Selbstmanagement: Was tun, wenn nichts mehr geht: Change it – love it – leave it

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Ein wichtiges „Tool“ im Selbstmanagement  und im persönlichen Change Management – vor allem für scheinbar ausweglose Situationen – lautet: „Change it – love it – leave it“. Es kann auch gut als Coaching-Tool verwendet werden.

Ausgangspunkt: Unzufriedenheit

Du bist mit einem Aspekt deines Lebens (beruflich oder privat) nicht zufrieden? Mit einer Situation, mit dem Verhalten einer Person, mit einem Team, …Es ärgert dich, beeinträchtigt dich, macht dich uneffizient oder unglücklich, behindert dich, …

Beispiele:1

  • Dein Chef will nicht mit dir reden, will sich nicht festlegen und du brauchst aber dringend eine Entscheidung von ihm.
  • Eine Mitarbeiter_in macht Fehler in ihrer Arbeit. Trotz einer Gespräche mit ihr ändert sich nichts.
  • Deine Chef_in ist völlig inkompetent. Sie wurde als Geschäftsführer_in  von der Politik eingesetzt und du fürchtest, dass sie in Kürze deine jahrelange Aufbauarbeit in den Ruin führt.
  • Deine Eltern mischen sich in dein Leben ein und  wollen dir ihre Entscheidungen aufzwingen.
  • Deine Partner_in will sich von dir trennen. Du liebst sie.

1. Change it

Die Antwort auf obige Herausforderungen ist:
„Change it“ – mach etwas!

Verändere die Situation, krempel die Ärmel auf und packe es an: handle, setz eine Aktion, führe ein Gespräch, kläre eine Situation, triff eine Entscheidung, verändere den Lebens- oder Arbeitsbereich so, dass er für dich tragbar wird.

Gestalte die Veränderung nicht nach einem primär egoistischen Motiv sondern zum Wohle des größeren Ganzen: Zum Wohle deines Führungsbereichs, zum Wohle der organisatorischen Einheit, zum Wohle des Gesamtunternehmens bzw. im privaten Bereich: zum Wohle des gesamten Familiensystems oder sogar zum Wohle der Gesellschaft.

2. Love it

Wenn der beabsichtigte Change nicht möglich ist oder dir nicht gelingt:
„Love it“: stell dich darauf ein!

Wenn du die Situation nicht ändern kannst, Andere nicht ändern kannst, dann ändere dich selbst, diese Möglichkeit steht dir immer offen. Ändere deine Einstellung nach dem Grundsatz: „Ich akzeptiere, was nicht zu ändern ist und mache das Beste daraus.

Basis dafür ist die Akzeptanz der Ist-Situation: Halte deine Bewertungen im Hintergrund und akzeptiere das Bestehende: „Es ist, was es ist.“ 2: ich stelle mich darauf ein und gebe die passende Antwort darauf, mache das Beste daraus. 3
Probleme, die man nicht lösen kann, werden in der Psychotherapie manchmal auch „Probleme vom Typ ‚Wetter‚ “ genannt. Damit wird ausgedrückt, dass es4 keinen Sinn hat, seine Energie dafür einzusetzen, das Wetter zu beeinflussen, z. B. in dem Sinn: „Ich setze meine ganze Energie ein, damit es am Wochenende schön ist.“ Sinnvoller ist es, sich auf das Wetter einzustellen und entsprechend zu handeln.

Das Komfort-Zonen-Modell

Zudem zeigt sich, dass schwierige Situationen, unlösbare Probleme auch Vorteile haben. 5 Sie tragen beispielsweise zu unserer persönlichen Entwicklung bei. 6 Sie bewirken, dass wir die Komfortzone 7 verlassen und unsere inneren Potenziale aktivieren und weiterentwickeln.

3. Leave it

Gelingt dir diese Einstellungsänderung nicht, vielleicht weil du voller negativer Gefühle bist, Angst oder Ärger oder Wut, dann:
Leave it

Verlasse diese Situation, trenne dich,, tritt aus, suche dir etwas Neues, verabschiede dich, geh woanders hin, …
Bevor du deine Gesundheit gefährdest, dein Leben vergeudest, keine Lebensfreude mehr findest, verlasse diese Lebenssituation und baue etwas Neues auf. Du bist für dich und dein Leben verantwortlich und für deine Liebsten. Sie wollen in glückliche Augen sehen, wenn sie dich anschauen.

Und wenn das auch nicht geht: Kehre zurück zum Punkt 2: love it. Das geht immer. Sogar in den ärgsten Situationen. Viktor Frankl hat das im Konzentrationslager praktiziert und daraus seine sinnorientierte Logotherapie entwickelt. Die Kraft, die mit dieser Einstellungsänderung verbunden ist nannte er die „Trotzmacht des Geistes“ und er beschrieb sie unter anderem in seinem lesenswerten Buch: „Trotzdem ja zum Leben sagen8

Das Gelassenheitsgebet

Eine gute Zusammenfassung dieser Gedanken findet sich im Gelassenheitsgebet, das (unter anderem) dem Hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird:

„Gott schenke mir den Mut zu ändern, was zu ändern ist.
Gott schenke mir die Demut, das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist.
Und Gott schenke mir die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden. “ 9

Selbstreflexion

  • Mit welchen Aspekten meine Lebens (beruflich, privat, persönlich) bin ich nicht zufrieden. Was beeinträchtigt mich, ärgert mich, hindert mich, mein Leben zu leben, hindert mich, der zu werden der ich bin, …? Was in meinem Leben wartet auf eine Antwort?  Liste die Punkte auf.
  • Was (davon) will ich ändern? Was soll anders werden? Wo ist Handlungsbedarf von mir? Was sollte ich klären? Wo sollte ich ein Gespräch führen? …Sammle konkrete Punkte.
  • Was muss bzw. will ich akzeptieren? Worauf sollte ich mich neu einstellen? Womit sollte ich lernen, umzugehen? Wo habe ich bisher verabsäumt zu sagen: „Es ist, wie es ist“ oder   „Es ist, was es ist.“ Es ist nach einem Gedicht von Erich Fried die Antwort der Liebe. Zur Anregung lies vielleicht dazu dieses Gedicht.
  • Gibt es etwas in meinem Leben, das ich verlassen sollte, von dem ich mich trennen sollte – etwas, das mich oder mein Leben „auffrisst“, das ich nicht länger aushalten will, das mich angreift, mit dem ich mich nicht länger auseinandersetzen will, vor dem ich liebe ‚fliehe‘. Wenn ja: Was ist das und wie mach ich das?

Weiterführende Links

Es ist, was es ist“ (Erich Fried)

 

 

  1.   Einige reale Beispiele, die mir in letzter Zeite begegnet sind.
  2.   Der österreichische Lyriker Erich Fried, bringt das in seinem Gedicht „Es ist, was es ist“ sehr gut zum Ausdruck.
  3.   Der Logotherapeut Längle nennt das in Anschluss an Frankl die „existenzielle Wende„: ich bin nicht der Frager sondern derjenige der vom Leben gefragt wird, die passende Antwort zu geben. Längle, S. 10. Dieses ‚Prinzp des Antwortens‚ entspricht auch der Idee des „sich nichts ersparen“. Rüdiger Dahlke hat das in einem Vortrag mit dem Spruch ausgedrück: „Wer sich alles erspart, dem bleibt nichts erspart. Wer sich nichts erspart, dem bleibt auch nichts erspart, aber es trifft ihn weniger, wegen seiner Einstellung dazu.“ (freie Wiedergabe)
  4. zumindest für die meisten von uns 🙂
  5.   Rüdiger Dahlke unterschied in einem Vortrag „Menschen zum Wohl“ und „Menschen zum Heil“. Menschen zum Wohl sind Menschen, mit denen wir uns gut verstehen, die unsere Meinungen und Einstellungen teilen und die uns keine Schwierigkeiten bereiten. Demgegenüber sind ‚Menschen zum Heil‚ solche, die uns Schwierigkeiten bereiten. uns hinterfragen, andere Meinungen vertreten usw. Sie kosten viel Energie, aber sie fordern uns heraus und locken uns aus der Komfortzone, hinein in die Lernzone, die für unsere persönliche Entwicklung unumgänglich ist.
  6.   C. G. Jung wird nachgesagt, dass er Menschen beglückwünschte, wenn sie berichteten, dass sie in einer schweren Krise stecken. Er sah die große Entwicklungschance in dieser Situation. Demgegenüber drückte er Menschen, die von einem sorgenfreien, problemarmen Lebenssituation sprachen, sein Bedauern aus, und seiner Hoffung, dass es sich auch wieder ‚bessern‘ werde.
  7.   Vgl. dazu
  8.   Viktor Frankl: … trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager 
  9.   eine andere Version lautet: Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.
 

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Admin

Ich bin da auf einen interessanten Beitrag gestoßen: Dass es Geld kostet, wenn ein Mitarbeiter geht und ein neuer MA eingestellt werden muß, ist zwar klar, aber die Kosten werden eigentlich kaum wirklich berechnet, dieser Beitrag listet die Kosten von „hire and fire“ auf:
http://ideetransfer.ch/fehlbesetzungen-und-deren-kosten/
Verblüffend was da alles dran hängt… 😉

Auch der Fluktuationskostenrechner zum selber ausfüllen ist interessant…
http://www.humanquest.ch/hr-services/fluktuationskostenrechner/

 
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[…] Gedicht mit der Aufforderung zur Akzeptanz der Realität hat auch Bezüge zum Prinzip „Change-it, love it, leave it“ (zum „love it“) und zum Entwicklungs-Thema der Selbst-Liebe und […]

 
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[…] vgl. den Blog: Change it – Love it – Leave it  […]