Jenseits von Afrika

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Jenseits von Afrika – DVD

Maryl Streep – Robert Redford – Klaus Maria Brandauer – eine tiefgründigere Dreiecks-Beziehung, eine fataleres Dreiecks-Drama kann ich mir kaum vorstellen.  C. G. Jung und die Analytische Psychologie postulieren (frei formuliert), dass Archetypen in uns leben, tiefgründige Teile unserer Persönlichkeit. [vgl. ] Lässt man sie an die Oberfläche schweben, dann entsteht ein Film 1, wie Jenseits von Afrika, ein Film mit zahlreichen Auszeichnungen.

Plot

Den Plot des Films kann man sich sparen, fast jeder kennt den Film. Viele erahnen jedoch nur, warum er eine so starke Wirkung entwickelt.

Marilyn Streep  spielt Karen2, eine dänische Baronesse aus reichem Hause, erlebt eine leidenschaftliche Liebe mit Denys, einem freiheits-liebenden Großwild-Jänger, gespielt von Robert Redford. Der Dritte im Bunde ist (ursprünglich) Denys Freund Bror, Baron und gleichzeitig Karens Cousin und Ehemann. Die Ehe ist eine arrangierte Zweckehe. Er ist verarmt und erfolglos, aber  bringt einen Adelstitel in die Ehe ein. Sie stammt aus vermögender Familie.

Karen und Denys auf Safarijagd

Die Geschichte ist eine wahre, aber angepasste Biographie von Karen Blixen und ihrem Ehemenn Bror von Blixen-Finecke,die 1913 nach Kenja auswanderten. Bror reist vor, um – in der Tradition von Karens Familie – eine Molkerei zu erwerben. Als sie dort ankommt wird sie nicht von ihrem Mann empfangen sondern seinem Freund Denys. Es ist eine eher flüchtige Begegnung aber es ‚knistert‘ bereits. Ihr Mann ist auf einer Jagd und hat es nicht der Mühe Wert gefunden, sie vom Flugplatz abzuholen. Sie erfährt, dass er mit ihrem Geld ohne Absprache eine Kaffee-Plantage gekauft hatte. und er hat wenig Motivation, sich im Betrieb zu engagieren, die Großwild-Jagd ist ihm wichtiger. Trotzdem entwickeln die beiden Ehepartner jedoch eine gewisse Zuneigung zueinander, was ihn nicht an Seitensprüngen hindert.

Als Karen entdeckt, dass sie sich – vermutlich durch ihren Mann mit Syphilis infiziert hat, reist sie zurück nach Dänemark, kehrt jedoch nach ihrer Genesung nach Afrika zurück. Anders als andere Kolonial-Herren und ‚Herrinnen‘ pflegt sie zu den einheimischen Arbeiter_innen auf der Plantage eine wertschätzende Beziehung. Doch von ihrem Mann ist sie entfremdet und sie trennt sich von ihm und beginnt eine Beziehung zu Denys. Seine freiheitsliebende, Abenteurer-Natur, die Parallelen zu afrikanischen Wildtieren aufweist, zieht sie an und lässt die beiden leidenschaftliche Begegnungen erleben.

Doch sie will mehr, sie will ihn besitzen und ändern,  ihn ‚zähmen‘ und enger an sich zu binden. Sie versucht, ihn zu einer Ehe und zu einem Leben auf der Plantage zu überreden. Er versucht ihr klar zu machen, dass das gegen seine Natur ist. Die Dialoge im Film sind einzigartig. Schließlich bittet sie ihn bzw. fordert ihn auf, die Plantage zu verlassen. Er akzeptiert, verlässt sie. Als jedoch kurze Zeit später  die Plantage in Flammen steht und die gesamte Ernte vernichtet, bietet er ihr Hilfe an.

Sie sieht sich jedoch gezwungen, durch die Vernichtung ihres Vermögens nach Dänemark zurückzukehren. Kurz vor der Abfahrt trifft sie ihren Ex-Mann, der ihr mitteilt, dass Denys abgestürzt und tot ist. Sie organisiert sein Begräbnis. Er wird in der Wildnis, in der Steppe begraben unter einem prächtigen, alleinstehenden Baum. Später finden Löwen dort ihren Rastplatz. Sie kehrt nach Europa zurück.

Archetypische Interpretations-Hinweise

Wie stellt sich dieser Film aus dem Hintergrund der Archetypen, der wirksamen tiefenpsychologischen Anteile interpretieren.

Zunächst ist „Jenseits von Afrika“ für mich kein expliziter Entwicklungs-Film. Es finden zwar Entwicklungen in den Protagonisten statt, aber es ist nicht so, dass ein oder mehrere Protagonisten von einem relativ unentwickelten Ausgangspunkt sich hin zu einer klar authentischeren Person oder einem klar authentischem Leben entwickeln.

Entwicklungs-Anteile zeigen sich

  • bei Karen und Denys, die eine leidenschaftliche Liebe erleben, die sie vermutlich vorher noch nie erlebt hatten. Das entwickelt die Archetypen der inneren Geliebten und des inneren Liebhabers.
  • Karen entwickelt Mut und Stärke, als sie unerwartet in der Steppe von Löwen angegriffen wird. Das entwickelt die innere Kriegerin.
  • Sie zeigt auch Mut, wie Denys ihr anbietet, zu ihm in ein (offenes) Zweisitzer-Flugzeug zu steigen. Mut und Vertrauen zeigt sie, wie sie erstaunt ist und Denys fragt: „Ich wusste nicht, dass du fliegen kannst. Wann hast du das gelernt? Er: „Gestern“. Sie kann das luftige Freiheitsgefühl genießen, über die afrikanische Landschaft zu gleiten.
  • Beeindruckend ist auch wie Bror konstruktiv und freundschaftlich mit der Situation umgeht, dass seine Frau bzw. später Ex-Frau eine Affäre mit seinem (besten) Freund hat – lustig auch die Szene, als Bror erfährt, dass seine Frau mit Denys eine Beziehung hat: Bror: „Du hättest fragen können.“ Denys: „Das habe ich getan. Sie hat ja gesagt.“
  • Ebenso beeindruckend ist, wie Denys, obwohl er von Karen weggeschickt wird, sofort zurückkommt und ihr Hilfe anbietet, als ihr Gut abbrennt.

Entwicklungsanteile sind also durchaus erlebbar. ABer es ist nicht so, dass ein oder mehrere Heldinnen am Ende auf einer neuen Entwicklungsstufe weiterleben:

  • Karen hat Hab und Gut und ihren Geliebten verloren und reist zurück in eine ungewisse Zukunft in Europa.
  • Denys kommt bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben.
  • Und Bror wird vermutlich sein unstetes Leben in der Steppe Afrikas weiterleben.

Trotzdem sind, wie bereits angedeutet die Aktivierung einiger archetypischer Persönlichkeits-Anteile sehr beeindruckend erlebbar:

  • Karen zeigt zu Beginn des Films eher die weiblichen merkurischen Elemente. Es sind Elemente, die man in der psychologischen Astrologie der Jungfrau zuschreibt, was auch für ihren Entwicklungs-Stand entspricht: Nicht mehr Mädchen, noch nicht ganz Frau.
    Auch als sie in der Plantage ankommt und bemerkt, dass sich Bror nicht für die Plantage engagiert, zeigt sie die ordnende gestalterische Kraft der archetypischen Jungfrau, die besonders in Krisen-Zeiten aufblüht..
  • In der Entwicklung der leidenschaftlichen Begegnung von Karen und Denys enwickeln beide ihre Venus-Archetypen, den Archetyp der Liebe und genießenden Sinnesfreude.
  • Als Denys bei ihre einzieht, entwickelt Karen erwacht Hera in ihr. Dieser Archetyp sehnt sich nach einer fixen Zweisamkeit. In einer negativen, unerlösten Version nähert er sich dem „Haben-Modus“, sie will ihn fix an sich binden, will ihn haben.
  • Denys verkörpert am Anfang den sonnigen Helden (Sonne- / Helios- / Apollo-Archetyp). Er braucht nicht viel zu tun, er wirkt durch sein Erscheinen.
  • Später treten Denys luftige, freiheitsliebende Anteile in den Vordergrund, uranische Archetypen. Es tritt zu Beginn stärker durch das positive Eeleben von Freiheit, z. B. in der Luft mit dem Flugzeug. Wenn dann die fixierenden Hera-Ansprüche an ihn gestellt werden, wirkt dieses uranische Verhalten mehr als Flucht vor der fixen Bindung und weniger als Genießen der Freiheit. Das Drang nach ständigem Unterwegs-Sein lässt auch (ungebundene) Merkur-Anteile vermuten.
  • Bror zeigt sich stärker in seiner Macho Natur, geprägt von eher männlich-martialischen Archetypen, allerdings in keiner rohen sondern eher in einer gepflegteren Variante.
  • Was aber bei Bror immer mitschwingt, sind eher dunkle, diabolische Anteile des Pluto-Archetyps, wie wir es bei Brandauer aus anderen Film- und Theater-Rollen, z. B.  Mephisto, Hamlet, Jedermann, …  kennen.

 

  1. orig.: „Out of Africa“, USA 1985, Regie Sydney Pollack, 160 Minuten
  2. Karen
 

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