Die Schwägerin in Familien-Unternehmen

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Die Schwägerin hat generelle einen schweren Stand in Familien-Systemen. Man braucht nur die häufigsten Suchanfragen für Schwägerin zu betrachten, um zu erkennen wie viel es ‚für Schwägerinnen geschlagen‘ hat.

  • Konflikt Schwägerin
  • schlechtes Verhältnis zur Schwägerin
  • meine Schwägerin mag mich nicht
  • Problem Schwägerin
  • Schwägerin mischt sich in alles ein
  • hinterhältige schwägerin
  • Schwägerin hetzt gegen mich
  • meine Schwägerin ist eifersüchtig

Schwägerinnen werden als das Element gesehen, das Schwierigkeiten und Störungen in das Familiensystem bringt. Es ist etwas Fremdes, das ins Familiensystem kommt und dieses Frmede wird als störend, beeinträchtigend, harmonie-störend erlebt und oft isoliert. Man will damit möglichst nichts zu tun haben. Sie soll  sich gefälligst anpassen an die Normen und Regeln der Familie.

Besonders störend ist das Fremde der Schwägerin, wenn diese im Familien-Subsystem eine dominante Rolle spielt.

Ein konkreter Fall: Die böse Schwägerin

Eine Unternehmerfamilie besteht aus Vater, Mutter und (in der Geschwister-Reihenfolge): Sohn 1, Sohn 2 und Tochter. Deren Familien wollen wir als Familie A, B, C bezeichnen. Die Eltern sind in den  60ern, die Kinder in den späten 30-ern, frühen 40-ern. Die Eltern haben die Absicht, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen und den beiden Söhnen zu übergeben (die Tochter ist anderweitig beschäftigt und hat kein Interesse an einer Beteiligung am Unternehmen). Es sind erst Vorgespräche darüber geführt worden, die konkrete Planung fehlt noch. Die Thematik der Übergabe / Übernahme wird hier nicht weiter vertieft.

Wir wollen das Familiensystem aus der Sicht des Sohnes 2 betrachten. Er schildert als Klient seine Sicht des Familiensystems. Er ist also Sohn 2 hat Familie B: Er ist schwul und hat einen jüngeren Mann, den er sehr liebt.

Die Tochter und ihr Mann (der Schwager, Familie C) sind glücklich verheiratet, haben zwei kleine Kinder, Söhne und hatten eine Totgeburt (zwischen den Geburten ihrer beiden Kinder). Sie halten sich aus dem Familien-Unternehmen weitgehend heraus.

Der Klient schildert die Familie A: Sein älterer Bruder wird von ihm als „passiv“ beschrieben. Er hatte nicht sehr viel Glück bei Frauen. Seine frühere Freundin hatte 3 Abtreibungen, seine derzeitige Frau stammt aus Russland und ist sehr aktiv und dominant in ihrer Familie. Die Eltern des Klienten und der Rest der Familie hatte Bedenken bezüglich der Verbindung mit des Bruders mit dieser Frau.  Sie ist also „die Schwägerin“ des Klienten. Beide haben 3 Kinder: Sohn 1, Sohn 2 und Tochter. Die Schwägerin wünschte sich immer eine Tochter. Doch es kamen zuerst 2 Söhne und schließlich die geliebte Tochter. Der älteste Sohn ist wie sein Vater eher passiv und ist Paten-Sohn des Klienten. Der 2. Sohn ist sehr lebendig, aktiv, hat seinem älteren Bruder die Freunde ausgespannt. Die Tochter ist der Liebling seiner Schwägerin.

Das Anliegen des Klienten ist folgendes: Er ist Taufpate (Pate, Paten-Onkel) des ältesten Sohns seines Bruders und fühlt für ihn eine besondere Verantwortung. Sein Paten-Sohn wird (aus seiner Sicht) von der Schwägerin sehr ungerecht behandelt, oft beschimpft und bekommt in der Regel viel weniger Geschenke als seine Geschwister. Er hat keine Freunde, hat Probleme in der Schule und macht einen unglücklichen Eindruck. Dem Paten-Onkel tut  dieses Kind leid und er möchte wissen, was er tun kann, um die Lage des Kleinen zu verbessern.

Bisherige Ratgeber hatten ihm geraten,

  • seinen Paten-Sohn zu unterstützen, mit ihm öfter etwas zu unternehmen, ihm Geschenke zu machen, um die Ungerechtigkeit auszugleichen,
  • mit dem Bruder zu reden, ihm die Situation aufzuzeigen, damit dieser korrigierende Maßnahmen einleiten kann,
  •  mit der Schwägerin zu reden, um ihr die Situation klar zu machen und so einen Bewusstseins-Wandel bei ihr einzuleiten.

Bisherige Aktivitäten in diese Richtung, vor allem ein Gespräch mit dem Bruder hätten aber nichts gebracht bzw. die Situation sogar verschlechtert. Also: Was tun?

Perspektivenwechsel

Um eine alternative Vorgangsweise zu entwickeln, wechseln wir die Perspektive.

Wie könnte die Sichtweise der Schwägerin sein.  Sie kommt aus einer anderen Kultur und erfährt mit ihren Sichtweisen, Normen und Werten weitgehend Ablehnung oder zumindest Skepsis in der Familie, die sie vermutlich frustriert. Da die ältesten Kinder oft (unbewusst) als Vertreter des Familien-Systems angesehen werden, ist es gut möglich, dass die Wahrnehmung des Klienten stimmt und  der älteste Sohn tatsächlich von seiner Mutter ungerecht behandelt wird.

Es könnte ein negativer Kreislauf (Teufelskreis) entstanden sein.

1. Die Schwägerin fühlt sich vom Familiensystem ihres Mannes aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihres dominanten Verhaltens vom Familiensystem abgelehnt und entwickelt eine negative Einstellung zu diesem System und vor allem auch zu ihrem ältesten Sohn als einem VErtreter dieses Systems.

2. Sie behandelt daher ihren ältesten Sohn als strenge Mutter und bevorzugt ihre anderen Kinder.

3. Dies bestärkt das Familiensystem, vor allem die Eltern in ihrer kritischen Einstellung zur Schwiegertochter bzw. Schwägerin und verstärkt diese Einstellung.

4. Das Familien-System schließt die Schwieger-Tochter / Schwägerin aus wichtigen Familien-En tscheidungen aus, beteiligt sie nicht daran, fragt nicht nach ihrer Meinung und behandelt sie abwertend.

5. Das wiederum verstärkt die Einstellung der Schwägerin und ihre Einstellungen – siehe 1. usw. usw.

Will man die Situation  des benachteiligten Kindes verbessern, so müsste man ‚paradox‘ 1 intervenieren. Man müsst die Situation der Schwägerin verbesseren, versuchen, ihre Sichtweise und ihre Probleme zu verstehen und Aktionen setzen, die ihre Stellung in der Familie verbessern. Ihre bessere Stellung in der Familie könnte dazu führen, dass sie entspannter wird, sich ihre Einstellung zu Familie verbessert und dadurch auch die Einstellung zu ihrem ältesten Sohn.

  1. paradox aus der Sicht des Familien-Systems

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