Konflikt-Quelle: Abwertungen

Print Friendly, PDF & Email

Abwertungen

Namaste – „Ich begrüße das Göttliche in Dir“, Beispiel für wertschätzende Kommunikation.

In betrieblicher und privater Kommunikation, vor allem in Konflikten sind Abwertungen der anderen Person, des Kommunikations-Partners nicht selten. Sie gehören zu den wichtigsten Kommunikations-Sünden (-Fehler) in Konflikten. Vor allem passiert das in emotional eskalierenden Gesprächen, wenn Ärger, Wut und Frustration ihren Ausdruck finden. Dann gilt nicht mehr „Ich habe einen Konflikt“, sondern „Der Konflikt hat mich“. Das ist unprofessionell und  auch unmoralisch, aber innerhalb gewisser Grenzen noch verständlich.

Gänzlich abzulehnen, stärker wirksam und in  höherem Maße unmoralisch sind abwertende Bemerkungen in emotional kühlen Phasen, wenn zumindest oberflächlich Verstand und Intellekt die Oberhand in unseren Handlungen übernehmen. Dann gilt nicht mehr „Es passiert (mir)“ sondern „Ich mache es ganz bewusst.“ Manchmal entsteht diese bewusste Abwertung durch die Einstellung, dass Abwertung mit Stärke verbunden ist („Dem habe ich es jetzt aber gezeigt.“)

Abwertungen in eigenem Verhalten sollten erkannt und vermieden werden. Das wird klar, wenn man bedenkt, dass Abwertungen auch Selbstbotschaften enthalten und insofern auch auf den Sender abwertend wirken.

Abwertungen von Anderen sollten auch erkannt werden und man sollte ihnen konstruktiv, abr klar begegnen.

Formen der Abwertung

Abwertende Kommunikation zeigt sich in vielen Gesichtern, z. B.

  • sowohl verbal (in Sprüchen) als auch nonverbal (in Gesten und Handlungen)
  • als feiner Sarkasmus oder Zynismus
    • „Der edle Herr ist sich ja  wieder einmal zu gut dafür.“
    • „Die edle Dame ist ja zu fein für jeden Handgriff.“
    • „Das hast Du ja prächtig angestellt.“
    • „Kannst du denn nichts richtig machen.“
  • Verhöhnung , lächerlich machen
    • „Du musst ja nicht gleich ausrasten.“
  • abschätziger Humor und Spott
    • „Kannst Du denn jetzt plötzlich logisch denken?“
  • Beschimpfungen, Respektlosigkeiten, Dreistigkeiten, Anmaßungen
    • „Dummkopf.“
  • Du-Botschaften
    • „Du bist vollkommen unfähig“

Du-Botschaften werden verstärkt, wenn sie mit Verallgemeinerungen oder  Überreifungen verbunden sind („Du machst nie etwas richtig.“). Du-Botschaten verbergen sich auch in Satzeinleitungen mit „Ich habe das Gefühl, du …“ („Ich habe das Gefühl, du lügst schon wieder.“) 1

Subtile Abwertung

Es gibt auch subtilere Formen der Abwertung in der Kommunkation, z. B. das ‚Reden von oben herab‘. Mit der Brille der Transaktionsanalyse  handelt es sich um das belehrende oder kommandierende Reden vom Eltern-Ich zum Kind-Ich des Kommunikations-Partners. Lässt sich dieser nicht auf das Kind degradieren, so spricht man von gekreuzter Kommunikation, die Konflikte produziert. Dieses belehrende oder kommandierende Verhalten kann den Anderen, wenn sich dieser im ‚Erwachsenen-Ich-Modus befindet auf die Palme bringen.

Auch unpersönliche Kommunikation mit Killerphrasen bzw. mit Wörtern wie „man“, „wir“, „hier“, … statt „ich“, „du“ sind oft mit Abwertungen verbunden.1 („Hier müsste man wieder einmal aufräumen, das ist ein Saustall.“)

Zugewandte – gleichgültige und abwertende Kommunikation

Abwertende Kommunikation findet sich auch im Kommunikations-Modell von John Gottman, und bezieht sich auf partnerschaftliche Kommunikation. Gottman unterscheidet drei Formen der partnerschaftlichen Kommunikation3

  • Zugewandte Kommunikation: ist aufmerksam, hilfsbereit, kreativ, fürsorglich
  • Gleichgültige Kommunikation  ist vorwurfs-frei aber ohne emotionale Anteilnahme
  • Abwertende, abgewandte Kommunikation vorwurfsvoll, belehrend, mit negativen Wertungen

Mehr dazu in  meinen Blog-Beitrag Das Beziehungs-Gift der vier apokalyptischen Reiter.

Gründe für Abwertungen

Bild: Narzissmus

Kleine Elemente der Abwertung in der (Alltags-)Kommunikation sind beinahe normal. 4 Den extremen Formen der Abwertungen liegen oft Persönlichkeits-Störungen zugrunde, z. B. Narzissmus5 oder antisoziale Persönlichkeits-Störungen.

Selbstabwertung

Es gibt Menschen, die nicht (nur) Andere sondern (auch) sich selbst gerne abwerten, z. B. mit Wörter wie („Ich bin …“) „faul“, „langweilig“, „dumm“, „egoistisch „…

„Oh bin ich dumm, warum habe ich nicht …“ ist z. B. ein Spruch den man häufig hört.. Obwohl es für viele bloß eine Sprach-Gewohnheit ist, eine „Facon de Parler„,  hat es doch Wirkung – das Unbewusste hört mit.   Mehr dazu in Sätze – Sätze – Sätze

_________________________________

Nun einige Hinweise zur Überwindung der Abwertung und zum Umgang mit Abwertungen Anderer.

_________________________________

Der kategorische Imperativ

Der kategorische Imperativ besagt „Behandle den Andern so, wie du von Anderen behandelt werden willst.“ Er gilt auch und vor allem in schwierigen und konfliktären Gesprächen. Jeden Menschen mit Würde zu behandeln und ihm als Person Wertschätzung entgegenzubringen, ist moralisches Gebot, selbst dann, wenn ich Verhaltensweisen und Handlungen dieser Person ablehne.

Namaste

Dr Grundsatz, jeden Menschen mit Würde zu behandeln wird auch im Sanskrit-Spruch Namaste  ausgedrückt: Ich grüße das Göttliche in Dir.“6), entspricht dieser Wertschätzung.

Das (Zwischen-)Menschliche in der betrieblichen Kommunikation

Zur wertschätzenden Kommunikation gehört auch eine positive Beziehungs-Element am Beginn und Ende jedes Konfliktgesprächs:

  • zu Beginn: zumindest eine Begrüßung und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen
  • am Ende zumindest ein „Danke für das Gespräch“. Auch wenn das Gespräch heftig und konfliktär war, hat sich mein Gegenüber immerhin Zeit für das Gespräch genommen.

Wertschätzung in Kommunikations-Modelle

Sehr viele Kommunikations-Modelle enthalten Elemente der Wertschätzung.

Umgang mit Abwertungen

Zum Umgang mit Abwertungen gibt es zahlreiche Vorschläge7

Prinzipiell gibt es 3 Möglichkeiten, auf Abwertungen in der Kommunikation zu reagieren:

  • „Liegen lassen“
  • Abgrenzung
  • Schlagfertigkeit
Liegen lassen

Prinzipiell kann ich in der Kommunikation jederzeit entscheiden, was ich liegen lasse und was ich aufnehme, worauf ich reagiere. Es ist eines der Grundprinzipien des Beschwerde-Managements, bei Beschwerden das negativ Emotionale des Gegenübers liegen zu lassen oder sogar positiv darauf zu reagieren („Ich kann verstehen, dass sie verärgert sind.“) und das Sachliche, der sachliche Inhalt der Beschwerde aufzunehmen und damit weiter zu arbeiten.

Es kann Gründe geben, die mich entscheiden lassen, warum ich Abwertungen liegen lasse, z. B. bei Kunden-Beschwerden, wenn ich professionell handeln will. Aber es gibt auch zahlreiche weitere Gründe, z. B. weil ich jetzt keinen Streit anfangen will, weil mir jetzt das Sachliche sehr wichtig ist, weil ich andere negative Konsequenzen befürchte, …

Liegen lassen sollte allerdings eine bewusste Entscheidung sein und nicht ein persönliches Muster („Ich lasse alle Abwertungen liegen und reagiere nicht.“) Das würde meinen Selbstwert erheblich negativ beeinflussen.

Abgrenzung

Abgrenzung bei Abwertungen heißt, dem Anderen klar machen, dass ich diese Abwertung nicht akzeptiere, dass ich nicht so kommunizieren will, dass ich so nicht behandelt werden will. Manchmal ist es notwendig, die Abgrenzung sehr deutlich auszudrücken, damit es beim Anderen ankommt. Es braucht jedoch nicht ärgerlich oder sogar wütend erfolgen. Manchmal ist es wirkungsvoller, die Abgrenzung emotional neutral oder sogar wertschätzend durchzuführen: „Ich weiß, Du meinst es gut. Mein Anliegen ist es jedoch …“

Schlagfertigkeit

Schlagfertig zu antworten ist eine weitere Handlungsmöglichkeit. Die schlagfertig Antwort sollte schnell, überraschend und sympathisch kommen, so nennt Valtentin Nowotnydie neue Schlagfertigkeit“ und nennt Obama, Merkel und Klitschko als typische Vertreter dieser Schlagfertigkeit.8. Nowotny nennt 7 Prinzipien, die diese neue Schlagfertigkeit ausmachen. Sie sind zum Einen9

  • auf der persönlichen Ebene: Integrität, Entschiedenheit, Selbst-Sicherheit, Leichtigkeit
    und zum Anderen
  • auf der Handlungs-Ebene: Wortwitz, Überraschung, Übertreibung, Eloquenz

Schlag-fertig antworten heißt eigentlich zurück-schlagen, ist also ein Gegenangriff. Im Ansatz von Nowotny wird aber versucht, den Schlag leicht, mit Humor und sympathisch durchzuführen.

„Schlagfertigkeit verbinden viele mit Plattmachen und Brüskieren – Gewinnen um jeden Preis eben. Das passiert oft, wenn viele Menschen zusammen sind, und es ist dann um so unangenehmer und destruktiver! Dabei lässt sich mit Humor und Sympathie meist viel mehr erreichen. Eine positive Grundhaltung, ein gesundes Maß an Biss und eine Portion Humor sind die Zutaten für die neue Schlagfertigkeit – ein Schlagabtausch ohne Verletzte in dem beide Seiten ihr Gesicht wahren. Wer das beherrscht, fühlt sich in Teamsituationen souveräner, sicherer und kann sympathisch überzeugen und seinen Standpunkt vertreten.“10

Streit, Konflikt

Abwertung ist ein direkter oder indirekter Angriff. Ich kann mit Gegenangriff antworten – auf unterschiedlichen Eskalationsebenen, von leichten Vorwürfen („Du ja auch …“) bis zu schweren Drohungen oder sogar Tätlichkeit. Angriffe sind im Normalfall nicht anzuraten, nicht professionell, nicht konstruktiv. Es kann jedoch Fälle geben, wo ein ‚Gegenschlag‚ die einzige Möglichkeit ist, dass der Gegner ‚begreift‘, dass ich mir nicht alles gefallen lasse. „Es bewusst eskalieren lassen“ heißt es oft in der betrieblichen Kommunikation – z. B. um höhere Hierarchie-Ebenen auf einen Konflikt aufmerksam zu machen.

Im Konflikt-Management und in der Spieltheorie nennt man das „Tit for Tat„. „Wie du mir, so ich dir“ heißt dieses Prinzip in der Alltags-Kommunikation. 11 Es gibt Evidenz dafür, dass im Allgemeinen ein gemäßigter Gengangriff (z. B. 80% der Stärke des Angriffs) die konstruktivste Strategie ist, um Eskalation abzuschwächen oder sogar in die Kooperation z wechseln.

Querverweise:

  1.   vgl. dazu o. A.: „Abwertungen, der Zündstoff im Konflikt-Gespräch“ 
  2.   vgl. dazu o. A.: „Abwertungen, der Zündstoff im Konflikt-Gespräch“ 
  3.   Vgl. zum Gottman-Modell

    meinen Blog-Beitrag Das Beziehungs-Gift der vier apokalyptischen Reiter

    John M. Gottman: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe,

    Eric Hegmann: Wenn der Partner nicht zuhört 

  4.   Vgl. Watzlawick, Störungen
  5.   : Vier Gründe warum Narzissten ihre Partner abwerten 
  6.   Oder auch: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in Dir.“ – vgl. z. B.Nitin Kumar: Namaste – The Yogic Greeting – Exotic India Art 
  7.   vgl. dazu Werner Stangl: Umgang mit Killerphrasen 
  8.   Valentin Nowotny: Die neue Schlagfertigkeit.  Göttingen, Business Village, 3. Auflage 2012, Lesprobe in newconcpt und auf amazon, Rezension in  Andreas Matz: Die neue Schlagfertigkeit  
  9.   Zur Integrität in Zusammenhang mit Abwertung bzw. schwierigen Menschen vgl. Nowotny: Integrität bewahren  
  10.   Nowotny: Agile Teams brauchen Schlagfertigkeit mit Humor und Sympathie 
  11.   Das Prinzip Tit-for-Tat wurde ausgiebig in der Spieltheorie und dort vor allem von Anatol Rapoport, einem Mathematiker und Systemwissenschaftler untersucht. Das Prinzip hat sich vor allem in Situationen vom Typ ‚Gefangenen-Dilemma‚ (Gewinn für beide bei Kooperation, hoher Gewinn, wenn nur einer der beiden Parteien kooperiert – für den, der nicht kooperiert.) bewährt und am meisten zur Kooperation beigetragen.[1.  Vgl. den Nachruf zu Anatol Rapoport 
 

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei