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Der Film

Poster / DVD

Hinweise und Fragen

  • Ein Film zur „Liebe in Zeiten des Internets“.
  • Ein Film mit überraschenden Wendungen.
  • Ein Film, der beim Zuschauer Fragezeichen hinterlässt.
  • Ein französischer Film mit Juliette Binoche (Chocolat).
  • Kann man eine neue Identität auch leben?

Der Plot

Claire und ihr junger Lover

Ein französischer Film mit Juliette Binoche. Juliette Binoche als Claire, eine attraktive 50-jährige Literatur-Professorin und alleinerziehende Mutter von 2 Söhnen, ca 10 und 16 und einem jungen Lover Ludo. Claire liegt sehr viel an dieser Beziehung, will viel Zeit mit ihm verbringen. Für ihn ist es in erster Linie eine sexuelle Beziehung. Ihr Sex ist sehr leidenschaftlich. Sie will viel Zeit mit ihm verbringen, er nicht. Er wohnt mit seinem Freund Alex zusammen, lässt sich am Telefon von ihm verleugnen, nimmt auf Facebook ihre Freundschafts-Anfragen nicht an. Das verletzt sie, aber sie will ihn nicht aufgeben.

Eine neue virtuelle Identität

Sie verabredet ein Treffen am Bahnhof, gibt sich jedoch nicht zu erkennen. Wäre er enttäuscht, wenn er erkennt, dass sie viel älter als erwartet ist?

So kommt sie auf die Idee, auf Facebook eine neue Identität für sich zu kreieren,  ein anderes Ich, eine andere Identität, ein Alter-Ego, ein Fake-Profil. Sie ist sie die 24-jährige wunderschöne Clara mit einem Foto (Avatar) ihrer 18-Jähringen Nichte Katja (die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihr gezogen und später wieder nach Norwegen zurückgefahren ist). Und sie schickt von diesem Account eine Freundschaftsanfrage an Alex, Ludo’s Freund und WG-Mitbewohner. Sie ‚liked‘ seine Fotos und es entwickelt sich sofort ein Dialog, der immer intensiver und erotischer wird – zuerst auf Facebook, später telefonisch. Um nicht erkannt zu werden, unterdrückt sie die Nummer ihres Handys, später nimmt sie sich ein Zweithandy. Bei diesem Flirt kippen beide voll in diese andere, virtuelle Realität, mit hoher emotionaler Intensität- mit Cyber Sex bis zum Orgasmus. Und Claire fühlt sich dabei sehr lebendig, sagt sie. Alex wird zum Mittelpunkt ihres Lebens.

Begegnung und tragisches Ende

Dann fahren die beiden Freunde Ludo und Alex nach Goa. Nach der Rückkehr besteht Alex darauf, sie zu treffen. Sie sehen einander zwei Mal, das zweite Mal als Alex in Paris vom Zug aussteigt. 1 Aber sie gibt sich ihm nicht zu erkennen und er sucht ja eine wesentlich jüngere Frau. Er weiß also nicht, dass er sie gesehen hat, denn er hat ein anderes Bild von ihr im Kopf. Sie erfindet Ausreden – warum sie nicht kommen kann bzw. warum sie dann doch nicht gekommen ist. Sie ist zerrissen zwischen der Unmöglichkeit diese Liebe zu Alex auszuleben und der Gefahr, ihn zu verlieren, wenn sie die Täuschung zugibt.2 Die Zerrissenheit wird verstärkt durch ihre Besessenheit von dieser Liebe auf der einen Seite und ihrem Bestreben auf der anderen Seite, eine liebende, fürsorgende Mutter zu sein. Ihre Söhne zeigen eher pubertäre Distanz und Ablehnung als Zuneigung.

Diese Zerrissenheit kann und will sie nicht mehr ertragen und so fasst sie den schmerzlichen Entschluss, die Beziehung zu Alex zu beenden. Sie täuscht Alex vor, schon seit langem eine fixe Beziehung zu einem anderen Mann zu haben, demnächst zu heiraten und nach Brasilien auszuwandern.

Sie beendet die virtuelle Beziehung und erfährt von ihrem Freund Ludo, dass Alex sich „wegen dieser Psychopathin“ das Leben genommen hat – mit dem Auto in den Abgrund – ohne Bremsspuren. Clara erzählt das alles ihrer Therapeutin, einer älteren Dame mit einem etwas verbittertem Gesichtsausdruck. Sie ist für ihren Kollegen eingesprungen. Die Szenen wechseln mehrmals zwischen realem Geschehen und Schilderung der Ereignisse und des inneren Erlebens an Claire’s Therapeutin Dr. Bormans.

Eine andere Sichtweise: Von der Begegnung zur leidenshaftlichen Beziehung

Dann geht die Geschichte überraschend weiter. Claire hat die Story als Roman geschrieben und übergibt sie ihrer Therapeutin. Im Roman berichtet Claire – anders als zuvor gesehen -, dass es nicht bei der flüchtigen Begegnung mit Alex am Bahnhof geblieben ist. Sie ist ihm nach dieser Begegnung am Bahnhof gefolgt und hat ihn in der U-Bahn angesprochen. Sie hat sich bei ihm als Ex-Freundin von Ludo vorgestellt. Alex ist Fotograf und derzeit ohne Aufträge. Und so gibt sie ihm einen Auftrag  und lässt sich von ihm fotografieren – für ein Buch, das sie schreibt. Dabei erzählt sie ihm ihre Lebensgeschichte, – dass ihr Mann sie nach der Geburt ihrer Söhne verlassen wegen einer jüngere Frau. Nach diesem Foto-Termin präsentiert Alex ihr die Fotos. Dabei kommen sie einander näher, werden intim. Alex zieht bei ihr ein. Sie leben ein unbeschwertes, leidenschaftliches Leben. Sie beteuern einander ihre Liebe und er sagt ihr, er liebe am meisten ihre Stimme. Das macht sie nachdenklich, die Stimmung schlägt um. Die Stimme von Claire ist die von Clara, ihrem Alter-Ego.

Die Krise, das zweite Ende

Liebt er am Ende nur Claire, die virtuelle 24-jährige Clara. Alex hatte sich ja ein Bild von Claire gemacht, verbunden mit ihrer Telefon-Stimme. Die virtuelle und die reale Welt verschwimmen. Sie befürchtet, dass er Claire durch Clara liebt. „Es gibt keine schlimmere Rivalin, als die, die nicht existiert.“ denkt sie. Sie will es austesten und schreibt ihm als Claire, dass sie ihn sehen will. Aber er findet ihr Zweithandy und erkennt dass Claire Clara ist. Er ist erschüttert, geht auf Clara zu, sie weicht zurück und wird von einem Auto überfahren.  Da erkennt man, dass dies nur die Roman-Story ist. „Im Film könnte es doch so enden“ sagt sie ihrer Therapeutin. Als Zuseher bleibt man etwas verwirrt zurück.

Der Hintergrund

Der Film geht weiter. Jetzt erfährt man den Hintergrund. Die Therapeutin interpretiert diese Geschichte Sie meint, dass sich Claire sogar in der Phantasie ein glückliches Ende versagt. Es ist, als wolle sie sich absichtlich verletzen und die Therapeutin fragt: „Wer hat  Sie verletzt, Claire, wer hat Ihnen weh getan?“ Clara erzählt, dass ihr Mann sie wegen einer jungen Frau verlassen hat. Und diese junge Frau war ihre Nichte, die sie nach dem Tod ihrer Schwester aufgenommen und deren virtuelle Identität sie jetzt angenommen hatte. Ihr Ex-Mann hatte immer betont, dass er  ja mit ihrer Nichte nicht blutsvertwandt sei. Dadurch, dass ihr Mann sie nach 20 Jahren Ehe mit einer 27 Jahre jüngeren Frau verlassen hat, war sie so verletzt, dass sie bisher in der Therapie nicht darüber berichten konnte.

Cast und Daten

  • Original „Celle Que Vous Croyez“ („Die, an die du glaubst“), engl.: Who you think I am
  • Frankreich 2019, 102 Min.
  • Romanverfilmung (Camille Laurens), Social-Media-Melodram
    Regie: Safy Nebbou
  • —————-
  • Juliette Binoche: Claire Millaud, Protagonistin, 50, erfolgreiche Literatur-Dozentin,
    Catfish: Clara Antunès – professionelle Tänzerin, ihr Pseudonym, ihre virtuelle Identität, ihr Fake-Profil, mit dem Avatar ihrer Nichte, 24
  • Guillaume Gouix: Ludo, Claire’s Lover, Architekt
  • François Civil: Alex Chelly, Facebook-Freund von Clara, Ludo’s Mitbewohner
  • Nicole Garcia: Dr. Catherine Bormans, Therapeutin,
  • Marie-Ange Casta: Katia, Claire’s Nichte, 18
  • Charles Berling: Gilles, Claire’s Ex-Ehemann und Vater ihrer beiden Söhne
  • Jules Houplain: Max
  • Jules Gauzelin: Tristan
  • Claude Perron: Solange

(Entwicklungs-)Themen

  • verlassen werden
  • virtuelle Realität, virtual reality
  • Verletzung, Verlassen werden, Trauma,
  • ältere Frau – junger Mann, cougar
  • Sexualität, Leidenschaft, Liebe
  • Cyber Sex, erotische Chats
  • soziale Netze, Facebook
  • Therapie, Therapie-Sitzung, verbitterte Therapeut_in
  • Geheimnis, Familien-Geheimnis
  • Perspektiven-Wechsel, Schein und Wirklichkeit
  • Mitte des Lebens, Alt werden
  • männliche und weibliche Perspektiven
  • (Lebens-)Lügen
  • emotionale Intensität, innerlich zerrissen

Links

Michael Meyns: So wie du mich willst. Aus filmstarts.de. http://www.filmstarts.de/kritiken/258651.html.

o. A.: So wie du mich willst (2019). Aus: imdb.com. https://www.imdb.com/title/tt7552686/.

o. A.: So wie du mich willst. Aus: wikipedia.de. https://de.wikipedia.org/wiki/So_wie_du_mich_willst.

o. A.: So wie du mich willst.

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  2.  Michael Meyns: So wie du mich willst.  

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