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„Verliere nie den Kontakt zu deinen Wurzeln1.

Worum geht’s im Film?

el olivo – das Poster (alle Film-Bilder aus filmstarts.de)

Alma, eine junge, liebenswerte aber emotional unausgeglichene Frau liebt ihren Großvater. Dieser ist todtraurig und redet kein Wort, weil seine Sohn, Alma’s Vater einen 2000 Jahre alten Olivenbaum verkauft hat. Also beschließt sie, den Baum aus Deutschland, wo er inzwischen gelandet ist, zurück zu holen. Diese Reise wird Alma und ihre Familie verändern. Die äußere Reise wird zu einer Entwicklungsreise. Das bestimmende Entwicklungsprinzip dahinter ist das „Stirb-und-werde-Prinzip“.

Die Geschichte – Storyline

Alma ist eine junge spanische Frau, das eine enge Verbindung zu ihrem Großvater hat. Dieser hat vor 12 Jahren aufgehört zu reden. Der Grund: Sein Sohn, Alma’s Vater hatte damals einen 2000 Jahre alten Olivenbaum ausgraben lassen und gegen den Willen des Großvaters verkauft, um ein Familien-Unternehmen (ein Restaurant) zu eröffnen.2

 

Alma – verzweifelt und wütend

In seiner Trauer und Melancholie über den Verlust seines geliebten Baumes verbringt der Großvater einen Großteil des Tages am Platz, wo früher der Olivenbaum stand und sich jetzt ein Steinhaufen befindet. Hofft er, das der Olivenbaum zurück kehrt? Alma versucht, ihn zu trösten und ins Leben zurückzubringen, aber es gelingt ihr nicht. Um dieser Situation zu entkommen, sucht Alma den Baum und entdeckt, dass er in Düsseldorf in der riesigen Empfangshalle eines deutschen Energie-Konzern – als Symbol für Nachhaltigkeit – steht. Die Bilder, die von diesem Unternehmen gezeigt werden, lassen jedoch alles Andere als Nachhaltigkeit vermuten – eher das Gegenteil)

Alma will ihren traurigen Großvater trösten

Sie überredet ihren Onkel Alca und ihren Verehrer Rafa, beide LKW-Fahrer, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen („Der Baum gehört einer Kirche, sie will ihn zurückgeben“)  mit dem LKW nach Düsseldorf zu fahren, um den Olivenbaum zurück zu holen.

Ohne Geld, ohne Gepäck und ohne Plan starten sie in eine unbekannte Zukunft mit unerwarteten Konsequenzen für alle.3  Ein großer Teil des Films handelt von dieser Reise, er kann daher auch als „Road Movie“ gekennzeichnet werden.

 

Personen

Alma

Großvater erklärt der kleinen Alma, wie man Bäume pflanzt

Alma hat Probleme: Sie rastet zwischendurch emotional aus und zeigt selbstschädigendes Verhalten: Sie reißt sich büschelweise die Haare aus. Die Annäherungsversuche ihres Freundes weist sie zurück, aber am Wochenende in der Disco tanzt sie ekstatisch und lässt sich intim mit fremden Männern ein.

Aber sie ist beseelt davon, ihren Großvater zu retten. In diesem Bemühen ist sie mutig und liebenswert.

 

Einige Szenen

  • Mit ihrem Onkel Alca und ihrem Verehrer Rafa will Alma den Baum zurückholen.

    Alma legt sich mit Rafa’s Chef an. Sie beschimpft und verhöhnt ihn und bewirft sein Auto mit Eiern. Rafa kann seinen Chef nur mühsam davon abhalten, handgreiflich gegenüber Alma zu werden.

  • Als Alma mit ihrem Onkel die Ruine des früheren – in Konkurs gegangenen – Restaurants besuchen entdecken sie ein Bild, in dem auch Emilio – vermutlich früherer Kellner – zu sehen ist. Alma erzählt ihrem Onkel, dass dieser sie als Kind sexuell belästigt / missbraucht hat. Sie hat es auch ihrem Vater erzählt, der jedoch dazu nur geschwiegen und sie nicht beschützt hat. Ihre emotionalen Probleme kommen vermutlich aus diesen traumatischen Erlebnissen.
  • Alma – verbittert und erzürnt

    Auf ihrer Suche nach dem Baum besucht Alma den korpulenten Gärtner und will wissen,  an wen er den Baum verkauft hat. Der Gärtner verweigert ihr die Antwort. Aber seine rothaarige Schwester beobachtet die Szene und steckt Alma nach dem Gespräch heimlich ein Couvert mit einem Blatt zu, auf dem der Baum und das Firmen-Logo des Energie-Unternehmens zu sehen ist.

  • An der Stelle im Olivenhain, wo der Baum stand, ist jetzt ein Steinhaufen
  • Sole und Sophie, zwei Umwelt-Aktivistinnen in Düsseldorf unterstützen Alma und organisieren in Düsseldorf eine Demo, die sich Eintritt zum Olivenbaum in der Eingangshalle des Energie-Konzerns verschafft. Alma klettert auf den Baum, wie sie es früher als kleines Kind getan hatte. Während dieser Demo erfährt ihr Onkel Alca, dass der Großvater gestorben ist. Alma bricht in Tränen aus, später fahren sie zurück.
  • Alma nimmt einen Olivenzweig des alten Baumes mit nach Hause und pflanzt ihn (mit ihrem Vater)  im Olivenhain, an die Stelle, wo der alte Baum gepflanzt war.
  • Alma versöhnt sich am Ende mit ihrem Vater, der sich bei ihr entschuldigt.

Die Entwicklungs-Reise – Filminterpretation

Großvater erklärt der kleinen Alma die Mystik des 2000 Jahre alten Olivenbaums

Alma wirkt am Anfang liebevoll und lebendig, aber emotional unausgeglichen. Sie rastet einige Male voll aus. Ihr Ärger und ihre Hass-Gefühle richten sich vor allem gegen ihren Vater und allen die bei der Ausgrabung und dem Verkauf des Olivenbaums mitgewirkt haben.  Ihr Verehrer und ihr Onkel helfen ihr, den möglichen Schaden abzuwenden. Diese Kombination aus Widerspenstigkeit, Lebendigkeit und Wut machen sie aber sehr mutig und abenteuer-lustig. Ihr Ärger wird verständlich, wenn man erfährt, dass der Baum ein Stück der Identität ihrer väterlichen  Herkunfts-Familie und vor allem des Großvaters war. Der Großvater hatte sie schon als kleines Mädchen in die Geheimnisse des Baums eingeweiht und ihre Liebe zu diesem pflanzlichen Lebewesen geweckt. Mit der Ent-Wurzelung des Baumes wurden ihr auch Wurzeln der Kindheit entzogen.

Aber Alma’s Verletzung liegt noch tiefer. Man erfährt im Laufe des Films, dass in dem Restaurant, das sie mithilfe des Geldes nahe am Strand errichten konnten und das bald in Konkurs ging ein Kellner tätig war, der sich an ihr sexuell vergangen hatte. Der Vater, dem sie das nach langem Zögern erzählt hatte, hat das aber ignoriert und ihr nicht geholfen. Ihre Scham die sie dabei erfahren hat, wurde durch noch stärker.

Großvater und die kleine Alma unter dem Olivenbaum

Die Auswirkungen dieser traumatischen Erfahrung zeigt sich nicht nur durch ihre emotionalen Ausraster sondern auch in selbst-schädigenden Handlungen. So geht sie immer wieder auf die Toilette oder einem andren isolierten Ort und reißt sich bündelweise die Haare aus, was sehr schmerzhaft erscheint.4

Auf der Reise nach Düsseldorf (und schon in Gesprächen davor) hat Alma mit ihrem Onkel und ihrem Verehrer die Familien-Geschichte besprochen und aufgearbeitet. In Düsseldorf ist sie dann während der Demo wieder auf den Baum geklettert und mit dem Baum wie als kleines Kind in Verbindung getreten. Sie hat einen Zweig dieses Baumes nach Spanien mitgenommen und ihn an die alte Stelle des Baumes wieder so eingepflanzt wie es ihr ihr Großvater früher gelernt hatte. Damit hat sie einen Neubeginn gesetzt, nicht nur für den Baum, der dort jetzt neu wachsen kann sondern auch für sich selbst und ihre Leben. Die Entschuldigung des Vaters tat ihr Übriges und ein neues Leben kann jetzt beginnen.

Phönix in den Flammen, ein Symbol des plutonischen Entwicklungsprinzips (Detail aus dem Aberdeen Bestiarium, 12. Jhd.)

Das archetypische, plutonische Prinzip des ‚Stirb und Werde‚ ist wirksam geworden und hat in dieser Geschichte zur Entwicklung beigetragen. Das alte Leben und Anteile der Psyche der jungen Frau mit den destruktiven, selbst-schädigenden Mustern sind ‚gestorben‘ und ein neues, gelingendes Leben kann entstehen – wie Phoenix aus der Asche, der mythische Vogel.5  6  7

Cast und Daten

  • Tragikomödie, Filmdrama
  • Spanien 2016, 100 Minuten
  • Regie: Iciar Bollain
  • FBW-Bewertung: besonders wertvoll
  • Anna Castillo: Alma, Protagonistin, junges Mädchen, emotionale Probleme
  • Javier Gutiérrez: Alcachofa („Alca“), Alma’s Onkel, er begleitet Alma auf ihrer Reise nach Düsseldort
  • Pep Ambròs: Rafa, Alma’s Freund / Verehrer, er fährt den LKW nach Düsseldorf – ohne Wissen seines Chefs, dem das Transport-Unternehmen mit dem LKW gehört
  • Manuel Cucala: Ramón, Alma’s Großvater
  • Miguel Ángel Aladren: Luis, Almas Vater
  • Carme Pla: Vanessa
  • Ana Isabel Mena: Sole, Umweltaktivistin in Düsseldorf, unterstützt Alma gegenüber der Polizei, organisiert eine Demo vor dem Energie-Konzern in Düsseldorf
  • Janina Agnes Schröder: Sophie – Sole’s Kollegin und Freundin
  • Maria Romero Molina: Wiki
  • Paula Usero: Adelle
  • Ana Ulloa: Ärztin
  • Cris Blanco: Estrella
  • Paco Manzanedo: Nelson
  • Aina Requena: Almas Mutter
  • Pia Stutzenstein: Kristin
  • Nikolai Will: Wachmann

Entwicklungs-Themen im Film

  • Wurzeln der Kindheit, Wurzeln der Familie, Entwurzelung
  • Kontakt zur Natur, Verbundenheit mit der Natur, Baum als (Entwicklungs-)Symbol
  • Familie, Familien-Beziehungen, Herkunfts-Familie, Familien-Erbe
  • Familien-Unternehmen, Familien-Konflikt, Generationen-Liebe
  • Vater-Tochter-Konflikt, generationen-übergreifender Konflikt, 3-Generationen-Konflikt
  • Enkel-Opa-Beziehung 8
  • in Konkurs gehen, das Erbe verspielen / verlieren
  • Missbrauch, Missbrauchs-Opfer, Scham
  • Trauma, traumatische Erfahrungen, Trauma-Überwindung
  • Familien-Geheimnis
  • Mut, Initiative, Durchsetzung, Manipulation
  • Hilfe suchen, Hilfe bekommen, helfenm sich helfen lassen
  • soziale Medien, facebook
  • emotionale Störung, Wutausbruch, mangelnde Gefühlskontrolle
  • Persönlichkeits-Störung, Borderline-Persönlichkeit, selbst-schädigendes Verhalten
  • Ekstase, kurzfristige sexuelle Beziehungen, Promiskuität, One-Night-Stand
  • emotionale Distanz zum Partner
  • Gesellschafts-Kritik, moralisch handeln, missverstandene Nachhaltigkeit, moralischer Missbrauch
  • gegen gesellschaftliche Missstände demonstrieren, Solidarität
  • Umwelt-Protest
  • widerspenstige, lebendige, liebenswerte, erfrischende, mutige, verletzte Persönlichkeit
  • Archetypus, plutonisches Prinzip, plutonischer Archetyp
  • Stirb-und-werde-Prinzip, Überwindung von Stagnation, Neu-Beginn, Loslassen
  • Entwicklungs-Reise

Gedicht zum Stirb-und-werde-Prinzp

Ich lebe mein Leben

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, im uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendlang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke9

Links

zum Film

El olivo (2016) in: IMDb

el olivo – Der Olivenbaum. Ein Film von Icíar Bollaín, Offizielle Seite

Martin Schwickert: Drama: ‚El Olivo – Der Olivenbaum‘ – Eine echte Don-Quichote-Mission Im: Der Tagesspiegel, 25. August 2016

El Olivo – Der Olivenbaum bei fbw-filmbewertung.com.

El Olivo – Der Olivenbaum bei wikipedia

El Olivo – Der Olivenbaum bei filmstarts

Susan Vahabzadeh: Die Entführung eines Olivernbaums. In: Süddeutsche Zeitung, 29. August 2016

Bert Rebhandel: Kann Wurzeln kaufen, wer keine hat? In: FAZ

Kritik zu El Olivo – Der Olivenbaum bei epd-film

 

zu ‚Phönix aus der Asche‘ – Prinzip des Stirb-und-Werde

William Shakespeare: Der Phönix und die Turteltaube. Aus: William Shakspeare’s sämmtliche Gedichte. Im Versmaße des Originals übersetzt von Emil Wagner.Königsberg Verlag 1849,  S. 151 – 15410

Rainer Maria Rilke: Ich lebe mein Leben. Auf deutschelyrik.de

Phönix (Mythologie) wikipedia

Herodot: Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Neu übersetzt, herausgegeben und erläutert von Heinz-Günther Nesselrath. Kröner, Stuttgart 2017. Vgl. auch Herodot auf gottwein.de

Gustav Türk: Phoinix 4. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 3,2, Leipzig 1909, Sp. 3450–3472 (Digitalisat). (Inklusive Quellen in deutscher Übersetzung.)

Rüdiger Dahlke: Depression. Wege aus der dunklen Nacht der Seele. Goldmann (Kapitel: Depression im Spiegel der Urpinzipien – In den Tiefen des Plutonischen)

Friedhelm Hoffmann: Phönix. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.

Karl-Heinz Vanheiden: Der Vogel Phönix in der Bibel? auf: bibelbund.de

Phönix und Pelikan – durch das Selbstopfer zur Auferstehung auf: rosenkreuz.de (vgl. dort auch: Mysterientiere  )

Der Mythos des Phönix: Feuervogel aus Ägypten

Phönix auf anthrowiki (mit Zitat von Rudolf Steiner)

Schlagwort „Archetypus“ und Schlagwort „Kundalini“ In: Gerhard Stumm und Alfred Pritz (Hrsg.): Wörterbuch der Psychotherapie. 2. Auflage. Springer : Wien, New York 2009

Walter Mauckner: Die Heldenreise des Mannes. Ein Entwicklungsweg über die 7 archetypischen Aspekte der männlichen Seele. auf zipat.de – mit Bezug zu Andreas Schick

Andreas Schick: Selbsterfahrung Mann. Therapeutische Zugangswege zur Männerseele. Springer, 2014 (mit 7 Archetypen der männlichen Seele: Heiler – Vater – Krieger – Wilder Mann – Liebhaber – Mystiker – König) – vgl. dazu auch die Pressemitteilung: „Selbsterfahrung? Mann oh Mann!.

Jürgen Schröter: Seelen-Bild Skorpion. Auf: seelenimpuls.info

 

zu Persönlichkeitsstörungen, Borderline

Oliver Walter: Persönlichkeitsstörungen. Auf: verhaltenswissenschaft.de

Adelheid Müller-Lissner: Wenn die Gefühle außer Kontrolle geraten. auf: zeit-online

o. A.: Borderlinestörung: Ausweg aus der Selbstverstümmelung. Auf focus.de

 

Was Oma und Opa den Eltern voraus haben. Auf welt.de, 10.06.2016
  1.   „Verliere nie den Kontakt zu deinen Wurzeln“ ist ein Motto des Films – vgl. die ‚taglines‘ auf IMDb  El olivo (2016),  ebenso: „There Is a Land With a Soul.“
  2.   Genauer gesagt: Mit den 30.000 € wurde die Zustimmung des Bürgermeisters erkauft, ein Restaurant direkt am Strand zu eröffnen. Das Restaurant ging später pleite. Die Familie fristet ihr Dasein von den Erträgen des Olivenhains und von einer elenden Geflügelfarm. Die Mutter hat nach dem Konkurs die Familie verlassen.
  3. Vgl. El olivo (2016) in: IMDb
  4.   Zu Persönlichkeitsstörungen vgl. z. B. Oliver Walter: Persönlichkeitsstörungen
  5.   Die ursprüngliche Beschreibung des Phönix geht auf Herodot zurück: „Noch einen heiligen Vogel gibt es, der heißt Phoinix. Ich habe ihn nur abgebildet gesehen, denn er kommt selten nach Ägypten, in Heliopolis sagt man, nur alle fünfhundert Jahre. Er soll nur dann kommen, wenn sein Vater gestorben ist. Wenn das Bild richtig ist, sieht er folgendermaßen aus. Sein Gefieder ist teils golden, teils ganz rot. In Bau und Größe gleicht er am meisten dem Adler. Von seinem Tun erzählt man folgendes, was mir aber nicht glaubhaft scheint. Er komme aus Arabien hergeflogen und bringe die Leiche seines Vaters, in Myrrhen gehüllt, in den Tempel des Helios, wo er sie begrabe. Er trage den Leichnam folgendermaßen. Zunächst forme er ein Ei aus Myrrhen, so groß er es tragen könne, und versuche es aufzuheben. Wenn er es erprobt, höhle er das Ei aus und lege die Leiche des Vaters hinein. Die Stelle, wo er das Ei ausgehöhlt und den Vater hineingelegt, klebe er dann wieder mit Myrrhen zu, und das Ei sei nun ebenso schwer wie vorher. Und nun trage er es nach Ägypten in den Tempel des Helios. So erzählt man von diesem Vogel.“– Herodot: Historien II, 73 – aus Phonix (Mythologie) wikipedia 
  6.   Auch in der Bibel wird Phönix erwähnt: „Mit meinem Neste werde ich sterben und lange leben wie der Phönix.“Buch Hiob 29:18 vgl. dazu auch: Friedhelm Hoffmann: Phönix. Karl-Heinz Vanheiden: Der Vogel Phönix in der Bibel?  
  7.   Walter Mauckner beschreibt das Stirb-und-werde-Prinzip im Rahmen der Heldenreise des Mannes beim Archetyp des Mystikers. 
  8.   vgl. dazu auch Was Oma und Opa den Eltern voraus haben.  
  9.   zitiert aus: Rüdiger Dahlke: Depression.  
  10. Der Phönix und die Turteltaube

    Laß den Vogel hellster Lieder, –
    Der in Arabien haus’t allein –
    Schwermuthsvollen Herold sein,
    Folg’ ihm dann, ein keusch Gefieder!

    Doch der schreiende Verkünder
    Jedes Unglücksfalls und Leidens,
    Er, der Bote nahen Scheidens,
    Keinen Platz im Zuge find’ er!

    Dem Vereine fern soll stehn

    Jene Vogelschaar, die raubt;
    Nur des Adlers Königshaupt
    Soll die Feier mitbegehn.

    Und der Schwan, als Priester, singe,
    Weiß gekleidet, Trauerlieder

    Auf das Todtenpaar hernieder,
    Und das Requiem erklinge.

    Bleibe dreifach alte Krähe, –
    Der ein schwarz Geschlecht erzielt
    Athem, den sie giebt und stiehlt, –

    In des Trauerzuges Nähe.

    Nun beginnt der Trauerchor:
    Lieb’ und Treu’ ist ausgegangen,
    Taub’ und Phönix, ach, sie schwangen
    Sich in Flammengluth empor!

    Beide fühlten gleiche Triebe,
    Doch die Liebe war nur eine,
    Zwei Gestalten, – Trennung keine,
    Es verschwand die Zahl in Liebe.

    In den Herzen, nicht erkennen

    Ließ sich einer Trennung Spur,
    Zwischen Taub’ und Phönix nur
    Darf man das kein Wunder nennen!

    So war ihre Liebe gleich,
    Daß für Jedes alles Licht

    Gab des Andern Angesicht,
    Jenes war im Andern reich

    Und das Eigenthum erblich,
    Weil das Selbst sich nicht gehörte;
    In des Andern Namen hörte

    Taub’ und Phönix Jedes sich.

    Der Verstand, in sich verwirrt,
    Sah die Trennung sich vereinen,
    Jedes nur das Andre scheinen,
    In einander so verirrt,

    Daß er ausrief: „Mir will scheinen,
    „Daß sich Zwei in Eins hier banden!
    „Lieb’ allein nur hat’s verstanden,
    So Getrenntes zu vereinen!“

    Diese Trauermelodie

    Für die beiden Liebessterne,
    Taub’ und Phönix, die nun ferne,
    Macht’ er drauf als Chor für sie:

    Trauergesang.

    Schönheit, Treue, Seltenheit,
    Anmuth in Bescheidenheit,
    Ist’s, was diese Asche beut.

    Todt ist nun des Phönix Lust,

    Und der Taube treue Brust,
    Sterben hat auch sie gemußt!

    Kinder thun ihr Lob nicht kund,
    Doch nicht Schwäche war der Grund,
    Nein, der Ehe Keuschheitsbund.

    Treue scheint, kann nicht mehr sein;
    Schönheit prahlt, es ist nur Schein,
    Treu’ und Schönheit im Verein

    Ruhen hier! Hieher laßt gehn
    Sie, die treu sind oder schön,

    Und für diese Todten flehn! –

    William Shakespeare: Der Phönix und die Turteltaube. Aus: William Shakspeare’s sämmtliche Gedichte. Im Versmaße des Originals übersetzt von Emil Wagner. S. 151 – 154