Verhaltensformel von Lewin

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Kurt Lewin ist einer der ‚Urväter‘ der Sozial- und Organisations-Psychologie und auch der Gastalttherapie. Ein zentrales Element seiner psychologischen Feldtheorie1 ist eine Formel für menschliches Verhalten.

Die Verhaltensformel

Die Verhaltensformel von Kurz Lewin besagt:

Kurt Lewin, ein Klassiker der Sozial- und Organisations-Psychologie

V = f (P, U)

Verbal ausgedrückt heißt dies: Das Verhalten einer Person ist abhängig (eine Funktion) von der Person selbst (seinen Merkmalen) und dem Umfeld bzw. den (anziehenden und abstoßenden) ‚Feldkräften‘2 des Umfelds.

Wie sich also beispielsweise ein Mitarbeiter verhält ist einerseits von der Person dieses Mitarbeiters, seiner Persönlichkeit, seinen Motiven und Interessen, seiner Vorbildung, seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten usw. abhängig, aber auch von seinem Umfeld. Zum Umfeld gehören z. B. die Arbeitsinhalte, die Führungskraft, die Kollegen und Kolleginnen, die Mitarbeiter (wenn sie welche hat), das Klima und die Kultur des Unternehmens, der Organisationsstruktur usw.

Die Gesamtheit aller Faktoren nennt Lewin den Lebensraum. Das Verhalten einer Person hängt also vom Lebensraum ab und dieser wiederum von der Person und dem psychologisch relevanten Umfeld. Person und Umfeld stehen in gegenseitiger Abhängigkeit und schaffen ein soziales Feld, den Lebensraum.

Differenzierung der Faktoren

Bei der Person wird vielfach unterschieden in kognitive Faktoren (dem Können der Person, seinen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Erfahrungen, …) und motivationalen Faktoren bzw. dem Wollen dieser Person (Bedürfnissen, Motiven, Zielen, Interessen, Stimmungen, …) unterschieden.

Bei der Umwelt gibt es mehrere Strukturierungs-Möglichkeiten, z. B. der Arbeitsinhalt einerseits und das Arbeitsumfeld (incl. dem sozialen Umfeld) andererseits. Rosenstiel 3  unterscheidet das Soziale Dürfen (Regeln, Normen, Unternehmenskultur, …) und die Situative Ermöglichung (manchmal auch als ’situativer Kontext‘ oder  ‚Infrastruktur‘ bezeichnet, das sind die hard facts, z. B. organisatorische Rahmenbedingungen, technische Infrastruktur, Anreizstrukturen, Führungsstil, … ) als Einflussfaktoren des Umfelds.

Verhaltensänderung

Im Führungskontext wird oft über Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Verhalten von Mitarbeitern Bezug genommen. Auf die Person selbst sind nur sehr beschränkt Veränderungsmöglichkeiten möglich. Am ehesten noch bei den kognitiven Faktoren (dem Können) – durch Ausbildungs- bzw. Personalentwicklungsmaßnahmen. Was aber immer möglich ist, ist die Gestaltung des Umfelds. z. B. die Aufgabenverteilung (Arbeitsinhalte), das Anreizsystem, das soziale Dürfen, nicht zuletzt das Verhalten der Führungskraft selbst. Das wird sehr häufig von den Führungskräften unterschätzt oder gar nicht in Betracht gezogen. Dazu passt gut ein Spruch, den ein Kollege häufig zu mir sagte: „Einer von uns beiden muss sich ändern, ………. am besten Du. 🙂4

.

 

 

 

  1. Vgl. Kurt Lewin: Feldtheorie in den Sozialwissenschaften. Bern 1963. Diese Feldtheroe begründete völlig neue Denkweisen in der Sozialpsychogie. Lewin bezeichnete dies als einen Übergang von der aristotlischen zur galileischen Denkweise in der Psychologie.
  2. vgl. Neumann, Kurt Lewin;  Zur Erforschung der Feldkräfte in der experimentellen Sozialpsychologie vgl. Lewin, Experimentelle Willenspsychologie
  3. von Rosenstiel, L., Nerdinger, F. W., Spieß, E. & Stengel, M. (1989). Führungsnachwuchs im Unternehmen. Wertkonflikte zwischen Individuum und Organisation. München: Beck.
  4. Ich danke Harry Allabauer für diesen Spruch.
 

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