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Voller (deutschsprachiger und Original-)Titel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Nicht nur der Titel des Films ist ungewöhnlich, auch der Film selbst.

Eine starke Mutter fordert die Polizei heraus, die Ermordung ihrer Tochter endlich aufzuklären.

Der Plot

Three Billboards – Kinoposter

Die drei Plakatwände stehen im Zentrum des Films. Sie symbolisieren Widerstand. Widerstand gegen die Staatsgewalt, ausgeführt von der  alleinerziehenden Mutter Mildred Hayes (Frances McDormand) in einer fiktiven Kleinstadt in Missouri. Deren Tochter Angela wurde vor sieben Monaten nach einer brutalen Vergewaltigung getötet. Sie ist noch immer sehr verletzt und wütend. Sheriff  Bill Willoughby (Woody Harrelsen) hat bisher wenig zur Aufklärung des Falls unternommen. Da kommt die Mutter auf die provokante Idee, drei große, alte und leere Reklametafeln am Ortsausgang zu reaktivieren. Sie mietet diese für ein Jahr, um  dort Slogans anzubringen, die die Einwohner auf diesen Missstand aufmerksam machen. Auch eine regionale Fernsehstation berichtet über dieses Ereignis, was die Bekanntheit der Aktion drastisch erhöht. Der Text der Plakate

  • „Raped While Dying“
  • „Still No Arrests?“
  • „How come, Chief Willoughby?“

Der Sheriff, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet und bald sterben wird, fühlt sich durch diese Billboards ungerechtfertigterweise angegriffen, ebenso – und zwar noch stärker –  sein Deputy, Officer Jason Dixon (Sam Rockwell). Dieser ist rassistisch geprägt. Beide wollen dieser Aktion mit Gewalt ein Ende setzen und die Billboards zum Verschwinden bringen. Der  Hilfssheriff startet einen persönlichen Rachefeldzug gegen Mildred und ihre Freunde.

Die Mutter (Mildred) fordert die örtliche Polizei (Hilfssheriff Dixon) heraus – auf Augenhöhe

Das ganze Dorf ist in Unruhe, viele wollen die Mutter davon abbringen, sich für die Aufklärung des Mords und der Vergewaltigung ihrer Tochter einzusetzen, auch der Pfarrer der Stadt. Mildred sieht sich eine Phalanx von Gegnern gegenüber  incl. ihrem Sohne Robbie der die Mutter als peinlich empfindet und ihrem Ex-Ehemann Charlie, der sie für eine junge, 19 Jährige (Penelope) verlassen hat. Obwohl alle gegen sie sind, gibt sie nicht auf, im Gegenteil, sie zeigt ihren Gegnern die Zähne, dabei erkennt man auch ihre destruktiven Anteile: Dem Zahnarzt z. B., der sie angezeigt hatte, durchbohrt sie mit seinem eigenen Bohrer einen Fingernagel.

Im Weiteren entsteht eine weitere spannende Ereignisfolge, die von den Charakteren der Protagonisten geprägt ist: Vom Mut der Mutter, für die Aufklärung des Falls einzutreten, die aber auch ihre dunklen, gewalttätigen Seiten zeigt, vom Widerwillen des Sheriff, sich Arbeit für die Aufklärung aufzulasten, aber auch von seinem Verständnis für die Aktionen der Mutter. Insgesamt fällt auf, dass alle Charaktere nicht in Schwarz-Weiß, sondern sehr realistisch mit ihren positiven und negativen Merkmalen dargestellt werden.

Mildred will den Sheriff Bill Willoughby dazu bewegen, die Ermittlungen zur Ermordung ihrer Tochter wieder aufzunehmen.

Im Zentrum der Ereignisse kämpft eine starke, mutige Frau im Kampf um ihre Rechte. Der Film zeigt sie mit all ihren Stärken und Schwächen, mit ihren hellen, bewundernswerten, aber auch mit ihren dunklen Seiten und auch mit den negativen Auswirkungen, vor allem auf das Familien-Leben.

Die Dynamik des Films ist dramatisch mit traurigen, gemischt mit Schuldgefühlen, Angst und Schmerz. Der Film hat aber auch witzige Elemente.

Der Ausgang der Ereignisse bleibt am Ende offen. Der Film bekommt sehr gute Kritiken.1 2

Cast und Daten

Als sie mit einer Fruchtsaft-Flasche beworfen wird, weicht Mildred auch vor körperlichen Attacken nicht zurück.

Der schwarzhumorige3 Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen, incl. 2 Oscars für beste Schauspielerin und bester Nebendarsteller (Frances McDormand, Woody Harrelson) und fünf Oscar-Nominierungen (u.a. Bester Film), weiters 4 Golden Globe Awards und 2 Nominierungen.

  • USA, GB 2017, 116 Min.
  • Regie und Drehbuch: Marin McDonagh4
  • Drama, schwarze Komödie
  • ——-
  • Frances McDormand: Mildred Hayes, Mutter, Protagonistin (Vgl. „Wonder Boys“)
  • Woody Harrelson: Sheriff Bill Willoughby (Vgl. z. B. „Sieben Leben“)
  • Sam Rockwell: Officer Jason Dixon, Stellvertreter des Sheriff, Hilfssheriff, unreifer Muttersohn mit Gewalt-Thema
  • John Hawkes: Charlie Hayes, Ex-Ehemann von Mildred, feiger Kerl
  • Peter Dinklage: James, kleinwüchsiger Bekannter / Freund / Verehrer von Mildred, hilft ihr gegenüber der Polizei
  • Lucas Hedges: Robbie Hayes, Mildreds Sohn
  • Abbie Cornish: Anne Willoughby, Sheriff Bill Willoughby’s Frau
  • Caleb Landry Jones: Red Welby, Werbevermittler
  • Kerry Condon: Pamela, Reds Sekretärin
  • Clarke Peters: Sheriff Abercrombie
  • Samara Weaving: Penelope, Partnerin / Geliebte des Ex-Ehemannes
  • Kathryn Newton: Angela Hayes
  • Željko Ivanek: Polizeisergeant
  • Sandy Martin: Mama Dixon
  • Brendan Sexton III: der Verdächtige
  • Nick Searcy: Father Montgomery, Gemeinde-Pfarrer
  • Amanda Warren: Denise, Mildreds Kollegin und Freundin
  • Darrell Britt-Gibson: Jerome
  • Malaya Drew: Gabriella, Fernsehreporterin
  • Jerry Winsett: Zahnarzt Geoffrey

Kurzinterpretation als Entwicklungs-Film

Enwicklungs-Themen

Auch in der Familie bekommt sie keine Unterstützung – hier mit Sohn und Ex-Mann.

Im Film werden unter anderem folgende Entwicklungs-Themen angesprochen, die Entwicklungs-Impulse für eigene Lebens-Themen liefern können.

  • weiblicher Mut, Stärke
  • Verlust, Tod, Tod der Tochter, Vergewaltigung, Mord
  • Suizid, Suizid des Ehemanns, Abschiedsbrief
  • innere Amazone, Kriegerin, für etwas kämpfen, sich wehren, alleine kämpfen
  • Gewalt, Umgang mit Gewalt, persönliche Gewalt, staatliche Gewalt, Gewalt der örtlichen Polizei, Widerstand, Widerstand gegen die Staatsgewalt
  • Familien-Konflikte, Alleinerzieherin, geschieden
  • Gefühle: Trauer, Angst, Schmerz, zerstörerische, kalte Wut, Schuldgefühle
  • Opfer sein
  • Gerechtigkeit fordern
  • Gewalt, Aggression
  • sich beeinflussen lassen
  • langer Atem, trotz Widerstände nicht aufgeben, durchhalten
  • Rache ausüben, von Rache betroffen sein
  • verzeihen
  • Verachtung erleben, ertragen
  • Muttersohn
  • unreif, noch nicht erwachsen
  • Alleinerziehend
  • pubertierender Sohn
  • Ex-Mann mit junger Frau
  • Frauen-Stärke
  • Rache
  • Archetyp Mars: Krieger_in, Mut, Kampf, Aggression, Gewalt, durchsetzen
  • Archetyp Saturn: Durchhalten, beständig, dranbleiben, …
  • Archetyp: Artemis: Unabhängig, weibliche Stärke, Zielorientierung
  • (z. T.) Archetyp Athene: Strategien entwickeln
  • Stärken, helle Seiten der Persönlichkeit
  • Schatten, dunkle Seiten der Persönlichkeit
  • Wut als Teil des Trauer-Prozesses

Entwicklungs-Dynamik

Am Beginn ist Mildred, die Protagonistin in der Krise. Obwohl schon 7 Monate vergangen sind, steckt sie noch mitten im Trauerprozess. Sie hat den Tod ihrer Tochter noch nicht verarbeitet, vor allem auch deswegen, weil man den Täter noch nicht gefunden hat. Sie ist enttäuscht von der Untätigkeit der Polizei, wütend, verbittert. Würde ihr Leben so weitergehen, so wäre es ein verlorenes Leben, ohne Lebens-Qualität, ohne Lebens-Freude. Verloren durch eine nicht bewältigte Krise, ein nicht bewältigtes Trauma.

Wie sieht das Ende aus?

Inzwischen hat sich Einiges ereignet:

  • Der Sheriff hat  aufgrund seiner Krebs-Erkrankung Suizid begangen, vorher Mildred jedoch anonym eine Monatsmiete für ihre Billboardas zukommen lassen.
  • Sein Nachfolger, ein schwarzer externer Polizeichef, hat Dixon, den Hilfssheriff entlassen, weil dieser den Eigentümer der Werbetafeln aus dem Fenster geworfen hat (er hat ihn für den Tod seines verstorbenen Chefs mitverantwortlich gemacht).
  • Dann brennen die Werbetafeln. Mildred ist verzweifelt und macht Dixon dafür verantwortlich.
  • Als Reaktion verübt sie einen einen Molotow-Anschlag auf die vermeintlich leere Polizei-Station und fügt dadurch unbeabsichtigt dem Hilfssheriff Dixon schwere Brandwunden zu. Dixon kommt im Krankenhaus in das Zimmer in dem der Werbemann liegt, den er vorher aus dem Fenster geworfen hatte.
  • Dixon hat in einem Lokal unbeabsichtigt ein Gespräch mit einem Mann belauscht, der sich brüstet, eine Frau vergewaltigt zu haben. Er meint, dies könnte der gesuchte Mörder sein und legt sich mit ihm an, um eine Gewebeprobe von ihm zu bekommen. Es stellt sich jedoch heraus, dass er nicht der Mörder sein kann, weil dieser zur Tatzeit im Ausland war.
  • Trotzdem macht er sich mit Mildredauf den Weg nach Idaho, um diesen Mann für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen und ihn zu töten.

Auf der Fahrt nach Idaho – und das ist die Schluss-Szene – geben sie dieses Vorhaben jedoch auf. Es scheint, dass Mildreds Wut –  als Teil des Trauerprozesses – verraucht ist, sie ist gelassener geworden. Sie hat sich mit Dixon ausgesöhnt, vielleicht sogar eine freundschaftliche Beziehung begonnen. Es scheint, als hätte das Leben für sie neu begonnen und den Weg in ein weiteres gelingendes Leben geöffnet.

Selbstreflexion anhand des Films

  • Welche Rollen, Protagonisten waren dir sympathisch / unsympathisch? Warum?
  • Welche Rolle / Person war Dir am ähnlichsten?
  • Mit welchen Rollen / Personen konntest du dich identifizieren?
  • Wen hast du innerlich am stärksten abgelehnt? Warum?
  • Welche Ereignisse, Szenen hatten Parallelen zu Deinem Leben?
  • Welche Entwicklungs-Themen spielen bei dir / deinem Leben derzeit eine Rolle? Wo gibt es Ähnlichkeiten zu deiner Persönlichkeit, deinen Stärken, deinen Schatten-Seiten?
  • Was ist für dich die zentrale Erkenntnis aus dem Film?

Literatur und Links

imdb: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. https://www.imdb.com/title/tt5027774/

filmstarts: Filmkritik zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. http://www.filmstarts.de/kritiken/245010/kritik.html

wikipedia: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. https://de.wikipedia.org/wiki/Three_Billboards_Outside_Ebbing,_Missouri

Brian Brooks: Searchlight Posts ‚Three Billboards‘; The Orchard Has Norway’s ‚Thelma‘ – Specialty B.O. Preview In: deadline.com, 9. November 2017. https://deadline.com/2017/11/searchlight-three-billboards-frances-mcdormand-woody-harrelson-thelma-specialty-box-office-1202205036/

  1. Vgl. z. B. die Kritik in filmstarts: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ heißt das Drama und es ist ein weiteres kleines Wunderwerk der erzählerischen Balance: Tiefer Schmerz und lakonisch-trockener Humor, unerwartete Wendungen und ein organischer Handlungsfluss, Figuren, die sich wandeln und dennoch immer sie selbst bleiben – alle diese Kontraste bringt der Regisseur mehr als überzeugend unter einen Hut und verbindet sie mit der Unterstützung seiner herausragenden Schauspieler zu einem der intensivsten Kinoerlebnisse des Jahres, das mit seinen vorigen Werken mindestens auf einer Stufe steht.“ filmstarts: Filmkritik  
  2.   Fazit in filmstarts: „Fazit: Einer der besten Filme des Jahres! Grandiose Schauspieler und eine vielschichtige, berührende Geschichte, die trotz ihres düsteren Inhalts auch Wärme und Hoffnung ausstrahlt, machen „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ zu einem kleinen Juwel.“     filmstarts: Filmkritik    
  3.   Die folgende Szene ist typisch für den schwarzen Humor: „Als Mildred etwa ihren Sohn zur Schule fährt und einer der anderen Schüler einen Softdrink auf ihre Windschutzscheibe schleudert, springt die ruppige Frau förmlich aus dem Auto und tritt dem Werfer nach kurzem Gespräch zwischen die Beine – und dem neben ihm stehenden, angeblich ahnungslosen Mädchen sicherheitshalber auch. Das kommt derart unerwartet und fühlt sich in dem Moment so richtig an, dass man einfach grinsen muss. Zumal Robbie mit einem lakonischen „Danke, Mom“ der Szene noch das Sahnehäubchen aufsetzt. Mit solchen Details erzeugt McDonagh eine besondere Nähe zu den Figuren und das dabei entstehende Gefühl von fast schon intimer Vertrautheit wird durch die großartigen Schauspieler noch verstärkt.“ aus filmstarts: Filmkritik  
  4.   Marin McDonagh kennen wir z. B. von seiner Regiearbeit im Film: Brügge sehen … und sterben

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