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Untertitel:
Wie unterschiedliche Beziehungs-Typen mit Konflikten umgehen

Den Partner zu erforschen, seine innere Landkarte zu entdecken, belebt eine Beziehung

John Gottman, ein bekannter US-amerikanischer  (emeritierter) Psychologie-Professor, Paar-Forscher und Familien-Therapeut1 hat eine interessante Typologie der Paare entwickelt. Sie basiert auf empirischen Studien.2

Gottman unterscheidet 5 Typen von Beziehungen / Paaren / Beziehungs-Muster: 3 stabile / zufriedene und 2 instabile / unzufriedene:

Die drei stabilen Beziehungs-Typen sind:

(1) Lebhaft-impulsive Partnerschaften (Volatile Couples)

Sie sind emotional lebendig, ein ständiges Auf und Ab, mit intensiven Gefühlen. Konflikte werden offen und mit heißen Gefühlen ausgetragen, „es fliegen die Fetzen“, jedoch ohne Abwertungen. Aber es wird in diesen Beziehungen auch viel gelacht, mit viel Lust, Spaß und Vergnügen, Lebendigkeit und Leidenschaft gelebt.

(2) Konfliktvermeidende Partnerschaften  (Conflict Avoiders)

Sie sind mehr oder weniger das Gegenteil des lebhaft-impulsiven Musters. Sie vermeiden Auseinandersetzungen so weit wie möglich und fokussieren auf ihre gemeinsamen Interessen. Sie drücken weder ihre Bedürfnisse noch ihre Gefühle offen aus, sagen aber meist, dass sie eine glückliche, zumindest keine unglückliche Beziehung haben. Ihr emotionaler Ausdruck und ihre Leidenschaft bewegen sich auf einem niedrigen Niveau. Ihre Erwartungen sind nicht hoch, Genügsamkeit kennzeichnet ihre Persönlichkeit und ihre Beziehungs-Qualität. Die Beziehung ist in den Augen des Paares „gut genug3

(3) Konstruktive Partnerschaften (Validating Couples)

(auch: bestätigende, akzeptierte Partnerschaften)

Sie werden als leicht, ungezwungen und ruhig charakterisiert, irgendwo in der Mitte zwischen den Lebhaften und Vermeidern der ersten beiden Beziehungs-Typen. Sie drücken ihre Gefühle und Bedürfnisse aus, aber  unspektakulär, meist neutral und verständnisvoll. Sie versuchen ihre Partner zu verstehen, ihre Sichtweisen4, ihre Gefühle („Empathie“) 5 Gottman bezeichnet das auch als „mapping your partner’s inner world6

Glauben, den Partner zu kennen und in eine Schublade zu stecken, wirkt frustrierend.

Im positivsten Fall bleiben die Partner neugierig aufeinander und erforschen gegenseitig ihr Innen-Leben.
Im negativen Fall ’schubladisiert‘ man den Anderen. Man glaubt, ihn zu kennen und steckt ihn in eine ‚Schublade‚. Das frustriert im Normalfall.  In Summe gelingt es diesen Partnerschaften aber die Balance (Gottman-Balance 5:1) zu erhalten.  Vor allem schreiben sie eine „positive Geschichte ihrer Beziehung„. 7

Das Gemeinsame der ersten drei Typen  von Beziehungen ist, dass sie stabil und positiv bleiben, auch wenn sie zwischendurch Schwierigkeiten, Konflikte, Energielosigkeit und Frustration enthalten. Der Glaube, dass eine gute Partnerschaft immer glücklich sein muss oder kann, ist zum Scheitern verurteilt.8

Die zwei in-stabilen / unzufriedenen Beziehungs-Typen sind:

(4) Offen feindselige Beziehungen (Hostile Couples)

(auch: feindselig engagierte Beziehungen)

Sie verhalten sich aktiv feindselig. Oft ist einer der beiden Parnter der Angreifer, Kritiker, Abwerter und der Andere verteidigt sich und mauert. In den Love-Lab-Studien von Gottman waren bei heterosexuellen Paaren die Angreifer meist männlich, die Verteidiger bzw. Vermeider meist Frauen.9 Beide haben kein Verständnis für die Sichtweisen und Bedürfnisse des Anderen. Die vier apokalyptischen Reiter beherrschen das (Beziehungs-)Feld. Du-Botschaften10 und Verallgemeinerungen und damit ständige Verletzungen stehen am Programm. 11

(5) Distanziert-feindselige Partnerschaften (Hostile Detached Couples)

Wie im vorigen Muster bleibt die Feindseligkeit erhalten, anders als  dort herrscht jedoch emotionale Kälte. Beide haben sich in der Beziehung zurückgezogen, aber man spürt die ‚dicke Luft‘, wenn beide anwesend sind. Der Konflikt ist in ein kalter geworden. Emotional blocken beide ab, oft haben sie die Beziehung letztlich aufgegeben.

Paare mit diesem Muster lassen sich öfter scheiden als die offen feindseligen Paare. Gottman vermutet, der Grund ist, dass hier kein emotionaler Ausdruck mehr stattfindet. Offener Streit ermöglicht die Regulierung der negativen Energie (‚Negativität‚), Rückzug ermöglicht dies nicht. 12

Selbstreflexion

  • In welcher Partnerschaft leben Sie?
  • Welche Anteile welchen Typus sind in ihrer Beziehung enthalten?
  • Erkennen Sie Elemente dieser Typen auch in anderen Beziehungen? Welche?
  • Was könnten Sie tun, um die Beziehung zu verbessern?
  • Was nehmen Sie sich konkret vor?

Querverweise:

  1.   Vgl. auch Die Apokalyptischen Reiter, Das Geheimnis guter Beziehungen
  2. John Gottman: The 5 Types of Couples. John Gottman: Principia Amoris: The New Science of Love. beziehungsweise: Beziehungsmuster – Die fünf Beziehungsmuster nach John Gottman 
  3.   Vgl. John GottmanThe Truth About Expectations in Relationships 
  4. Die Sichtweise / Perspektive des Partners zu kennen, sie zumindest als eine mögliche Alternative anzusehen, ist besonders in Konflikten wichtig. – Vgl. dazu : There Are Two Views to Every Conflict and Both Are Valid
  5.   : Stop Trying to Fix Your Partner’s Feelings.
  6. vgl. Kyle Benson: The Human Heart Was Made to Be Known and Loved.  
  7.   Vgl. Kyle Benson: The Story of Us: The Difference Between Happy & Unhappy Couples.  
  8.   Vgl. Kyle Benson: An Always Happy Relationship is a Doomed Relationship.  Vgl. auch Kyle BensonHow to Strengthen Your Relationship with State of the Union Meetings. 
  9.   Vgl. John Gottman: The 5 Types of Couples.
  10.   vgl. Zentrale Kommunikations-Fehler 
  11.   Ein Paradebeispiel aus der Literatur sind die Streithähne Martha und George aus „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – Hinweis aus beziehungsweise: Beziehungsmuster – Die fünf Beziehungsmuster nach John Gottman 
  12.   Vgl. Gottman: The 5 Types of Couples

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