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Interpretations-Skizzen

Zu Michel, Lea’s Kollege an der Uni fasst Juliette Vertrauen und erzählt, wie sie den Gefängnisaufenthalt erlebt hat

Es ist ein Lehrfilm über die Wirkung von Familien-Geheimnissen. Er zeigt, wie sehr diese das Familien-Leben des ganzen Familien-Systems beeinträchtigen. Die Eltern haben Juliette aus der Familie ausgeschlossen, sie haben sie nie besucht. Und auch die  kleine Lea (war 8 Jahre alt, als die Tat begangen wurde) durfte keinen Kontakt zu ihr aufnehmen.

Der Film zeigt auch, wie es (aus der Perspektive von Juliette) gelingen kann, ein traumatisches Erlebnis aufzuarbeiten. Die Tat vor 15 Jahren hat Juliette traumatisiert. Sie hat sich von der äußeren Welt weitgehend zurückgezogen, keine Kontakte zugelassen, meist geschwiegen. Der Film Endet mit einem Satz von Juliette: „Ich bin da!“1

Juliette entwickelt sich zu einer liebevollen Tante

Aus Lea’s Perspektive zeigt der Film, wie es gelingen kann, ein ausgeschlossenes Familien-Mitglied wieder in die Familie zu integrieren.  Lea demonstriert sehr deutlich die Erkenntnis aus der systemischen Familientherapie, nämlich, dass jeder Ausschluss aus der Familie das gesamt Familiensystem schädigt.  Lea zeigt authentisch, wie wichtig ihr die Reintegration der Schwester ist, selbst wenn es zu Spannungen mit ihrem Mann kommt.

Freundschaft, Liebe und Sex: Auch eine egalitäre, freundschaftliche Beziehung zu dem Polizeibeamten Fauré, bei dem sie sich regelmäßig melden muss fördern Juliette’s  Entwicklungsprozess, auch wenn sein späterer Suizid dies wieder erschwert. Ein spontaner One-Night-Stand – auch wenn es am Tag war – zeigt Juliette, dass sie auch sexuell noch attraktiv ist. Und eine behutsame freundschaftliche Annäherung von Michel, Lea’s Kollegen tut ihr gut.

Entwicklungs-Anlässe

Lea mit ihren StudentInnen. Als die Sprache auf eine Textstelle mit einem Mörder kam, verliert sie die Fassung. Zu sehr lastet das Familien-Geheimnis auf ihr.

Was hilft, das Familien-Geheimnis zu lüften und das Trauma zu überwinden?

  • Geschwister-Liebe: Juliette wird de facto wieder in die Familie aufgenommen.
  • Bewusst-Machen der Vergangenheit, gemeinsamen Erlebnissen der beiden Geschwister
  • Musik: Das Lied „An der Quelle“, das die beiden Schwestern früher gemeinsam gespielt und gesungen haben, weckt positive Gefühle aus der Vergangenheit
  • Kontakt zu Kindern, Liebe zu Kindern: Sie entwickelt sich zu einer liebevollen Tante und das Kind stellt viel neugierige Fragen, die am Familien-Geheimnis kratzen. Sie erzählt ihrer Mutter, dass sie die Tante liebt.
  • Vertrauen zu einer Person (ihrer Schwester, Faure und Michel), denen sie ihre (inneren) Erlebnisse (z. B. im Gefängnis) mitteilt.

Entwicklungs-Themen

Lea liest den medizinischen Befund des getöteten Kindes.

Sie können anregen, über eigene Lebens-Themen nachzudenken.

  • Trauma
  • Trauma-Bearbeitung
  • Familien-Geheimnis (Wirkung, lüften)
  • zurückgezogene, verschlossene Persönlichkeit
  • Geschwister-Liebe
  • jüngere – ältere Schwester
  • Kinderfragen
  • Vertrauen
  • Tod eines Kindes
  • Geheimnis erforschen, aufklären, aufdecken, auflösen
  • dysfunktionale (gestörte) Familienstruktur
  • Schuld und Sühne (Schuldgefühle, ein todkrankes Kind auf die Welt gebracht zu haben, Schuldgefühle, den Kontakt zur Schwester abgebrochen zu haben)

Zitate zu Entwicklungsthemen

Juliette:s intensiver Zigarettenkonsum verstärkt ihre Distanz zu anderen Menschen und zur Welt

Juliette: „Das ärgste Gefängnis ist der Tod des eigenen Kindes. Du wirst daraus nie entlassen.“

Links

IMDb  „Il y a longtemps que je t’aime“   2

Lexikon des internationalen Films: „So viele Jahre liebe ich dich

wikipedia: „So viele Jahre liebe ich dich„- mit ausführlichem Plot

taz: „So viele Jahre liebe ich dich“. Vom Thriller zur Schmonzette.

filmdienst:  „So viele Jahre liebe ich dich“

Filmdatenblatt „So viele Jahre liebe ich dich“

ciritc.de: „So viele Jahre liebe ich dich – Kritik“

filmstarts: „So viele Jahre liebe ich dich

Dieter Wunderlich: „So viele Jahre liebe ich dich“ – detaillierter Plot und Kritik

Roger Ebert: I’ve loved you so long.

The Guardian: I’ve loved you so long.

Querverweise

To do: Querverweise zur Familien-Psychologie

  1. In der letzten Szene offenbart Juliette ihr Geheimnis mit starkem emotionalen Ausdruck und unter Tränen ihrer Schwester – im ersten Stock des Hauses. Als ihr zu Besuch kommt, ruft er, ob jemand zu Hause ist. Juliette antwortet nach kurzem Zögern (auf seine Frage und zu sich selbst): „Ja, Ich bin da.“ und zu ihrer Schwester gewandt wiederholt sie „Ich bin da!“
  2.   Storyline auf IMDb: „Juliette was 15 years in prison. Confronted with the unexpected goodness of her younger sister Léa, who makes Juliette a part of her family, very slowly breaks up Juliette’s ice and bitterness and she carefully opens up.“  

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