Der Bauer und sein Pferd – eine alte chinesische Parabel

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Der Bauer und das Pferd

Die Geschichte gibt es mit unterschiedlichen Überschriften1 in mehreren unterschiedlichen Versionen. Die folgende Version hält sich sehr eng an das Original, der Parabel „Glück im Unglück – Unglück im Glück“ aus dem Huainanzi (Meister von Huainan)2, einem Werk der klassischen chinesischen Philosophie des Daoismus (Taoismus)[1, vgl. auch James Miller: Daoism and Daoist Studies. ]

Glück im Unglück – Unglück im Glück

„Glück und Unglück erzeugen sich gegenseitig und es ist schwierig ihren Wechsel vorauszusehen.

 

Ein rechtschaffener Mann lebte nahe der Grenze.

Ohne Grund entlief ihm eines Tages sein Pferd auf das Gebiet der Barbaren.

Alle (Leute) bedauerten ihn.

Sein Vater aber sprach zu ihm: „Wer weiß, ob das nicht Glück bringt?“

Mehrere Monate später kam sein Pferd zurück

mit einer Gruppe guter, edler Barbarenpferde.

Alle Leute beglückwünschten ihn.

Sein Vater (aber) sprach (zu ihm):

„Wer weiß, ob das nicht Unglück bringt?“

Ein reiches Haus hat gute Pferde

und der Sohn stieg mit Freuden auf,  liebte das Reiten.

Dabei fiel er und brach sich ein Bein. (Es blieb vekrüppelt.)

Alle (Leute) bedauerten ihn.

Sein Vater (aber) sprach (zu ihm):

„Wer weiß, ob das nicht Glück bringt?“

Ein Jahr später fielen die Barbaren über die Grenze ein.

Die erwachsenen Männer bespannten ihre Bögen und zogen in den Kampf.

Neun von zehn Grenzbewohnern wurden dabei getötet,

(vom Dorf alle) mit Ausnahme des Sohnes wegen seines gebrochenen Beins.

Vater und Sohn überlebten.

 

Daher: Unglück bewirkt Glück und Glück bewirkt Unglück.

Dieses passiert ohne Ende und niemand kann es abschätzen.“

Quellen: 3

Interpretations-Hinweise

Die Parabel lädt uns dazu ein, nicht vorschnell zu urteilen. Wir sehen immer nur einen Ausschnitt der Realität, nie das ganze. Wir sollten daher mit unseren Urteilen und Bewertungen vorsichtig sein.

Viele Sprüche und Sprichwörter gehen in diese Richtung, z. B.4

  • Das war Glück im Unglück
  • Wer weiß, wozu es gut ist.
  • A blessing in disguise
  • William Shakespear’s Hamlet: „…, for there is nothing either good or bad, but thinking makes it so.“ (dt. „…, denn an sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.“) William Shakespeare Hamlet, 2. Szene, 2. Aufzug (Shakespear’s Hamlet)
  1.   z. B. „Der alte Mann an der Grenze verliert ein Pferd
  2.   Das Huainanzi stammt aus dem 2. Jhd. v. Chr und wurde von Liu An geschrieben – vgl. Huainanzi  
  3. Text leicht verändert nach wiktionary: tale in Huai Nan Zi, deutsch: Glück im Unglück – Unglück im Glück, vgl. auch SWR1: Glück oder Unglück, wer weiß das schon?  Persönlichkeitsentwicklung: Die Geschichte vom armen Bauern, seinem Sohn und seinem Pferd, Burkhard Heidenberger: Der Bauer und das Pferd, nur-positive-nachrichten: Man wird sehen – Inspirierende Kurzgeschichte über das Annehmen unserer Schicksalsschläge  , Coral Chen: The old man who lost his horse 
  4. vgl. Glück im Unglück – Unglück im Glück
 

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