Erforsche deine Familie mit dem Genogramm

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Familie van Jan Brueghel de Oude von Peter Paul Rubens – flämischer Maler, ca. 1614

Deine Familie ist wichtig, sie hat Dich geprägt. Du gehörst zu Deiner Familie, egal welche Ereignisse vorgefallen sind. (Prinzip der Zugehörigkeit)

Wenn Du Dich mit Deiner Familie beschäftigst, ist das auch eine Auseinandersetzung mit Dir selbst. Es ist sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit ein Stück ‚Forschung‚ zu Deiner Familie zu betreiben, auch ohne, besonders aber mit besonderen Anlässen.

Beantworte die folgenden ‚Fragen‘ für Deine Familie. Sie könnten Dich motivieren, in diese Thematik näher einzusteigen und ein kleines persönliches Forschungsprojekt zu Deiner Familie zu beginnen.

  • Du willst Deine Familie erforschen?
  • Dir genügt der Stammbaum nicht?
  • Du willst mehr über Deine Ahnen und Familientraditionen erfahren?
  • Du hast das Gefühl, dass ‚ein Stück Familie‘ in Dir steckt, das Du ergründen willst?
  • Du hast das Gefühl, nicht den richtigen Platz in der Familie zu haben.
  • Es gibt ein ‚dunkles Loch‘ in der Familie? Du weißt nicht, was das geschehen ist oder wer daran beteiligt war?
  • Es gibt Familien-Geheimnisse oder -Tabus, von denen Du wenig oder nichts weißt? ..oder von denen wenig oder nichts gesprochen wird?
  • Du willst Dein Gefühl, zur ‚großen Familie‘ (incl. Deiner Ahnen) zu gehören, verstärken?
  • Es passieren unerklärliche Dinge in der Familie und Du willst ihnen auf den Grund gehen?
  • Es wiederholen sich unerklärlich Dinge in Deinem derzeitigen Leben oder generationsübergreifend („Schon der Großmutter ist das gleiche passiert“)
  • Oder Du willst einfach das Familien-Klima und den Familien-Zusammenhalt verbessern?

Wenn Du eine dieser ‚Fragen‘ mit „ja“ („ja, so ist es“) beantwortest, dann könnte das Genogramm das richtige „Tool“ für Dich sein.

Was ist ein Genogramm? Wozu braucht man es?

Genogramme sind Diagramme 1    („Genogramm„), die genetische2 („Genogramm“) und auch interpersonale Familien-Daten enthält.3

Ein Genogramm ist eine grafische Darstellung eines umfassenden Familiensystems mit ihren Vor- und Nachfahren. Die Basis dafür ist das Familienstammbuch, bzw. der Familienstammbaum, der je nach Zweck um zahlreiche Informationen zu den Elementen / Personen und Beziehungen ergänzt wird.

Ursprünge, alternative Bezeichnungen

Die Ursprünge des Genogramms stammen von Monica McGoldrick und Randy Gerson4,  zwei U.S.-amerikanischen Familienpsychologinnen. Daher wird das Instrument auch als „McGoldrick-Gerson-Studie“ bezeichnet.5    Auch der Begriff „Familien-Diagramm“ wird manchmal verwendet. 6

Zweck

Genogramme dienen vor allem in der systemischen Familientherapie der Darstellung (aber auch der Erfassung und Selektion 7) von familienbezogenen Daten und der Analyse von Zusammenhängen, um beispielsweise krankmachende Familiengeheimnisse aufzudecken und aufzulösen.

Stammbäume als Ergebnis der Genealogie

In der Genealogie 8 9   dienen Genogramme der Erforschung von Familiengeschichten bzw. der Ahnenforschung und der Darstellung von Verwandtschafts-Beziehungen. Die Daten dienen Familienforschern, Familienberatern, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, (Familien-)Therapeuten und Beratern10, auch Ärzten.11  bei deren Arbeit mit Klienten und Patienten.

Bei der Konstruktion des Genogramms darf natürlich nicht vergessen werden12, dass das Ergebnis der Genogramm-Arbeit nicht die Wahrheit ist, sondern eine Wirklichkeits-Konstruktion des jeweiligen Erstellers bzw. (in der Beratung) des Klienten.13The map is not the territory„, d. h. wiedergegeben wird die ‚Wahrheit‘ aus der Perspektive der jeweiligen Person.

Ein neue, alternative Möglichkeit der Verwendung von Genogrammen für Therapeuten, Coaches, Berater ist, den Focus nicht (nur) auf das Ergebnis zu legen, sondern auch und besonders auf den Prozess bei der Erstellung des Genogramms.14. Erstellt man das Genogramm alleine, so wird empfohlen, es in achtsamen Bewusstsein zu erstellen und sich in die dargestellten Personen empathisch hineinzuversetzen. Dabei entstehen häufig mehr oder weniger intensive Gefühle. Diesen emotionalen Gehalt des Prozesses bei der Erstellung von Genogrammen können Therapeuten und andere für therapeutische bzw. Entwicklungs-Prozesse nützen.

Welche Elemente kommen in Genogrammen vor?

In Genogramme verwendet man verschiedene Symbole für Menschen (männlich – weiblich, Zwillinge, Adoptivkind, lebend – gestorben…) und verschiedene Linien für Beziehungen (verheiratet, geschieden, Eltern-Kind-Beziehung, Adoptiv-Eltern-Kind-Beziehung, Geschwister-Beziehung, …).

Es enthält wie ein Stammbaum mehrere Ebenen, meist 3 bis 5 Ebenen (Geschwister, Eltern, Großeltern, Söhne und Töchter, manchmal auch Enkel und Großeltern, ev. auch Urgroßeltern). Zusätzlich enthält es objektive Fakten-Daten-Zahlen, z. B.  Name, Alter (bzw. Geburts- und ev. Sterbedatum), manchmal auch medizinische Daten (z. B. Erbkrankheiten)

Es gibt kein standardisiertes System von Symbolen, Linien und Darstellungsformen, beinahe jeder Autor verwendet sie unterschiedlich.15, [vgl. dazu auch die Übersicht im Anhang]  Die Logik und das Grundsystem dahinter sind jedoch sehr ähnlich.

Symbole

Genogramm-Symbole

Inhalte / Daten in Genogrammen

Struktur-Daten („Skelett“, hard facts)

  • Grundsätzlich sind alle Daten des Stammbaums im Genogramm enthalten (hard facts): Name, ev. Mädchenname Geschlecht, Geburts- und Sterbe-Daten (bzw. Alter / erreichtes Alter), ev. Todesursache
    Vermählungen, Trennungen, Scheidungen, …
    ev. qualifizierteste Schul- bzw. Universitätsausbildung, Beruf, …
    ev. Nationalität, wenn unterschiedlich
  • Ergänzende Personen: Geschwister, Onkeln und Tanten (nicht immer im Stammbaum), manchmal auch Personen, die bei der Familie lebten oder für sie wichtig waren (meist an den Rand des Genogramms)
    Kinder aus früheren Beziehungen (auch tot Geborene oder abgetriebene)
    Verlobungen, frühere fixe Partner_innen Ehepartner
  • (Ergänzende) Personen mit besonderer Beachtung im Genogramm (die man oft vergisst):
    • tot geborene oder abgetriebene Kinder
    • ausgeschlossene, ausgestoßene, abgeschobene Personen, schwarze Schafe
    • Personen mit besonderen Schicksalen
    • die „großen Lieben“ ohne feste Beziehung / Heirat

inhaltliche Daten („Fleisch“, soft facts)

je nach Zweck werden zusätzliche Daten hinzugefügt (man könnte sie unter ‚Besonderheiten‘ zusammenfassen, z. B. 16

  • medizinische Daten: schwere oder chronischen (körperliche oder psychische) Krankheiten, Drogenprobleme
  • Besondere Lebensumstände, besondere Ereignisse, besondere Lebens-Themen /-Muster,  besondere Todes-Ursachen (z. B. ins Heim abgeschoben,  im Krieg umgekommen, verschollen, Erbstreitigkeiten, Abbrechen von Beziehungen zu Verwandten, Erbstreitigkeiten, …)
  • Besondere Begabungen, Talente, Erfolge, Misserfolge, z. B. gründete eine erfolgreiche Firma, ging in Konkurs, sehr musikalisch, besonders mathematisch begabt
  • personale / Charakter-Merkmale, z. B. einfühlsam, gewalttätig, aufbrausend, egoistisch, selbstaufopfernd, puer aeternus, religiös (ev. mit besonderen Ereignissen oder Gewohnheiten verbinden)
  • besondere Beziehung zu anderen Familienmitgliedern (z. B. symbiotische oder konfliktäre Beziehung, wurde nicht ernst genommen, blieb das kleine Kind der Familie, …)
  • weitere Besonderheiten: ausgewandert nach …
  • weitere Besonderheiten aus der Familiengeschichte / Familiendiagnose, z. B. Familien-Kultur, Familien-Krisen, große Unterschiede zwischen Geschwistern (z. B. Arbeiter – Akademiker) …

Darstellung des Genogramms

Es gibt zahlreiche Formen der Darstellung, ich persönlich bevorzuge die Darstellung von John Bradshaw. Diese Darstellung dupliziert die Personen:

  • auf einer Ebene die Geschwister (Ursprungsfamilie)
  • auf der Ebene darunter die Partner (Gegenwartsfamilie

Das ermöglicht eine übersichtlichere Darstellung, weil dann nicht Partner und Geschwister vermischt werden können.

In der Abbildung ein Beispiel aus Bradshaw17

Grundstruktur des Genogramms (aus Bradshaw)

In diesem (unfertigen) Genogramm werden der Mann (die Person im Mittelpunkt) und die Frau dupliziert, einmal als Ehepartner, zum zweiten als Ehepaar.

Anleitungen zum Erstellen eines Genogramms

Eine wirklich fundierte Anleitung zum Erstellen von Genogrammen und dem Konzept dahinter finden sich in Bradshaws Buch „Familiengeheimnisse“18. Es gibt jedoch zahlreiche alternative aber ähnliche Vorgangsweisen, die auch sehr brauchbar sind.19

Anordnung der Symbole in der vertikalen Achse (Generationen)

Man beginnt mit sich selbst, darüber die Eltern, daneben die Geschwister. Neben den Eltern ihre Geschwister. Darüber die Großeltern und deren Geschwister, das gleiche bei den Urgroßeltern, falls Informationen von ihnen vorhanden sind.

Anordnung der Symbole in der horizontale Achse (Generationen)

Die Reihenfolge in der horizontale Achse also die Reihenfolge der Geschwister und ev. auch Partner erfolgt von links nach rechts nach dem Alter. Links das erste, älteste Kind, rechts das jüngste incl. Totgeburten usw.

Ablauf: Der Prozess der Erforschung meiner Familie
  • Meist beginnt man, mit den Informationen, die man hat, einen relativ einfachen Stammbaum oder einfaches Genogramm zu erstellen.
  • Bevor man weiter auf die Suche geht, ist es sinnvoll, sich über den Zweck der Aktivität nachzudenken: Was will ich durch diese Arbeit erreichen? Was möchte ich lernen? Was möchte ich in Erfahrung bringen?
  • Aus diesen ersten beiden Schritten wird klar, wonach ich suchen will.
  • Sinnvoll ist es, sich einen groben Plan zu machen, wie ich weiter vorgehe: Welche Personen ich befrage (z. B. Großeltern), in welchen Quellen / Medien (Informationsspeicher) ich forsche (z. B. Familienalbums, eigene Dokumente, Kirchenbücher,…), in welcher Reihenfolge ich vorgehe usw.
  • Und dann geht’s los mit den ersten Befragungen. Nimm dir genug Zeit für die Gespräche, kündige sei an, damit auch deine Gesprächspartner Zeit haben und vorbereitet sind. Geh in der Rolle als (neutraler) Forschender heran, nicht als Beurteiler oder Kritiker. Mach keine Verhöre und enthalte dich jeglicher Vorwürfe und sei darauf vorbereitet, dass bei deinen Gesprächspartner auch Gefühle, vielleicht sogar Tränen kommen können. Werden die Emotionen bei deinen Gesprächspartner zu stark, dann frage nach, ob sie das Gespräch unterbrechen wollen. Sei in solchen Fällen einfühlsam, empathisch. Vielleicht könnt ihr das Gespräch später fortsetzen. Bedanke dich bei deinen Gesprächspartnern. Frag nach, ob du noch einmal kommen kannst, wenn weitere Unklarheiten und Fragen entstehen.
    Dokumentiere die Gespräche und ergänze dein Genogramm.
  • Im Laufe des Prozesses kommt es nicht selten zu Überraschungen, die es erforderlich machten die Pläne zu ändern, zusätzliche Befragungen zu machen usw. So kam ein Seminarteilnehmer schon nach wenigen Befragungen ein wichtiges Ergebnis, nämlich, dass er mehrere Halbbrüder in Italien hat, von denen er bisher nichts gewusst hat. Eine bis dahin ungeplante Italienreise war im Zentrum seiner folgenden Tätigkeiten zur Erforschung seiner Familie.

Fragen zur Familiengeschichte

Um gute Daten für ein Genogramm zu erhalten, ist es wichtig, sich und anderen (Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkeln, Tanten, weiteren wichtigen Personen aus der Kindheit) Fragen zur Familiengeschichte zu stellen z. B. 20

Besondere Personen (und deren Merkmale) und Beziehungen

  1. Wer wurde aus der Familie ausgeschlossen? Gab es schwarze Schafe, Personen, die gemieden wurden? Warum?
  2. Gibt es Abtreibungen, Aborte, Totgeburten? Gabe es Personen, die sehr früh gestorben sind? Herrscht darüber Stillschweigen oder Offenheit?
  3. Gab es verbotene Liebesbeziehungen, Beziehungen, die nicht sein durften, die verpönt waren?
  4. Gab es besondere Ähnlichkeiten oder besondere vererbte Merkmale des Körpers (Größe, Gewicht, Haarfarbe, …) oder der Psyche (Charaktermerkmale, Verhaltensmuster, …)?
  5. Welche schweren Schicksale gibt es in der Familie? Gab es schwere Schicksalsschläge?
  6. Wiederkehrende Ereignisse (Unfälle, Krankheiten, Konkurse)
  7. Gab es Synchronizitäten in der Familie? („Zufälle“, dass etwas zur gleichen Zeit geschieht?
  8. Gab es Familienkrisen, wie wurde damit umgegangen?
  9. Gibt es spezielle Normen und Regeln, Tabus, Zwänge, Vereinbarungen (offen oder verdeckt?)  Woran musste man sich halten?
    Welche Rolle spielte Disziplin, Ordnung …?
    Welche Rolle spielte Leistung, z. B. Schulnoten? Gabe es Leistungsnormen?
  10. Gibt es Familien-Geheimnisse? Worüber wurde nicht gesprochen? Über welche Personen wurde nie gesprochen?
  11. Wie wurde in der Familie über andere Familien-Mitglieder gesprochen? War die Tendenz, eher gut oder schlecht über andere zu reden?
  12. Welche Grundstimmung gab es in der Familie, welche Gefühle herrschten vor. Welche Gefühle durften ausgedrückt werden und welche nicht? z. B. Zorn, Wut, Trauer, Schmerz, Angst, Hilflosigkeit, Eifersucht, Freude, Zuneigung, Liebe, … 21
  13. Wie wurde in der Familie mit Macht umgegangen? Wer traf in der Familie die wichtige Entscheidungen? Gab es Machtmissbrauch? Kam Gewaltanwendung vor?
  14. Gab es immer wieder Streitpunkte? Worüber wurde gestritten. Wie wurden die Konflikte ausgetragen? Kam es zu Lösungen oder wurde immer weiter gestritten?
  15. Wie wurde mit Geld umgegangen? Gab es immer genug Geld? Wer entschied in Geldangelegenheiten? Wer hatte das letzte Wort? 14b
  16. Wie wurde mit Sexualität umgegangen? Wurde darüber gesprochen?
  17. Wie offen war die Familie für soziale Kontakte? Gab es viele Kontakte zu Freunden, Bekannten, Nachbarn? Oder lebte die Familie sozial isoliert?
  18. Welchen Status (Geltung, Reputation, Image, Achtung, Leumund) hatte die Familie in der Außenwelt (in der Nachbarschaft, im Ort, in der Region? Wurde sie geschätzt, geehrt, isoliert, vermieden, sabotiert? Gab es ein besonderes Statusbewusstsein in der Familie („Wir sind besser als …“)?
  19. Zusammenfassend: Lassen sich Muster erkennen, z. B. generations-übergreifende Wiederholungen (Namen, Krankheiten, Berufe, Scheidungen / Trennungen, uneheliche Kinder, …)

Gruppierung der Fragen

  • Fragen 1 – 4: Fragen zu besonderen Personen (incl. Merkmalen) und Beziehungen
  • Fragen 4 – 8: Besondere Ereignisse
  • Fragen 9 -12: Allgemeine Familienkultur
  • Fragen 13 – 16: Familienkultur: Fragen zu Geld – Macht – Sexualität
  • Fragen 17 – 18: Außenwirkung des Familiensystems
  • Frage 20: Muster

Genogramm-Software

Für Genogramme und Stammbäume gibt es zahlreiche Programme, z. B. Genogramm analytics, tree builder, Genogramm Designer, WinGeno

22

Anhang: Beispiele für Standard-Symbole im Genogramm

Genogramm-Symbole des Nebraska Department of Health  Human Services

Genogramm-Symbole

Blatt 1

 

 

 

 

 

 

 

Gengramm: Standard-Symbole

Genogramm: Standard-Symbole

Blatt 2

 

 

 

 

 

 

Genogramm Symbole: Beziehungen

weitere 1

 

 

 

 

 

Standard-Symbole im Genogramm

Genogramm: Standard-Symbole

2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exkurs: Netzwerkanalyse

Briefwechsel eines Sozialen Netzwerks (Briefwechsel zwischen Wissenschaftlern)

Man kann Genogramme als spezielle Version der ‚sozialen Netzwerkanalyse‚ für das soziale System ‚Familie‘  bezeichnen. 23

Exkurs: Familie – statistische Daten

Einen guten Überblick über die Situation von Familien (statistische Informationen über Alleinerziehende, Heiratsalter, Eheschließungen und Scheidungen, Patchworkfamilien, nicht-ehelich Kinder,  usw.) in Deutschland gibt Spiegel online, Familie. 24

  1.     Diagramme sind Formen der Visualisierung, graphische Darstellung von  Zahlen, Daten, Fakten, z. B. als Liniendiagramm. „Diagramme können etwas sichtbar machen, was vorher auf diese Weise nicht sagbar war.“  Jörg Bernardy: Die Kunst der Diagrammtik. Diagrammatik ist die dahinterstehende interdisziplänere, wissenschaftliche Disziplin. Bernardy sprich auch vom „diagrammatischen Denken„, das das Verhältnis von Grafischem und Gedachten bewusst gestaltet. Diagramme sind Erkenntnis-Instrumente, das sie als Schaubild ein Kräfteverhältnis zwischen Wort und Bild darstellt, das Denken anregt, Wahrnehmung ökonomisiert und Erkenntnis generiert – vgl. Berardy, Mit Diagrammen als Erkenntnismittel beschäftigt sich auch Linda Treude & Sascha Freyberg: Diagrammtik und Wissensorganisation und auch  Shin, Sun-Joo, Lemon, Oliver and Mumma, John: Diagrams. Eine interessante Auseinandersetzung zwischen Diagrammatik und Philosophie anhand des französichen Strukturalismus (Michel Foucalut und Michel Serres) findet sich in Petra Gehring: Paradigma einer Methode. Der Begriff des Diagramms im Strukturdenkenn von M. Foucault und M. Serres
  2.   Was genetische Daten sind, wird vor allem im Zusammenhang mit Datenschutz diskutiert. „Die UNESCO definiert genetische Daten als nicht offenkundige Daten über erbliche Merkmale von Individuen, die durch Nukleinsäureanalyse oder durch andere wissenschaftliche Analysen gewonnen werden. Der Europarat versteht darunter alle Daten, gleich welchen Typs, über die Erbmerkmale einer Person oder über das für diese Merkmale typische Vererbungsmuster innerhalb einer miteinander verwandten Gruppe von Personen.“ aus drze: genetische Daten. Zur Diskussion vgl. o.A. Genetische Daten. Wohin uns das Wissen treibt, DuD:Marian Arning, Nikolaus Forgó, Tina Krügel: Datenschutzrechtliche Aspekte der Forschung mit genetischen Daten
  3.   vgl. Jolly W. Froom: The Genogram
  4.    Monica McGoldrick und Randy Gerson: Genograms: Assessment and Intervention , vgl. auch Monica McGoldrick, Randy Gerson, Sueli Petry: Genogramme in der Familienberatung, Monica McGoldrick:  Wieder heimkommen: auf Spurensuche in Familiengeschichten : Genogrammarbeit und Mehrgenerationen-Perspektive in der Familientherapie
  5.   Wird manchmal auch als „Lapdus-Schema“ bezeichnet – vgl. o.A.: Ein Genogramm erstellen
  6.   Die Verwendung ist  teilweise synonym, manchmal als Überbegriff, manchmal als Nebenbegriff.  vgl. Family Tree Builder. Familien-Diagramme (im engeren Sinn) werden vor allem in Familien-Therapien nach Bowen verwendet.
  7.    auch zur Persönlichkeits-Analyse, vgl. Helmut Johnson (1995): Das Genogramm in der systemischen Persönlichkeitsanalyse
  8.   Familiengeschichts-Forschung, Ahnen-Forschung Lehre von den Verwandtschaftsbeziehungen und ihrer Darstellung. Es geht um die genetische Abstammung eines Lebewesens von einem anderen. Die Vorfahren werden in aufsteigender Linie dargestellt, die Nachfahren in absteigender. Werden auch Hintergründe ermittelt, so spricht man von einer Familiengeschichts-Forschung, Computer-Genealogie ist die Unterstützung dieser Forschung mit IT, genealogische Symbole und Abkürzungen finden sich in Genealogische Zeichen
  9.   zu einem quantitativen Ansatz in der Genealogie vgl. Hermann Athen: Theoretische Genealogie
  10.   auch zur Persönlichkeits-Analyse, vgl. Helmut Johnson (1995): Das Genogramm in der systemischen Persönlichkeitsanalyse
  11.   Zur medizinischen Anwendung (z. B. Ermittlung des Krebsrisikos, Erbkrankheiten, …) vgl. Jolly W. u.a. The genogram , John F. Butler: The Family Diagram and Genogramm, auch das Genogrammblatt der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, incl. Erläuterungen
  12. wie Jan Gramm (Erläuterungen) betont
  13.   „In der Welt Systeme zu unterscheiden dient unserer Orientierung. Wir schaffen uns damit eine Landkarte. Aber der dort eingezeichnete Berg könnte auch ganz anders gezeichnet werden. Wir dürfen ihn nicht mit dem tatsächlichen Berg verwechseln. Die Karte ist nicht die Landschaft; und sie ist nur so lange gut, wie sie uns erfolgreich bei der Orientierung hilft“ – Fryszer A & Schwing R (2006): Systemisches Handwerk. Werkzeug für die Praxis. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 23.
  14.   Robert L. Beck: The genogram as process
  15.   Eine Übersicht bietet z. B. in Nebraska DHHS: The Basic Genogram Symbols
  16.   Die Grenze zwischen hard und soft facts ist fließend
  17. John Bradshaw: Familiengeheimnisse: warum es sich lohnt, ihnen auf die Spur zu kommen, S. 26
  18.    John Bradshaw: Familiengeheimnisse: warum es sich lohnt, ihnen auf die Spur zu kommen
  19.   Hinweise gibt es auch im Internet:  Einfache und verständliche Tipps finden sich in einem Beitrag: Ein Genogramm erstellen.
    Auch im Beitrag Familiengenogramm, bei dem eine spezifische Software verwendet wird, finden sich nützlich Hinweise.
  20.   Anregungen dazu erhielt ich u.a. aus Hintermann: Anleitungen, Dams: Familien-Genogramme 
  21. Emotionsforscher berichten von  Basisemotionen (Grundgefühlen, Primäraffekten), die kulturunabhängig erkannt werden: Ekman fand 6 Basisemotionen: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung (Paul Ekman: Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren, Spectrum, Heidelberg 2010, vgl. auch seine homepage),  Dornes fand 9 Basisemotionen: Freude, Interesse-Neugier, Überraschung, Ekel, Ärger, Traurigkeit, Furcht, Scham und Schuld (Martin Dornes (1995): Gedanken zur frühen Entwicklung und ihre Bedeutung für die Neurosenpsychologie. In: Forum der Psychoanalyse 11, S. 27–49.) Interessant auch die Dissertation von Sandra Miner: Die Basisemotion Ekel, netter Artikel auch in der ‚Die Welt
  22. Eine große Zahl von Hinsweisen auf englisch-sprachiger Software zu Genogrammen und ähnlichen Instrumenten befindet sich in ‚An Alphabetic List of Genetic Analysis Software
  23.    Vgl. die Publikationen der Sektion ‚Soziologische Netzwerkforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
  24.   detailliertere Informationen in Sozialpolitik aktuell, destatis 
 

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