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(Dieser Beitrag ist noch in Bearbeitung)

Sissi – die junge Kaiserin – der Film

Sissi, der Film: Poster

Die Sissi-Filme kennen viele.
Dass sie etwas mit der betrieblichen Realität in vielen Firmen, vor allem in Familien-Unternehmen zu tun hat,
vermuten nur wenige.
Viele kennen aber das Thema in zahlreichen Firmen,
dass die offizielle Funktion , die eine  bestimmte Person im Unternehmen einnimmt,
nicht der wahren Bedeutung und den Einflussmöglichkeiten dieser Person entsprechen.

Ein zweites Thema, das sich besonders im 2. Film der Trilogie und in vielen Organisationen zeigt,
ist das Thema der Dilemmata oder  der Konflikte zwischen unterschiedlichen betrieblichen und familiären Rollen
– verbunden mit einem weiteren Thema, der ‚familiären Reife‚,
die sich am Grad der Loslösung von der Abhängigkeit von den Eltern zeigt.

 

„Sissi – die junge Kaiserin“ ist der zweite Film der Ernst-Marischka-Trilogie über Sissi (Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn) und Kaiser Franz Joseph I. Er schildert die erste Zeit der Ehe des Kaiserpaares bis zur ihrer Krönung zu König und Königin von Ungarn. Den Film der Trilogie haben sehr viele Zuschauer*innen gesehen und wird regelmäßig (meist um die Weihnachtszeit) in österreichischen und deutschen TV-Sendern wiederholt.

In diesem Film übernimmt die Kaiserinmutter die Sozialisation von Sissi. Sie will das tierliebe und naturverbundene Mädchen zur Kaiserin formen. Dazu soll sie an die Normen und Werte des Herrscher-Hauses („Spanisches Hofzeremoniell„)  angepasst werden.  In dieser Hofetikette werden im Detail Regeln und Normen beschrieben . Das ging so weit ins Detail, dass ihr sogar vorgeschrieben wurde, wann und wie lange sie baden darf und muss. Sissi’s Dienerschaft dient als Spitzel für die Kaisermutter.

Zentral in diesem Film ist die Geburt der ersten Tochter, Sophia. Sissi wird diese Tochter bald nach der Geburt von ihrer Schwiegermutter weggenommen. Das Kinderzimmer wird neben den Gemächern der Schwiegermutter eingerichtet und diese übernimmt die Erziehung des Kindes. Der Kaiser und seine Mutter hatten dies besprochen und Sissi vor vollendete Tatsachen gestellt. In der Logik des Herrscher-Hauses war das auch die richtige ‚Logik‘. Die Kaiserinmutter hatte dabei – nach ihrer Aussage – keine schlechten Absichten.

Sissi reagiert mit berechtigter Mutter-Empörung – berechtigt aus einer ‚mütterlichen Logik‘, einer Logik, die nach Ansicht von Sissis Mutter, (fast) jede Mutter der Welt verstehen und ihr Recht geben wird. Von Sissi wird auch von ihrem Mann verlangt, sich anzupassen und ‚Vernunft‘ walten zu lassen. Da reist Sissi ab, verlässt das Schloss und fährt zu ihren Eltern nach Bayern. Später reist ihr der Kaiser nach und die Sissis Mutter erklärt ihm diese mütterliche Logik, die letztendlich dazu führt, dass Sissi das Kind zurück bekommt.

Diese positive Ausgang und Sissis ‚Liebe zum ungarischen Volk‘ und ihr Eintreten für dessen Interessen führen dann auch am Ende des Films zur Krönung des Kaiserpaares zum König und zu Königin von Ungarn.

Die Sissi-Dynamik in Familien-Unternehmen?

Die Schwiegermutter verwehrt Sissi den Zugang zum Kinderzimmer. Ihr Ehemann, der Kaiser steht zu seiner Mutter und sagt zu Sissi, sie solle doch vernünftig sein.

Was sind die Parallelen zur Situationen in Familien-Unternehmen?

Logik des Unternehmens (sozialen Systems)  steht im Konflikt zur Familien-Logik

Zunächst zeigt sich, dass Familien-Logik (famliness)1 anders ist als die unternehmerisch Logik. (Organisations-Logik – enterpriseness) Während in Unternehmen (unter anderem) das Leistungs-Prinzip als Basis für Entscheidungen im Vordergrund steht, ist es in der Familie das Prinzip der Zugehörigkeit. Wird über die Besetzung einer Position eine Entscheidung getroffen, so soll nach unternehmerischer Logik der oder die Beste bzw. der am besten Passende (beste Leistung, bestes Potenzial, beste Passung an das bestehende Team, passende Persönlichkeit 2, … genommen werden. Wird nach Familien-Logik entschieden, was nach meinen Erfahrungen nicht selten erfolgt, so hat die Zugehörigkeit zur Unternehmer-Familie Vorrang von Leistungs-Kriterien.3

Im Film steht zum Beispiel die (Organisations-)Logik des Spanisches Hofzeremoniells im Widerspruch zur mütterlichen Logik (das Kind selbst zu erziehen).

Schwiegertochter – Schwiegersohn, Lösung von den Eltern
Sissi gesteht ihrem Vater, dass sie mit der Kaisermutter, ihrer Tyrannei und ständiger Kritik nicht zurechtkommt.

Im Film heiratet Sissy ins Habsburger Imperium ein und sollt sich den dortigen Gepflogenheiten, Normen und Werten anpassen. Heute würde man von der „Organisationskultur“ sprechen. Nicht die Kultur wird angepasst / verändert sondern die Person soll sich anpassen / wird sozialisiert. Obwohl die Kaiserin in ihrem offiziellen Rang vor der Kaiserinmutter steht. Im Karrieremodell von Edgar Schein weist sie zwar einen höheren Rang aber eine geringere Zentralität auf. Das gibt ihr in Bezug auf die Stabilität und Veränderung der herrschenden Normen eine stärkere Machtbasis.

Verstärkt wird diese Machtbasis der Kaiserinmutter, dadurch, dass der Sohn (der Kaiser) noch nicht von seiner Mutter gelöst ist. Die Bindung an die Mutter ist (zumindest in einzelnen Phasen des Films) stärker. Sie hat einen höheren Stellenwert als seine Frau (Sissi). Diese Konstellation ist für Partnerschaften schädlich und bringt die eingeheiratete Person in emotionale Bedrängnis und Beziehungs-Krisen. So auch in diesem Film. Doch Sissi gibt nicht klein bei, sondern kämpft weiter. Sie entzieht sich dem Einfluss der Kaisermutter bzw. des Hofes und sucht ihre Chance in der Flucht. Sie geht zu ihren Eltern. Dort findet sie Verständnis und ihrer Mutter gelingt es auch, beim Kaiser einen Perspektivenwechsel zu erwirken.

Die Kaiserinmutter drückt ihr Missfallen an Sissi’s Auftreten offen aus und fordert ihren Sohn nonverbal auf, dagegen einzuschreiten.

Ähnlich geht es eingeheirateten Schwieger-Söhnen und vor allem -Töchtern in Familien-Unternehmen. Die Schwägerin bzw. der Schwager hat oft einen schweren Stand in der eingeheirateten Unternehmer-Familie und in deren Unternehmen, in denen andere Normen, andere Gewohnheiten andere Sitten herrschen, die oft unbewusst sind, im unsichtbaren Teil des Kultur-Eisbergs. Auch wenn sie Teil der Geschäftsführung sind spielen sie im Vergleich zu ihren Schwiegereltern (Mutter oder Vater oder beide) eine häufig untergeordnete Rolle. Die Meinungen und Ansichten der Schwieger-Töchter oder -Söhne haben einen geringeren Stellenwert als die Vorstellungen, Einstellungen und Werte der (Schwieger-)Eltern, selbst wenn die Schwiegereltern das Unternehmen bereits übergeben haben und nicht mehr Teil der Geschäftsführung sind, aber noch im Unternehmen tätig sind. Auch im Film haben die Einstellungen und Gewohnheiten der Kaiserinmutter mit ihrem Hofzeremoniell höheren Wert als Sissis Überzeugungen.

Dazu kommt, dass Unternehmertöchter und -Söhne häufig bis weit ins Erwachsenen-Alter hinein nicht von ihren Eltern losgelöst sind und im Falle divergierender Ansichten oder Konflikten näher zu ihren Eltern stehen als zu ihren Ehepartnern (generationenübergreifende Triangulierung: Koalition mit einem Eltern-Teil gegen den eigenen Partner / die eigene Partnerin).

Unterscheiden sich Unternehmer*innen-Familien von anderen?

Vermutlich trägt die Bindung an das Unternehmen dazu bei, die Lösung von der Bindung von den Eltern zu erschweren. Das schwächt die Geschäftsführung und hat negative Auswirkungen auf die Familien-Dynamik der Gegenwartsfamilie. Es besteht die Gefahr, dass die Eltern zu viel Einfluss auf die junge Familie haben und sich in deren Angelegenheiten unberechtigterweise einmischen. Auch im Film zeigt sich, dass Franz Joseph noch nicht von seiner Mutter gelöst ist. Sie hat eine zu bedeutende Rolle m Verhältnis zu Sissi und entscheidet Angelegenheit, die das junge Paar unter sich ausmachen sollte.

Konsequenzen

So kann eine gemeinsames mit anschließender Reflexion und/oder Diskussion dazu führen, das eigene Unternehmen mit der ‚Kultur-Brille‘ zu betrachten, Probleme zu erkennen und Veränderungen einzuleiten.

Reflexionsfragen

  • Welchen Einfluss haben meine Eltern auf unser Familienleben?
  • Wo mischen sich die Eltern / Schwiegereltern zu sehr in unsere Angelegenheiten ein?
  • Wie gut bin ich von meinen Eltern (als Tochter / Sohn) gelöst? Wie erwachsen bin ich wirklich?
  • Wie sieht das mein Partner / meine Partnerin?
  • Wie gut ist er / sie von den Eltern gelöst?
  • Im Falle fehlender Loslösung von den Eltern: Welche negative Auswirkungen hat das in unserem Familienalltag / unternehmerischen Alltag?

Für Unternehmer-Familien:

  • Welchen Einfluss haben meine Eltern auf unseren unternehmerischen Alltag? Wo mischen sich die Eltern zu sehr in unternehmerische Entscheidungen / in der Führung der Mitarbeiter*innen ein?
  • Welchen Einfluss hat meine Partner*in auf den unternehmerischen Alltag?

Anhang: Familien- versus Organisations-Logik

Oft im Konflikt: Familien- versus Organisations-Logik (Arist v. Schlippe)

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Querverweise

Links und Literatur

Sissi Trilogie

Sissi. (1955) Erster  Film der Trilogie zur Kaiserin Elisabeth. imdb. filmstartswikipedia.

Sissi – Die junge Kaiserin. (1956) Zweiter Film der Trilogie. imdb. filmstarts. wikipedia. en.wikipedia.

Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin. (1957) Dritter und letzter Teil der Film-Trilogie. imdb. filmstarts. wikipedia.

 

Familienlogik – unternehmerische Logik

Arist von Schlippe, Torsten Groth, Tom A. Rüsen: Die beiden Seiten der Unternehmerfamilie. Familienstrategie über Generationen: Auf dem Weg zu einer Theorie der Unternehmerfamilie. Vandenhoeck & Ruprecht, 2017.

Arist von Schlippe, Tom Rüsen, Torsten Groth (Hrsg.): Beiträge zur Theorie des Familienunternehmens. BoD – Books on Demand, 2009.

Fritz B. Simon: Organisationen und Familien als soziale Systeme unterschiedlichen Typs. In: Arist von Schlippe, Tom Rüsen, Torsten Groth (Hrsg.): Beiträge zur Theorie des Familienunternehmens. S. 17 – 46.

Rudolf Wimmer, Torsten Groth, Fritz B. Simon: Erfolgsmuster von Mehrgenerationen-Familienunternehmen. In: Arist von Schlippe, Tom Rüsen, Torsten Groth (Hrsg.): Beiträge zur Theorie des Familienunternehmens. S. 95 ff.

Roland Kubitza: Zwischen Familien und Organisationslogik. Aus: kubitza-beratung.de. zuletzt aktualisiert 8. 5. 2018. http://www.kubitza-beratung.de/sys-blog/112-zwischen-familien-und-organisationslogik.html.

 

familiness – enterpriseness

Manfred Lueger, Hermann Frank (Hrsg.): Wie erfolgreiche Familienunternehmen handeln. Good Practice Fallanalysen.  Eine Studie des Forschungsinstituts für Familienunternehmen an der WU. facultas. Aus: wko.at. https://www.wko.at/service/unternehmensfuehrung-finanzierung-foerderungen/GoodPractice_Buch_endversion_2.pdf.

Thomas Zellweger, Kimberly A., Franz W. Kellermanns (2010): Exploring the concept of familiness: Introducing family firm identity. Journal of Family Business Strategy, Vol. 1, S. 54-63. DOI:10.1016/J.JFBS.2009.12.003. Aus: fdocuments.in. https://fdocuments.in/document/exploring-the-concept-of-familiness-introducing-family-firm-identity.html. (full text)

Thomas Zellweger, Philipp Sieger: Entrepreneurial orientation in long-lived family firms. Small Business Economics. doi:10.1007/s11187-010-9267-6. Aus: www.researchgate.net/. https://www.researchgate.net/publication/43919745_Entrepreneurial_Orientation_in_Long-Lived_Family_Firms.

Zellweger Thomas, Sieger Philipp, Frank Halter (2011): Should I stay or should I go?. Career choice intentions of students with family business background. Journal of Business Venturing, Vol. 26, S. 521-536. Aus:  www.researchgate.net.  https://www.researchgate.net/publication/222402930_Should_I_Stay_or_Should_I_Go_Career_Choice_Intentions_of_Students_with_Family_Business_Background.

  1. Zu familiness vs. enterpriseness vgl. z. B. Thomas Zellweger, Kimberly A., Franz W. Kellermanns: Exploring the concept of familiness. Thomas Zellweger, Philipp Sieger: Entrepreneurial orientation in long-lived family firms. 
  2.   Vgl. den HR-Grundsatz: „Hire for attitude, train for skills.“
  3.   Zur Unterscheidung der Familienlogik zur Organisationslogik vgl. Arist von Schlippe, Torsten Groth, Tom A. Rüsen: Die beiden Seiten der Unternehmerfamilie. insb. S. 112 ff., Roland Kubitza: Zwischen Familien und Organisationslogik. Rudolf Wimmer, Torsten Groth, Fritz B. Simon: Erfolgsmuster von Mehrgenerationen-Familienunternehmen.  

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