Götter in jedem Mann

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Männliche Archetypen: „Götter in jedem Mann“

Männliche Archetypen: Der Mann mit dem Goldhelm – Rembrandt (ca. 1650, Staatliche Museen zu Berlin)

Mythen gelten in bestimmten Richtungen der Psychologie und Psychotherpie als ‚Geschichten mit Sinn‘. Gestalten und Ereignisse in den Mythen werden als Symbolisierungen innerer psychischer Strukturen und Prozesse verstanden bzw. gedeutet.

Jean Shinoda Bolen, eine post-junianische Psychologin und Therapeutin hat in mehreren Büchern die Gestalten der olympischen Göttinnen und Götter als identitätsbildende Archetypen der Psyche von Frauen und Männern dargestellt. Im Zentrum stehen die beiden Werke

  • Göttinnen in jeder Frau
  • Götter in jedem Mann.

Ich möchte hier einen groben Überblick über die männlichen Archetypen oder ‚Götter in jedem Mann‘ geben.1

Bolen beschreibt die männlichen Archetypen, die den olympischen Göttern entsprechen:

  • Vater-Archetypen
    • Zeus: Gott des Himmels: Reich des Willens und der Macht
    • Poseidon: Gott des Meeres: Reich der Gefühle und des Instinkts
    • Hades: Gott der Unterwelt: Reich der Seele und des Unbewussten
  • Sohn-Archetypen
    • Appollon: Gott der Sonne: Bogenschütze, Gesetzgeber, Lieblingssohn
    • Hermes: Götterbote und Seelenführer: Zeichengeber, Trickster, Reisender
    • Ares: Gott des Krieges: Krieger, Tänzer, Liebhaber
    • Hephaistos: Gott der Schmiede: Werkmeister, Erfinder, Einzelgänger
    • Dionysos: Gott des Weines und der Ekstase: Mystiker, Liebhaber, Wanderer

Die Göttersöhne hatten unterschiedliches Ansehen im Olymp. Analog gibt es in unserer Psyche Teile, die gut und solche, die schlecht bewertet werden. Die Lieblings-Söhne waren Apollon und Hermes, die verstoßenen Söhne Ares und Hephaistos. Die Bewertung von Dionysos war ambivalent. Dementsprechend gibt es auch bevorzugte, abgelehnte und ambivalent beurteilte Anteile des Selbst. (S. 179 ff.)

Zeus: Gott des Himmels:
Reich des Willens und der Macht

Zeus in der Mythologie

Zeus (röm. Jupiter) ist der Göttervater und mächtigste aller Götter. Er beherrscht den Himmel (und die Erde), ist mit Hera, seiner Schwester liiert. Sie ist seine 7. und letzte Frau. Und er hatte zahlreiche Affären und zahlreiche Kinder, zu denen er meist ein guter, beschützender Vater war. Er musste sie vor Hera beschützen / verstecken. Hera verfolgte seine Geliebten und auch seine Kinder.

Zeus als Archetyp

Der Archetyp des Zeus umfasst:

  • Königsrolle: Er gründet ein Reich und beherrscht es mit unumschränkter Macht und Autorität, die nie in Frage gestellt wird.
  • Entschlossenheit und Durchsetzungskraft: Er hat einen guten Zugang zur ‚objektiven‘ Realität, weiß, was er will und setzt es mit Blitz und Donner durch.
  • Bündnis-Stifter: Er schmiedet ‚geschäftliche‘ Bündnisse, setzt Grenzen fest, hat immer Erfolg, hat das Glück auf seiner Seite. Er stiftet auch Ehe-Bündnisse – nach Nutzen und Staatsraison.
  • Schürzenjäger: Wenn er eine Frau begehrt, dann realisiert er es mit Taktik und List.
  • (Himmels-)Vater: Er will Kinder habe, hat sie auch und ist ein gerechter Vater, groß und erhaben, lässt sich nie von seinen Gefühlen hinreißen.

Diagnose-Fragen zu Zeus

  • Man sagt mir, ich habe eine natürliche Autorität.
  • Wenn ich etwas will, kann ich es meist durchsetzen.
  • Ich habe Erfolg und erreiche meine Ziele. Meist ist auch das Glück auf meiner Seite
  • Ich kann die Dinge sehr gut realistisch objektiv beurteilen.
  • Sexualität ist mir wichtig. Monogamie ist für mich auf Dauer schwer lebbar.
  • Ehe, Familie und Partnerschaft sind für ich wichtig Werte. Sie sollten auf vernünftigen Grundlagen aufgebaut sein.
  • Das Leben baut auf Bündnissen auf, privat und beruflich. Gut Bündnisse sind mir wichtig, für mich und für Andere.

Poseidon: Gott des Meeres:
Reich der Gefühle und des Instinkts

Poseidon in der Mythologie

Poseidon (röm. Neputn) der Gott des Meeres wird von heftigen Gefühlswallungen beherrscht. Mit seinem Dreizack kann er das Meer aufwühlen, Symbol für aufwallende Gefühle. Er war der primitivste der drei Vater-Götter, oft erfüllt von Zorn-Ausbrüchen und Rache. Nach dem 10-jährigen Tojanischer Krieg versorgte er Odysseus mit so vielen Hindernissen, dass es weitere 10 Jahre dauerte bis er nach Hause kam.

Poseidon der Archetyp:

Poseidon repräsentiert folgende archetypischen Merkmale;

  • Tiefseetaucher: Poseidon beherrscht das Meer – symbolisch die Welt der Emotionen. Er kann tief in die Emotionen eintauchen, was besonders für künstlerische und kreative Berufe wichtig ist. Emotionale Empfindsamkeit
  • König: Wunsch nach Bedeutung, hat aber wenig Strategie und Willensstärke.
  • Träger des Dreizack: entspricht einem dreifaches Phallus: Symbol für Sexualität und Fruchtbarkeit.
  • unerbittlicher Feind: Rachsucht, Auge um Auge …
  • wilder Mann: Symbol für Vitalität und Instinkt, ungezähmt von Frauen

Diagnose-Fragen zu Poseidon

  • Ich bin sehr emotional. Wenn mich etwas ärgert, drücke ich das auch deutlich aus.
  • Ich handle eher spontan als geplant und strategisch.
  • Wenn mich jemand verletzt oder betrügt, dann bekommt er das deutlich zu spüren.
  • Mir ist es wichtig, mich ausdrücken zu können und mich nicht zurückhalten zu müssen.
  • Ich kann sehr tiefe Gefühle empfinden, bin emotional sehr empfindsam.

 

Hades: Gott der Unterwelt: Reich der Seele und des Unbewussten

Hades in der Mythologie

Hades (röm. Pluto) ist der Herrscher über die Unterwelt, die Welt der toten Seelen und Geister. Hades hat viele Beinamen, die seine Merkmale hervorheben: der Furchterregende, der Ungebändigte, der Starke, der Ungeheure, der Unsichtbare, der Abgewandte. Er vertritt die dunkle Seite der Vaterfigur. Seine bekannteste mythologische Geschichte ist der Raub der Persephone, die an seiner Seite Unterweltskönigin wurde, die zuerst eine depressive Phase durchmachte, sich dann aber zur Unterwelts-Führerin entwickelte und viele Heroen dort begleitete.

In der psychischen Analogie ist 2

„Hades‘ Reich das Unbewusste, sowohl im persönlichen als auch im kollektiven Sinne verstanden.
Es ist der Sitz der Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, die wir verdrängt haben,
aller Empfindungen, die zu schmerzlich, zu beschämend oder zu inakzeptabel sind, um sie der Oberwelt zu zeigen –
Begierden, die wir nie gestillt haben,
Möglichkeiten, die nur vage Umrisse geblieben sind. “ …
„Ein Psychotherapeut sollte eine archetypische Beziehung zu Hermes, Persephone, Dionysios oder Hades haben, um in die Psyche eines Menschen eindringen zu können.“ … (S. 137)
Depressionen und Sterbeerlebnisse sind die häufigsten Initiationen in das Reich des Unbewussten. Danach, so erklärten die Eingeweihten der Eleusischen Mysterien, gibt es keine Angst vor dem Tod mehr.“ (S. 137)
Hades ist ein verdrängter Aspekt des Vaterarchetypus.“ (S. 138)

Hades der Archetyp:

Hades repräsentiert er folgende archetypische Merkmale:

  • Einsiedler: Lebt zurückgezogen, isoliert, abgeschieden, allein, wenig beachtet aber auch wenig belästigt
  • Pluton„, Reichtum: innerer Reichtum, introvertiert, äußerlich nichts tun, innerer Dialog
  • Ratgeber: Kann auch ins Innere hineinschauen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Erkennt körperliche Symptome, instinktive Reaktionen, innere Stimmen und Geistesblitze als Botschaften des Unbewussten.[Vgl. Bolen, 146]
  • Der Unsichtbare (mit unzureichender Persona): Hades hatte eine Tarnkappe, auch wenn er die Unterwelt verließ. Hades-Männer sind oft unauffällig und können verschwinden, ohne dass es groß bemerkt wird.
  • Herrscher, König der Unterwelt: Patriarch, beansprucht, in seinem Reich zu herrschen
  • Entführer, inzestuöser Schatten: repräsentiert die dunkle Seite der Seele, hilft der Tochter nicht, verletzt sie
  • Entführer und imaginäre Liebhaber: Manche Frauen haben einen inneren imaginären, geheimnisvollen Liebhaber. Es ist ihr Hades-Anteil.

Diagnose-Fragen zum Hades-Archetyp in mir

  • Manche Menschen geben mir Rückmeldung, dass etwas Geheimnisvolles, Mystisches an mir ist.
  • Ich bin gerne alleine, versunken in meine innere Welt. Mir wird beim Alleinsein nicht langweilig.
  • Ich kenne und akzeptiere auch die dunklen Anteile meiner Psyche.
  • Ich wirke auf Andere oft unauffällig, kann mich auch aus einer Gesellschaft still und unbemerkt verabschieden.
  • Der Satz „Stille Wasser sind tief“, trifft auf mich zu.
  • Ich kann Andere gut beraten, weil ich erkennen kann, was für sie wichtig ist und was innerlich in ihnen vorgeht.

Appollon: Gott der Sonne: Bogenschütze, Gesetzgeber, Lieblingssohn

Apollon in der Mythologie

Apollon (auch Apollo) war der Zwillingsbruder von Artemis, mit der er viel Zeit verbrachtet und im Olymp war er die Nr. 2 in der Hierarchie gleich hinter Zeus. Er war bekannt als Sonnengott, Bogenschütze, Gott der Weissagung und der (männlichen) Künste, vor allem der Musik (mit seiner Leier), Gesetzgeber und Vollstrecker (für Frevler). Bogen, Leier und Lorbeerkranz waren seine Symbole. Er war wie seine Zwillings-Schwester zurückhaltend und unnahbar. Beide wurden wegen ihrer Reinheit verehrt, waren aber auch rachsüchtig. In der Liebe hatte Apollon wenig Glück. Die Frauen, in die er verliebt war, mussten dafür büßen.

Apollon als  Archetyp:

Apollon repräsentiert folgende archetypischen Merkmale

  • Bogenschütze: Wille und Geschicklichkeit, setzt Ziele, erreicht (trifft) sie auch. logisch, objektiv, realistisch, höflich, gut gekleidet, gutes Auftreten, wachsam
  • Lieblings-Sohn: Vater-Sohn, Vaters Liebling, Vaters Vertreter (Nachfolger), erfüllt den Willen des Vaters, ist mit ihm gleicher Meinung, vertritt patriarchalische Werte, unbeeinflusst von Gefühlen (eigenen und denen Anderer)
  • Musiker: klarer, einer Klang der Leier (erinnert an Bach, steht im Gegensatz zur wilden dionysischen Musik  mit Chaos, Aufruhr, Ekstase), Schönheit, Mäßigung, zähmt und beruhigt
  • Verfechter von Recht und Ordnung: Gibt den Städten eine Verfassung, interpretiert die Gesetze, sorgt für Ordnung, Mäßigung, Strukturen, Gerechtigkeit, Fairness
  • Der Distanzierte: hat Abstand zu den Dingen, erhebt sich über die Dinge (‚helicopter view‘), sieht die Dinge rational (und geistig – spirituell).
    In Beziehungen ist die Bruder-Rolle dominant (vor allem zu Arthemis und Hermes), freundschaftlich aber mit Wettbewerb
  • Antiheld: männliche und vornehme Erscheinung, aber lässt sich auf keine Kämpfe, keine Duelle ein, will kein Held sein, vorsichtiger Stratege und Beobachter, analysiert aus der Ferne.

Diagnose-Fragen zum Apollon-Archetyp

  • Viele sehen in mir einen Kopf-Menschen, der die Dinge rational beurteilt
  • Gerechtigkeit, Recht und Ordnung sind mir wichtig
  • Ich lasse mich nicht von Gefühlen hinreißen. Auch Gefühls-Ausbrüche Anderer sind mir ein Gräuel.
  • Ich setze mir Ziele, sowohl beruflich als auch privat. Ich verfolge meine Ziele und oft erreiche ich sie auch.
  • In Beziehung halte ich einen gewissen Abstand und vermeide emotionale Abhängigkeit.
  • Von meinem Vater habe ich viel gelernt. Viele seiner Werte halte ich hoch.
  • Auseinandersetzungen, Kampf und Streit sind mir ein Gräuel. Da halte ich mich lieber heraus und versuche die Dinge vernünftig zu regeln.
  • Ich führe ein reiches kulturelles Leben, vor allem die Musik hat es mir sehr angetan, vor allem wenn sie melodiös ist. Mit chaotischer, emotionsgeladener oder ekstatischer Musik kann ich nichts anfangen.

Hermes: Götterbote und Seelenführer:
Zeichengeber, Trickster, Reisender

Hermes in der Mythologie

Hermes (röm. Merkur) ist der Götterbote, der Schutzgott für Kaufleute und Diebe. Er konnte mit allen in Kontakt treten und kommunizieren auch mit den Menschen, denen er sehr gut gesonnen war, fast wie einer von ihnen. Er bewertete nicht, grenzte niemanden aus und konnte als Götterbote alle Reiche betreten, auch die Unterwelt. Da er sich auch dort gut auskannte, war er auch ein ‚Seelenführer‚, der die Seelen an den richtigen Ort brachte.

Hermes konnte gut handeln (Händler) und verhandeln, sogar mit Hades, mit dem er aushandelte, dass seine entführte Gattin Persephone zwei Drittel des Jahres wieder zurück auf die Erde und zu ihrer Mutter durfte. In Verhandlungen und Konflikten fand er immer gute und pragmatische Lösungen und bediente sich oft auch einer listigen Vorgangsweise, um seine Ziele zu erreichen. Das brachte ihm auch den Namen „Trickster“ ein. Bolen beschreibt ihn sehr anschaulich

„Hermes als Gott, Archetyp und Mann personifiziert Geschwindigkeit,
eine rasche Auffassungsgabe und Gewandtheit im Umgang mit dem Wort;
in eiliger Bewegung, wie ein männliches Bild oder eine Metapher
überschreitet er Grenzen, wechselt mühelos Dimensionen.“

Hermes als Archetyp:

Hermes repräsentiert folgende archetypischen Merkmale

  • Bote: Hermes reist gerne, fühlt sich in der Welt der Diplomatie, des Handels und der öffentlichen Medien zu Hause. Er reist auch gerne spontan, ohne feste Ziele und Absichten. „Der Weg ist das Ziel“, passt gut zu Hermes.
  • Trickster: der schlaue Fuchs, erfindungsreich, listig, gerissen, kann Perspektiven wechseln, gewitzt, schelmisch, trickreich, Lebenskünstler
  • jüngerer Bruder und Rivale: Als jüngerer Bruder kann er bei Rivalitäten Apollon nicht körperlich übertrumpfen. ER macht es mit einer Kombination aus List und Charme, so dass am Ende der ältere Bruder lachen muss.
  • Führer: Da er alle Grenzen überschreiten konnte, führte er z. B. die Seelen in die Unterwelt. Er ist Spezialist für Übergänge, auch für Lebensübergänge, z. B. in eine andere Lebensphase. Er kann die Welten integrieren: Welt des Lebens / des Körpers (Welt) des Geistes (Olymp), der Emotionen (Meer), der Seele / Psyche (Unterwelt)
  • Alchemist: Als Alchemist kann er Blei in Gold verwandeln, symbolisch minderwertige in höherwertige Elemente, z. B. schwierige oder leidvolle Erfahrungen in Kompetenzen und Fähigkeiten.
  • Retter des Kindes: Mit seiner unbeschwerten, spielerischen Art kann Hermes das verletzte, traurige oder depressive innere Kind aus dem Gefängnis der Unterwelt retten. Man könnte auch sagen, er kann das (gesunde, göttliche) Kind im depressiven Erwachsenen wieder erwecken und so den Erwachsenen aus der Depression herausführen.

Diagnose-Fragen zum Hermes-Archetyp

  • Ich finde schnell Kontakt zu Anderen, auch zu fremden Menschen.
  • Kommunizieren liegt mir. Ich rede gerne mit anderen, tausche Informationen aus.
  • Ich reise gerne ohne feste Pläne und Ziele. Ich kann das Reisen selbst genießen.
  • Ich finde auch schnell das Gute aus unangenehmen Situationen und Erfahrungen. „Man kann immer etwas daraus lernen“ sit ein Spruch, der zu mir passt.
  • Ich tue mir leicht im Umgang mit anderen Leuten, weil ich nicht alles so tierisch ernst nehme. Ich versuche die Dinge für mich und andere leicht und luftig zu machen, das Leben ist schwierig genug.
  • Ich hab viele unterschiedliche Interessen und kenne mich in vielen unterschiedlichen Bereichen und Gebieten aus, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen.

Ares: Gott des Krieges:
Krieger, Tänzer, Liebhaber

Der Gott in der Mythologie

Ares (röm. Mars) ist der Gott des Krieges und des Kampfes. In der Mythologie ließ er keine Gelegenheit aus, um sich in ein Kampfgetümmel zu begeben und drauflos zu kämpfen. Da er zwar sehr kräftig und kampfstark war, aber wenig den Kopf einsetzte, wenig Taktik und Strategie hatte, gehörte er meist zur Verlierer-Partei, was ihn nicht davon abhielt, es das nächst Mal wieder zu versuchen. Er war wegen seiner rohen Gewalt gefürchtet bei den Menschen, unbeliebt, vor allem wegen seiner Reizbarkeit, bei den Göttern des Olymps:3

„Ares als Gott, Archetyp und Mann
ist der Inbegriff männlicher, körperlicher Kraft, Intensität und spontanen Handelns.
Sein Herz und seine Instinkte treiben ihn im wahrsten Sinne des Wortes dazu,
mit seinem Körper zu agieren und zu reagieren,
ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden.
Sein Vater Zeus verachtete ihn und ergriff Partei gegen ihn,
und auch das Patriarchat lehnt seine Eigenschaften ab.“

Neben der Rolle des furchtlosen Kriegers hatte er in der Mythologie eine zweite große Rolle als Liebhaber. Er hatte viele Geliebte und viele Kinder. Als Liebespaar ist er mit Aphrodite als „Mars und Venus“ legendär geworden. Neben seiner vielen negativen Beurteilungen wegen seines gewalttätigen Verhaltens wurden jedoch seine Leidenschaft (von Frauen) und sein Courage (Mut mit Herz, coer = Herz). Er handelte nach seinen Gefühlen und Emotionen. Im Olymp waren jedoch die angesehen, die sich emotional zurückhielten.

Ares als Archetyp:

Ares repräsentiert folgende archetypischen Merkmale

  • Krieger, Held und Aufschneider: handelt instinkthaft, aggressiv, ungebändigtes Temperament, schlägt um sich, ohne nachzudenken, rambohaft, geleitet von Wut und Rache, zeigt aber auch Loyalität, wurde oft besiegt, aber nie herabgewürdigt, steht immer wieder auf
  • Der Liebhaber: als Liebhaber ist er leidenschaftlich, sinnlich, gibt sich voll dem lustvollen Augenblick hin, hat auch bei der sexuell erfahrenen Göttin der Liebe keine Hemmungen
  • Der Tänzer: Bevor der Krieger- erhielt er die Tänzer-Ausbildung. Das ist wenig bekannt. Es entspricht seiner Betonung des Körpers und der Gefühle, die den Kopf ausschaltet.
  • Der abgelehnte Vater-Sohn: Zeus verachtete Mars. Tiefenpsychologisch wird das interpretiert, dass Mars den (abgelehnten) Schatten seines Vaters repräsentierte. Zeus war nie in Kämpfe verwickelt. Er zeigte seinen inneren Krieger nicht. Wahrscheinlich entsprach es nicht seinem Ideal-Bild und auch nicht der herrschenden Kultur am Olymp.
  • Der Schutzherr: Ares setzte sich voll für seine Kinder ein, wenn sie bedroht wurden und zwar sofort und mit voller Kraft. Das gleiche war bei Anderen, die ihm nahe standen. Im Gegensatz zu Poseidon fraß er die Wut nicht in sich hinein und war den Gegnern lange böse. Er kämpfte und zog weiter.

Diagnose-Fragen zum Ares-Archetyp

  • Wenn ich bedroht oder beleidigt werde, wehre ich mich sofort. Ich lasse mir nichts gefallen.
  • Wenn ich gereizt werde, gerate ich leicht in Wut, lasse sie gerne heraus und dann ist für mich wieder alles ok.
  • Manchmal wurde ich schon als Macho bezeichnet, aber ich möchte auch kein Weichei sein.
  • Wenn ich etwas durchsetzen will, kann ich große Kräfte entfalten.
  • Wenn meine Familie oder Freunde bedroht, verletzt oder beleidigt werden, helfe ich ihnen sofort und bedingungslos.
  • Andere sagen mir, ich sei ein sehr männlicher Mann.
  • Ich handle sehr nach meinen Gefühlen.
  • Ich handle schnell. Ich hasse es, lange herumzureden und zu keinen Ergebnissen zu kommen.
  • Mein Körper ist mir wichtig. Ich schaue auf meine Fitness und dass meine Kraft und Energie nicht verloren geht.

Hephaistos: Gott der Schmiede:
Werkmeister, Erfinder, Einzelgänger

Hephaistos in der Mythologie

Haphaistos (röm. Vulcanus) ist der Gott der Schmiede und Schmiedekunst, Gott des (unterirdischen) Feuers und der Werkmeister der olympischen Götter. Er war ein kreativer Künstler und Handwerker und fertigte vor allem Waffen und Geschmeide an, manchmal auch Gebrauchsgegenstände, alles mit perfekter Funktion und in wunderschönem Aussehen. Ein Vulkan speiste die  Esse in seiner (Kunst-)Schmiede.

Er war lahm, hatte einen Klumpfuß und ein große, mächtige Gestalt mit kräftigem Nacken. Er war der Sohn der Hera vielleicht war Zeus sein Vater, Hera behielt dieses Geheimnis für sich. Vielleicht entsandt er auch aus einer Parthenogenese (jungfräuliche Zeugung), wie Athene aus Zeus‘ Kopf.  Weil er jedoch – im Gegensatz zur wunderschönen Athene – klein und hässlich war und mit einem Klumpfuß zur Welt kam, stieß ihn Hera vom Olymp auf die Erde. Sie schämte sich seiner. Bolen charakterisiert diesen Archetyp: 4

„Hephaistos verkörpert  als Gott, Archetyp und Mann den tiefen menschlichen Trieb, etwas herzustellen, Objekte zu schaffen, die zugleich funktional und schön sind.
Nachdem er vom Olymp verbannt und aus der Göttergemeinde verstoßen worden war, stand er mit dem luftigen Reich des Zeus, wo es um Macht und äußere Erscheinung ging, stets auf Kriegsfuß.
Er arbeitete einsam in seiner unterirdischen Schmiede. Seine Eigenschaften gelten nicht viel in einer patriarchalischen Gesellschaft,
und Männer, die diesem Gott ähneln, haben nur selten Erfolg.“

Hephaistos als Archetyp:

… repräsentiert folgende archetypischen Merkmale

  •  Werkmeister: Er erschuf zahlreiche wunderschöne Gegenstände, darunter einen Thron für seine Mutter, der sich aber als Falle herausstellte, an den sie unsichtbar gefesselt war. Er wollte dadurch erpressen, dass sie ihm sagt, wer sein Vater sei. Auch schuf er zwei wunderschöne goldene Sklavinnen für seine Dienste.
  • Betrogener und abgewiesener Liebhaber: Er wurde von Aphrodite unzählige Male betrogen, auch abgewiesen u.a. von Athene.
  • Verletzter Künstler: Die Verletzungen durch die Olympier, die ihn auslachten und verhöhnten waren die Quelle seines künstlerischen Schaffens. Er kompensierte die Verletzungen durch sein künstlerisches Schaffen
  • Unterirdisches Feuer und Schmiede. Das Feuer, das die Schmiede speist ist Lava, Symbol für nicht ausgedrückte Leidenschaft, Erotik und Sexualität, aber auch Wut und Ärger wartet auf seine Befreiung – direkt durch Ausbruch oder indirekt durch Kompensation in künstlerischer Tätigkeit.
  • Verkrüppelter Werkmeister: Seine (auch emotionale) Verletztheit nährte seinen Instinkt (kreativ) zu arbeiten, um sich weiterzuentwickeln und seine Wunden zu heilen.
  • Friedensstifter in der Familie: Hephaistos vermittelte bei Streitigkeiten zwischen Hera und Zeus – ein häufiger Versuch von Kindern.
  • Verbindung von Arbeit und Liebe (Heiphaistos und Aphrodite): Auch seine Liebe zu Aphrodite weckt in Hephistos – wie eine Muse – seinen Instinkt Schönheit und intensive Gefühle in seinen Kunstwerken auszudrücken.
  • Verbindung von kreativer Arbeit und Intelligenz (Hephaistos und Athene): Diese Verbindung regt kreative Hephaistos-Männer an, nachzudenken, wie sie ihre Arbeit verwerten können, mit Nützlichkeit verbinden können, verkaufen können.

Diagnose-Fragen Hephaistos

  • Wie groß ist mein Antrieb, mit meinen Händen etwas Neues zu schaffen?
  • Wie viel Erfahrung habe ich, von Familien-Mitgliedern und Anderen angelehnt und ausgestoßen zu werden?
  • Wie wichtig sind mir Schönheit und Funktionalität. Wie gut gelingt es mir beides verbinden zu können, Schönheit im Arbeitsalltag einbringen zu können?
  • Wie viel Kontakt habe ich zu meinem ‚unterirdischen‘ Feuer, zur inneren Energie, die darauf wartet ausgedrückt zu werden?
  • Wie viel Erfahrungen habe ich darin, in der Familie Frieden zu stiften?
  • Kann ich meine Erfahrungen mit schwierigen Situationen und Verletzungen in etwas Positives transformieren?

Dionysos: Gott des Weines und der Ekstase:
Mystiker, Liebhaber, Wanderer

Dionysos in der Mythologie

Dionysos ist der Gott des Weines, der Drogen, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase. Er war der jüngste der Olympier und der einzige Sohn einer sterblichen Frau (Semele). Von Dionysos gibt es zahlreiche, sehr unterschiedliche, sich z. T. widersprechende Geschichten. Die Differenzen beginnen schon bei seiner Geburt und seinem Aufwachsen als Kind (bei seiner Mutter oder bei Nymphen). Als Sohn von Zeus wurde er von Hera verfolgt und mit Wahnsinn bestraft, später geheilt.  Er war meist in der Natur, streifte mit mehreren weiblichen Anhängerinnen (Nymphen …) durch die Natur, versetzte sich und andere in Ekstase und Rauschzustände, kannte sich gut in der Welt der Frauen aus. In einer der zahlreichen Versionen wird er jedoch am Ende von außer Kontrolle geratenen ekstatischen Nymphen zerrissen. Bolen beschreibt ihn:5

„Dionysos als Gott, Archetyp und Mann stand der Natur und Frauen nahe.
Das mystische Reich und die weibliche Welt waren ihm vertraut.
Oft wurde er als unwillkommenes und störendes Element empfunden,
als Ursache von Streit und Wahnsinn in der Mythologie,
sowie es Dionysos in der Psyche eines Mannes sein kann.“

Der Archetyp:

… repräsentiert folgende archetypischen Merkmale

  • Das göttliche Kind: Dionysos wird oft als göttliches Kind dargestellt. Dieser Anteil in uns gibt uns das Gefühl und die innere Überzeugung, dass unser Leben Bedeutung hat, wir eine Lebensaufgabe zu erfüllen haben, Individuation (Entwicklung zum einzigartigen Menschen) wichtig ist.
  • Der ewige Jüngling: Wie Hermes repräsentiert Dionysos den puer aeternus. Es ist ein Mann, der jung bleibt und jung wirkt, nicht gerne Verantwortung übernimmt, in seiner gegenwärtigen ‚Passion‘ versinkt. Er will kein normales Leben führen. „Wie der Gott Dionysos streift er überall herum, macht Eindruck auf Frauen, bringt ihr normales Leben durcheinander und zieht dann weiter.“6
  • Muttersohn: Dionysos steigt in die Unterwelt, um seine Mutter zu suchen und zurückzuholen. Auch Dionysos-Männer versuchen oft ihre idealisierte Mutter in ihrer Partnerin zurückzuholen.
  • Schamane (Vermittler zwischen zwei Welten): Dionysos kennt sich in dieser realen, gewöhnlichen Welt aus und auch in der anderen, unsichtbaren Welt, der nicht-alltäglichen Wirklichkeit der Ekstase und Trance.
  • Dualistische Persönlichkeit: Dionysos kann die volle Polarität unterschiedlicher Impulse und Verhaltensweise ausleben: Entzücken und Schrecken, laut und still, …
  • Der verfolgte Wanderer: Dionysos reist durch die Welt der Griechen und wo er auch hinkommt, fordert er die Frauen auf, ihr normales, unerfülltes Leben am Herd und am Webrahmen zu verlassen und mit ihm in die wilde Natur zu ziehen, um ekstatische Orgien zu feiern. Da ihm dies meist gelang zog er sich viele Feinde zu und war oft auf der Flucht.
  • Der zerstückelte Archetyp: Da die dionysische Psyche großen Widersprüchen ausgesetzt ist, die er so bestehen lässt, fühlt er sich oft zerstückelt äußerlich bei Handlungen und Entscheidungen und innerlich, z. B. in seinen Träumen.

Diagnose-Fragen

  • Ich habe die innere Überzeugung, dass unser Leben Sinn hat und wir uns zu unserer einzigartigen Individualität entwickeln sollten.
  • Ich lebe gerne im Hier und Jetzt. Pläne, Pflichten, Verantwortungen: Das ist nicht meine Welt.
  • Ich liebe wilde, ekstatische Musik und Tänze, die es mir ermöglichen, in eine ‚andere Welt‘ einzutreten.
  • Ich bin gerne in der Welt der Frauen. Die Männerwelt mit Bier, Fußball, schnelle Boliden interessiert mich wenig.
  • Ich mag Frauen, die meiner Mutter ähneln und mich verwöhnen.
  • Es gelingt mir leicht, Frauen davon zu überzeugen, dass ihr normales Leben im Alltagstrott wenig Sinn hat.
  • Mein Innenleben ist sehr reich aber auch voller Gegensätze.

Literatur, Links

Zu Archetypen – Shinoda Bolen

Jean Shinoda Bolen: Göttinnen in jeder Frau. Psychologie einer neuen Weiblichkeit. Ullstein, 2004. Engl.: Goddesses in Everywoman HarperCollins, 2008

Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann. Besser verstehen, wie Männer leben und lieben. Heyne, 1998. Engl.: Gods in Everyman: Archetypes That Shape Men’s Lives. Harper Collins, 2009.

Jean Shinoda Bolen: Das Tao der Psychologie. Sinnvolle Zufälle. Heyne, 1998.

Jean Shinoda Bolen: Artemis. The Indomitable Spirit in Everywoman. Conari Press, 2014.

Jean Shinoda Bolen: Goddesses in Older Women. The Third Phase of Women’s Lives. Harper Collins, 2009

  1.   Zu den weiblichen Archetpyen vgl. die Links zu meinen Blog-Beiträgen in Übersicht zu den weiblichen Archetypen  
  2. Zitat aus. Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann, S. 136 f.
  3.   Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann, S. 251  
  4.   Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann, S. 285  
  5.   Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann, S. 325  
  6.   Jean Shinoda Bolen: Götter in jedem Mann, S. 331  

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