Ein ungezähmtes Leben – Film mit Robert Redford und Morgan Freeman

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Ein Film, der mir besonders am Herzen liegt, ist ein Melodram von Lasse Hallström, einem Regisseur, von dem einige echte Entwicklungsfilme stammen.
Das zentrale Thema des Films ist aus meiner Sicht Schuld und Sühne bzw. Verzeihen/Vergeben-Können. Ich will den Film in diesem Beitrag kurz beschreiben und in einem eigenen Beitrag interpretieren.

In dem Film geht es um zwei Familien(-systeme), die beschädigt sind und deren Personen ein nicht lebenswertes Leben führen und persönlich  beeinträchtigt sind. Insofern passt auch der englische Titel des Films „An unfinished life“ im Sinne eines unerfüllten oder auch ‚ungelebten‘ Lebens. Der deutsche Titel „Ein ungezähmtes Leben“ betont einen anderen wichtigen Aspekt des Films über den Umgang mit der Natur und den natürlichen Instinkten und Trieben und dem Bedürfnis nach Freiheit

Der Film gibt zunächst kurze Einblicke in diese zwei Systeme. Da ist zunächst ein charismatischer Ranchbesitzer und Einsiedler Einar Gilkyson (Robert Redford). Er lebt mit seinem alten Freund Mitch (Morgen Freeman) zusammen. Die Ranch ist außerhalb einer kleinen Stadt in Wyoming. Erst später erfährt man, dass der Grund seines zurückgezogenen Lebens der Tod seines einzigen Sohnes Griffin ist. Das Grab ist auf einem kleinen Hügel auf seiner Ranch. Einar kommt regelmäßig zu diesem Ort und „spricht mit seinem Sohn“, vertraut ihm seine Gedanken und Sorgen an.

Das zweite Familiensystem ist Jean (Jennifer Lopez) und ihre Tochter Griff. Es sind, wie man später erfährt Einars Schwiegertochter und seine Enkelin. Dort herrscht Krisenstimmung. Der Liebhaber, Gary, hat offenbar Jean wieder einmal verprügelt, sie hat ein blaues Auge. Er will sich entschuldigen, sagt, dass es manchmal so über ihn kommt und er sein Verhalten hasst. Als sie nicht sofort die Entschuldigung annimmt, bekommt er wieder einen Wutausbruch, zertrümmert ein Möbelstück, setzt sich ins Auto und rast wütend davon. Jeans Tochter überredet ihre Mutter, ‚abzuhauen‘, was sie mehrmals versprochen hatte und schließlich auch macht. Sie überlegen gemeinsam, wo sie hinfahren sollen, nach Acapulco oder zu einem anderen schönen Ort. Aber die Fahrt endet schnell, der Wagen geht ein, Motorschaden. Und Jean wird klar, dass sie ohne Geld nicht weit kommen wird. Sie schlagen sich schließlich durch, nach Wyoming, zum Schwiegervater / Großvater der Kleinen, die bisher gar nicht wusste, dass sie noch einen Großvater hat.

Dort wird sie mürrisch und abweisend empfangen: „Ich will dich hier nicht haben“: Als sie ihn bittet, sie nur für ein Monat mit ihrer Tochter aufzunehmen, damit sie Geld für die Weiterfahrt verdienen kann, willigt er schließlich ein und stellt ihre ein Gerümpelkammer zur Verfügung, die sie bewohnbar macht.

Am nächsten Morgen sucht sich Jean eine Stelle als Kellnerin in der nahe gelegenen Kleinstadt – in der Stammkneipe von Einar. Einar hat offenbar eine freundschaftliche Beziehung zur einheimischen Kellnerin dort und Einar zeigt hier einige positive Seiten seiner Persönlichkeit. Er kommuniziert freundlich mit der Kellnerin und steht ihr mutig zur Seite, als sie von einigen Männer bedroht und sexuell belästigt wird. Jean freundet sich mit der Kellnerin an und auch mit dem Sheriff des Ortes, der offenbar ein Auge auf sie geworfen hat.

Da Jean und Einar im Dorf sind, ist Griff, die Enkelin mit Mitch dem Freund von  Einar, der behindert ist und von ihm gepflegt wird, alleine. Mitch lebt in einem kleinen Holzhaus neben dem Wohnhaus von Einar. Griff bringt ihm ein Sandwich und ein Glas Milch, ein Auftrag, den sie von Einar bekommen hatte. Mitch ist nett zu ihr und erzählt ihr einiges vom Leben auf der Ranch und von einem weiteren „Familienmitglied“, einen Bären, der die Ranch wieder einmal in letzter Nacht besucht hatte und Spuren hinterlassen hat.

In diesem Gespräch und in Gesprächen erfährt man einige Hintergründe und die Familiengeschichte.

  • Einars Sohn Griffin ist bei einem Autounfall vor ca. 10 Jahren ums Leben gekommen. Den Wagen hat Jean gelenkt. Sie ist am Steuer eingeschlafen. Einar gibt ihr die Schuld für den Tod des Sohnes. „Sie hat meinen Sohn umgebracht. „Nach der Beerdigung seines Sohnes hat sich Einar ‚vom Leben zurückgezogen‘, wurde mürrisch und ungenießbar.
  • Einars Frau hat ihn daraufhin verlassen und lebt jetzt mit einem anderen Man in Colorado.
  • Einar musste seine Rinder (bis auf eine Kuh) verkaufen, um die Ranch ohne seinen Sohn und seine Frau erhalten zu können.
  • Die Behinderung / Verletzung von Mitch stammt vom Angriff eines Bären. Einar konnte ihm nicht helfen, weil er voll betrunken war. Seither hat Einar dem Alkohol abgeschworen. Ein volle Schnapsflasche im Haus, die Einar seit langem unangerührt ließ, erinnert an diesen Vorfall. Mitch erklärt Griff, dass das nicht die Schuld des Bären, sondern seine ‚Natur‘ ist.

Zwischendurch gibt es Streitgespräche und Auseinandersetzungen von Einar mit allen.

  • Einar herrscht Griff an, sie soll vom Bau herunterkommen, offenbar war es der Kletterbaum seines Sohnes.
  • Einar macht Jean Vorwürfe, als sie beim Kochen einen Teller zerbricht.
  • Jean erklärt ein einem Streitgespräch Einar, wie es zum Unfall gekommen ist und dass sie sich täglich selbst Vorwürfe macht. Am nächsten Tag zieht sie mit ihrer Tochter zur Lokalbesitzerin, bei der sie arbeitet.
  • Mitch macht Einar klar, dass er endlich mit dem Schuld-Geben aufhören soll.

Einige zusätzliche Handlungen machen den Film dynamisch und spannend.

  • Es entwickelt sich ein erotisches Verhältnis zwischen Jean und Crane, dem Sheriff. Sie sagt, sie will sich nicht wieder verlieben.
  • Gary, der Ex-Liebhaber kommt ins Dorf, will Jean zurückholen. Einar entdeckt seine Fußspuren und zurückgelassene Zigarettenstummel. Er wird zuerst von Einar und dem Sheriff aus dem Dorf gejagt, kommt jedoch später wieder und bedroht Jean, schlägt sie, will Griff als Geisel mitnehmen und wird schließlich von Einar zusammengeschlagen und ‚per Bus zurück transportiert‘.
  • Einar will den Bären, der Mitch so arg verletzt hat, erlegen – weil er eine Bedrohung ist. Doch Tierfänger kommen ihm zuvor, fangen ihn lebend und bringen ihn in den Zoo des Dorfes.
    Später verlangt Mitch, dass Einar ihm zusätzliches Futter bringt: Fleisch mit Honig. Später will Mitch den Bären besuchen und verlangt anschließend, das Einar ihn befreit, vor allem auch, weil der Käfig viel zu klein ist und der Bär dort nicht hingehört.
    Einar befreit den Bären mithilfe seiner Enkelin, doch ihr passiert ein Missgeschick, sie betätigt aus Versehen den Schalthebel, der Wagen kommt ins Rollen, der Bär kann entkommen.
    Der Bär begegnet Mitch. Dieser bleibt unerschrocken stehen, sieht dem Bären in die Augen, der Bär vertrollt sich. Es ist wie ein nonverbales Frieden Schließen und ein Abschied-Nehmen
  • Mitch muss wegen seiner Verletzung regelmäßig eine Spritze  von Einar bekommen. Als Einar in der Stadt ist, kommt Mitch in eine lebensbedrohende Krise, braucht dringend eine Spritze. Griff gibt sie ihm. Jean bekommt später dafür Lob und Anerkennung von Einar. „Das hast du gut gemacht.“

Einige Veränderungen im Verhalten zeigen Entwicklung im Laufe des Filmes

  • Aussprache mit Jean ist zuerst mit Vorwürfen gespickt, dann geht er jedoch zum Grab seines Sohnes und erzählt ihm, er habe versucht ihre zu Verzeihen, aber es ist ihm noch nicht gelungen. „Vergeben ist nicht mein Ding.“ Dabei trinkt er die Flasche Schnaps, die er seit langem nicht angerührt hatte.
  • Einar akzeptiert, dass Griff auf dem Kletterbaum seines Sohnes sitzt, quasi symbolisch seinen Platz einnimmt.
  • Einar gibt Griff Aufgaben auf der Ranch, lernt ihr Reiten, Auto-Reparieren und Autofahren
  • Einar geht mit seiner Enkelin zum Grab ihres Vater und erzählt ihr von ihm.
  • Einar zu Griff, nachdem der Bär entkommen ist: „Es war nicht deine Schuld. Es war ein Unfall. Du hast alles richtig gemacht, so wie es dein Vater getan hätte.“
  • Gespräche mit Mitch: z. B.
    Einar „Es ist egal wie man es nimmt, mein Sohn ist tot“ Antwort von Mitch: „Deine Enkelin nicht. Und du auch nicht“
    oder Mitch „Ich kann nicht zusehen, wie du einem Leben nachtrauerst, das du deiner Meinung nach hättest leben sollen.“

Entwicklungsanregungen

  • Jean schließt Freundschaft mit der Lokalbesitzerin und mit dem Sheriff
  • Offene Worte von Griff zu Einar: „Gery, der sagte immer nur schlimme Wörter, so wie du“
  • Träume von Mitch, Traumbesprechungen, z. B.: Traum vom Meer, „du bist nicht mehr so ekelig“, am Ende: Traum, über die Ranch zu fliegen, …
  • Selbstreflexion, dargestellt als Gespräche von Einar mit dem Sohn an seinem Grab.
  • Einladung von Einar an Jean und Griff: „Griff könnte hier zur Schule gehen.“
  • Einar erzählt Jean, dass ihre Tochter großartig ist und das sie sie gut ‚erzogen‘ hat. Lädt sie ein, wieder auf der Ranch zu wohnen.
  • Am Anfang sagt Einar, dass die Tiere von ihm nicht unterschieden werden und keinen Namen haben. Am Ende haben sie alle einen Namen.
  • Einar bietet Mitch an, in seinem Familiengrab begraben zu werden.
  • Griff kehrt nach dem Auszug mit ihrer Mutter wieder zu Einar zurück und wird dort als Familienmitglied mit Rechten („Ich habe Hunger.“) und Pflichten („Machenw ir uns an die Arbeit“) aufgenommen.
 

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