias Franz: Vom Affekt zum Mitgefühl, S. 2  
  29.   Vgl.  Sifneos, P. E.: The prevalence of „alexithymic“ characteristics in psychosomatic patients.    
  30.   Einen Überblick über Mess-Instrumente zur Alexithymie gibt es in   Friedemann GerhardsEmotionsaudruck und emotionales Erleben bei psychosomatisch Kranken.   
  31.   Vgl.  Veronika Hackenbroch: Blind für Wut und Freude.
  32.   Vgl. auch den Hedeonismus, die philosophische Richtung, die Lust und Freude ins Zentrum ihrer Betrachtung richtet.
  33.   Vgl. Andreas Krüger: Alexithymie und Anhedonie bei psychosomatischen Patienten, S. 20 ff.  
  34.   Vgl. Michael Bagby, Graeme Taylor: Affect disregulation and alexithymia construct.:

    Relationships between alexithymia and other constructs: Two psychological constructs with which alexithymia is closely related are psycholgical mindedness and emotional intelligence. Whereas emotional intelligence is a recently formulated construct, the concept of psycholocal mindedness has been employed for several decades to refer to a set of skills that are thought to enhance the prospects of successfull insight-oriented psychotherapies. In contrast to alexithymia, however, there is little empirical research evaluation the validity of these two other constructs. Furthermore, the construct of psychological mindedness has been defined in a variety of ways and is not alwass distinguished from other concepts such as insightfulness, self-awareness, and introspectiveness (Taylor, 1995) …
    Thoug alexithymia is a more narrowly defined construct, concerned exclusively with the processing and regulation of affect, there ist clearly considerabele overlap with the psycholocial minedness construct.  …
    .. we will report some empircal research showing that alexithymia is related srongley and negatively to both psychological mindedness and openness to experience.“ (S. 38f)   

  35.   Vgl. auch Mary McCallum, William E. Piper, John S. Ogrodniczuk, Anthony S. Joyce: Relationships among psychological mindedness, alexithymia and outcome in four forms of short‐term psychotherapy.   
  36. Vgl. z. B. Simon Baron-Cohen, Alan M. Leslie, Uta Frith: Does the autistic child have a „theory of mind“? 

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