Problemkinder als Symptomträger

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Ausgangsfrage

Aus der Sammlung „problem child paintings“: Indios von Sauro Giannini

Ist dein Kind ein Problemkind? Wenn ja, könnte es sein, dass Du selbst ein wesentlicher Teil des Problems bist – Du selbst bzw. Dein Verhalten.

Diese vereinfachte Aussage bezieht sich auf ein häufig auftretendes Phänomen, von dem Familientherapeuten berichten.

Wie ist das zu verstehen?

Hintergrund

Ein häufig dahinterstehendes Phänomen ist folgendes:

  • Kinder versuchen gefährdete Ehen bzw. Beziehungen ihrer Eltern zu retten.

Geraten Elternbeziehungen in die Krise so übernimmt häufig ein Kind die Symptome der Eltern und wird verhaltensauffällig, emotional gestört. Die Zuwendung der Eltern zu diesem Problemkind bzw. die Aufmerksamkeit, die sie dann diesem Kind schenken, verhindert, dass die Beziehungskrise der Eltern eskaliert. Das Kind opfert sich bzw. sein psychisches und physisches Wohlbefinden und rettet so – zumindest für eine Weile – die Beziehung der Eltern. Das Kind ist nicht aus sich heraus emotional gestört sondern es läutet symbolisch die Alarmglocken für die Beziehung der Eltern.1

Generell wird in der systemischen Psychologie und Familientherapie davon ausgegangen, dass in der Familie (und auch in anderen sozialen Systemen) Personen, die problematisches Verhalten zeigen, sich häufig deswegen so verhalten, um das Gleichgewicht des sozialen Systems aufrecht zu erhalten. Das entspricht der generellen Hypothese  systemischer Erklärungsmodelle: „Jedes Phänomen gewinnt seine Bedeutung im Kontext“ 2

Konsequenz

Will man die Probleme bzw. Störungen des Kindes diagnostizieren und lösen / heilen, so ist es angesagt, auf das ganze Familiensystem zu schauen, das ganze System zu diagnostizieren und auch die Interventionen auf das ganze System zu beziehen.

ZusammenfassendeAntwort auf die Ausgangsfrage

Zeigt ein Kind emotionale Störungen, so ist häufig nicht das Kind selbst gestört, es ist nur Symptomträger. Gestört ist vielmehr das ganze Familiensystem, meist die Beziehung der Eltern zueinander.

 

  1. Bradshaw, ein US-amerikanischer Familientherapeut formuliert das folgendermaßen (Familiengeheimnisse, S. 86): „Wenn die Ehe ihrer Eltern aus dem Lot ist, werden Kinder durch die Macht des Systems wie auch durch ihr eigenes Bedürfnis nach Selbstschutz getrieben, die Familienharmonie wiederherzustellen. Sie werden dabei so weit gehen, ihre eigene physische oder seelische Gesundheit zu opfern, um die Familienharmonie zu bewahren.“
  2.   Vgl. Reinhilde Beck, Gotthart Schwarz: Konflikt-Managment, S. 81
 

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